„Keine reine Männersache“: Britta überlebt Herzinfarkt dank schneller Hilfe
Attendorner Arzt der Helios Klinik handelt sofort
- Attendorn, 30.05.2026
- Gesundheit & Medizin
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Attendorn. Laut der Deutschen Herzstiftung sind im Jahr 2023 mehr als 17.000 Frauen in Deutschland an den Folgen eines Herzinfarkts gestorben. Viele dieser Todesfälle könnten verhindert werden, wenn die Symptome schneller und zuverlässiger erkannt würden. Das Problem: Der Herzinfarkt gilt noch immer häufig als typische „Männersache“.
Marda ist Oberarzt der Abteilung für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am Helios Klinikum Attendorn. Am 23. Februar dieses Jahres hat er Dienst, als die 39-jährige Britta Bulis in lebensbedrohlichem Zustand eingeliefert wird. Noch während der Fahrt ins Krankenhaus schreibt der Rettungsdienst ein EKG – mit eindeutigem Ergebnis: Herzinfarkt.
Die Symptome, die sie quälten, hatten zunächst jedoch nicht eindeutig darauf hingedeutet. Am wenigstens für die Betroffene selbst. „Das EKG ließ aber keinen Zweifel zu – wir mussten sofort handeln“, sagt Marda.
Der Morgen beginnt für Britta Bulis zunächst wie jeder andere. Rückenschmerzen kennt sie bereits. Trotzdem läuft der Alltag weiter: Die Kinder müssen für Schule und Kindergarten fertig gemacht werden.
Doch von jetzt auf gleich explodieren die Schmerzen zwischen den Schulterblättern, werden unerträglich. „Mein Kreislauf spielte völlig verrückt. Ich musste mich auf den Boden legen und die Beine hochlegen. Ich konnte einfach nichts mehr“, erinnert sich die Mutter zweier kleiner Kinder.
Als der Rettungswagen eintrifft, kann Britta Bulis vor Schmerzen kaum noch sprechen, nur noch leise stöhnen. Der Notarzt ahnt schnell, dass mehr dahintersteckt als Rückenprobleme – und behält recht. Das Notfall-EKG bestätigt den Verdacht auf einen Herzinfarkt. Von da an zählt jede Minute. Mit Blaulicht und Martinshorn geht es in die Helios Klinik Attendorn.
„Ein Herzinfarkt bei Frauen unterscheidet sich medizinisch in mehreren wichtigen Punkten von dem bei Männern – und genau das macht ihn oft gefährlicher“, erklärt Prof. Dr. Atilla Yilmaz, Chefarzt der Kardiologie am Helios Klinikum Attendorn.
Typische Symptome bei Frauen seien nicht nur Schmerzen oder Druck in der Brust, sondern häufig auch Beschwerden im Rücken, Kiefer, Nacken oder Oberbauch. Hinzu kämen Atemnot, Übelkeit, Erbrechen, starke Erschöpfung, Schwindel oder kalter Schweiß. „Oft werden diese Symptome weder von den Betroffenen selbst noch vom medizinischen Personal sofort als Herzinfarkt erkannt“, so Dr. Yilmaz. Zudem verliefen Herzinfarkte bei Frauen häufig schwerer und seien komplizierter zu behandeln.
Unter örtlicher Betäubung setzt Radhwan Marda ihr über einen Zugang in der Leiste mehrere Stents ein. Der Arzt muss sich mit seinen filigranen OP-Instrumenten fast „blind“ den Weg durch das zerstörte Gefäß bannen und sich in wie in einem Labyrinth zurechtfinden. Und das bei absolutem Zeitdruck. Aber mit Happy End.
Zur weiteren Behandlung wird Birgit Bulis per Hubschrauber ins Herzzentrum am Helios Universitätsklinikum Wuppertal geflogen. Die Herzfunktion der 39-Jährigen kehrt allmählich wieder in einen normalen Modus zurück. Es erfolgte eine Kontrollkoronarangiographie und eine Nachdehnung der Stents. Wenige Tage später konnte Birgit Bulis das Krankenhaus wieder verlassen.
Heute lebt die Plettenbergerin weitgehend ohne Einschränkungen. „Ich kann vieles wieder so machen wie vorher und bin sowohl im Beruf als auch in der Familie wieder auf einem guten Weg, sagt sie. Vor allem empfinde sie große Dankbarkeit gegenüber allen Beteiligten – dem Rettungsdienst ebenso wie den Ärzten und Pflegekräften in Attendorn und Wuppertal. Ohne die schnelle und reibungslose Zusammenarbeit hätte sie möglicherweise nicht überlebt.
„Ich wünsche mir, dass andere Frauen in derselben Situation ebenfalls die richtige Diagnose bekommen. Der Herzinfarkt ist keine reine Männersache mehr. Das muss endlich in die Köpfe.“