Attendorner Schützen zelebrieren Bügel- und Trillertanz

Gehüpfe auf dem Marktplatz


  • Attendorn, 06.07.2025
  • Verschiedenes
  • Von Mona Pospischil
    Profilfoto Mona Pospischil

    Mona Pospischil

    Redaktion


    E-Mail schreiben
Topnews
Impressionen vom Bügel- und Trillertanz beim Attendorner Schützenfest 2025. von Mona Pospischil
Impressionen vom Bügel- und Trillertanz beim Attendorner Schützenfest 2025. © Mona Pospischil

Attendorn. Nichtsahnende Außenstehende, die sich am Sonntagmorgen, 6. Juli, auf den Alter Markt verirrt haben, denken wahrscheinlich: Die Männer, die dort im Hopserlauf über den Platz tanzen, haben den Schuss nicht gehört. Aber was für die einen kurios scheint, ist für die Attendorner Schützen eine nicht wegzudenkende Tradition: der Bügel- und der Trillertanz.


Wie auch in den Jahren 2022 und 2023 präsentieren die Jungschützen den Bügeltanz und die Schützen den Trillertanz, wie es schon mindestens seit dem 18. Jahrhundert alle fünf Jahre gemacht wird. Aber Moment! Seit dem letzten Mal sind doch bloß zwei Jahre vergangen?! Die diesjährigen Tänze passen jedoch wieder in den Turnus – Auftritte außer der Reihe finden zum Beispiel zu Jubiläen statt.

Bildergalerie starten
Impressionen vom Bügel- und Trillertanz beim Attendorner Schützenfest 2025.

Die Trommel beginnt für diesen Tanz einen Rhythmus zu schlagen, als der Regen eine Pause macht. Der Vortänzer Sebastian Falk führt die Schar Jungschützen an, die schon eineinhalb Monate ein- bis zweimal in der Woche für diesen Moment trainiert haben. Jeder von ihnen hält eine Rute in der Hand, der „Bügel“ genannt wird und somit Namensgeber für die Formation ist.

Neben dieser Choreografie fällt ein junger Mann besonders auf: Er trägt ein rot-weißes Kostüm, das an einen Narren erinnert, und hüpft umher, womit er für Unterhaltung beim Publikum sorgt. Genannt wird diese Figur „Hansel“, in diesem Jahr verkörpert von Erik Frey.

Er erzählt, dass der Weg zum Hansel gar nicht so schwer war: „Eigentlich wird beim ersten Training der Bügeltänzer einfach gefragt, wer Lust darauf hat. Am meisten kostet es halt Überwindung, weil man sich vor dem Attendorner Publikum wortwörtlich zum Narren macht.“

Proben haben sich gelohnt

Für Erik ist es eine große Ehre, diesen Job zu übernehmen, schließlich gibt es pro Aufführung immer nur einen Jungschützen, der den Hansel verkörpert. Beim Finale des Tanzes halten die Jungschützen ihre Bügel eng zusammen und Erik klettert auf die so entstehende „Krone“.

Seiner Truppe vertraut er zu 100 Prozent und sagt vor dem Auftritt noch, dass es nur wackelig wird, wenn nicht alle Tänzer anwesend sind oder die Bügel nicht auf Spannung gehalten werden – der Hansel ist also sorglos und freut sich mit den anderen Bügeltänzern auf die Darbietung. Die Proben haben sich gelohnt: Alles verläuft reibungslos und das Publikum ist begeistert.

Bildergalerie starten
Impressionen vom Bügel- und Trillertanz beim Attendorner Schützenfest 2025.

Aber wer sagt denn, dass nur die Jungspunde herumhopsen dürfen? Die Attendorner Schützenbrüder zeigen, wie’s geht und auch Persönlichkeiten wie der Bürgermeister der Hansestadt machen mit. Eine Theorie zur Entstehung des Trillertanzes (die zwar nicht belegt ist, aber sei’s drum) ist, dass er nach Ende der hessischen und schwedischen Belagerung als Freudentanz aufgeführt wurde. So wären die typischen Rüstungen der „Iserköppe“ nicht das einzige, was aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges bis heute eine Tradition in Attendorn gefunden hat.

Die Zuschauer sind sichtlich amüsiert von den Auftritten und spenden Applaus, bevor zur Nationalhymne die Fahnen der Schützengesellschaft geschwungen werden und Aufbruchstimmung herrscht. Die Schützen haben also sehr wohl den Schuss gehört – zumindest den auf der Vogelsruthe – und pflegen ihre Tradition mit Herzblut.

Heute steht unter anderem noch ein Frühschoppen, „Schützenfest in der Stadthalle“ und der große Zapfenstreich auf dem Plan, bevor am Montag, 7. Juli, die neuen Vogel- und Scheibenkönige ermittelt werden und der Festzug stattfindet.

Artikel teilen: