KI im Mittelstand: Vom Hype zur Umsetzung

Erfahrungsaustausch des BVMW bei BEULCO zeigt Chancen, Grenzen und Erfolgsfaktoren


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Rund zehn mittelständische Unternehmen aus dem Sauerland diskutierten bei BEULCO über Nutzen, Herausforderungen und kulturelle Folgen des KI-Einsatzes. v.l.n.r.: Julian Yogeshwar (Gründer Just Forward & KI Experte), Jürgen Christian Schütz (geschäftsführender Gesellschafter BEULCO), Peter Staudt (Direktor des Bundeswirtschaftssenats) von privat
Rund zehn mittelständische Unternehmen aus dem Sauerland diskutierten bei BEULCO über Nutzen, Herausforderungen und kulturelle Folgen des KI-Einsatzes. v.l.n.r.: Julian Yogeshwar (Gründer Just Forward & KI Experte), Jürgen Christian Schütz (geschäftsführender Gesellschafter BEULCO), Peter Staudt (Direktor des Bundeswirtschaftssenats) © privat

Attendorn. Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz (KI) heute wirklich im Mittelstand – jenseits von Hype und Schlagzeilen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Erfahrungsaustauschs, zu dem der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) unter der Leitung des Spitzengremiums BWS (Bundeswirtschaftssenat) kürzlich bei der BEULCO GmbH & Co. KG eingeladen hatte.


Rund zehn mittelständische Unternehmen aus dem Sauerland, die zusammen mehrere tausend Beschäftigte repräsentieren, diskutierten offen über Nutzen, Herausforderungen und kulturelle Folgen des KI-Einsatzes.

KI als viertes Grundverständnis

In seiner Einleitung stellte Peter Staudt (Direktor des BWS) die provokante These auf, KI-Kompetenz müsse künftig als „viertes Grundverständnis“ neben Lesen, Schreiben und Rechnen verstanden werden. Zugleich griff er die verbreitete Skepsis auf: Ist der KI-Hype bereits vorbei? Stellt sich Ernüchterung ein, weil der konkrete Nutzen im Betriebsalltag noch unklar ist? Und welche Konsequenzen hat KI für die menschliche Belegschaft?

Sein Fazit fiel trotz aller kritischen Fragen eindeutig aus: „Ohne den Einsatz von KI werden es Unternehmen auf Dauer schwer haben.“ KI sei ein zentraler Hebel für Effizienz, Produktivität, Innovationsfähigkeit und Wachstum – allerdings nur, wenn sie sinnvoll in die Organisation integriert werde. Genau hier setzte der Erfahrungsaustausch an.


BEULCO als Gastgeber: Agile Strukturen als Fundament

Der gastgebende geschäftsführende Gesellschafter und heutige Wirtschaftssenator im BWS Jürgen-Christian Schütz stellte die BEULCO GmbH & Co. KG vor. Das Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitenden ist Spezialist für die Verarbeitung und Bearbeitung von Buntmetallen und Kupferlegierungen und liefert Produkte für die Trinkwasserversorgung – überall dort, wo Wasser fließt.

BEULCO beschäftigt sich bereits seit 2019 intensiv mit agilen Organisationsformen. Ein sichtbares Zeichen dafür sind jährlich stattfindende Open-Space-Veranstaltungen, an denen alle Mitarbeitenden teilnehmen. Für ein bis zwei Tage wird dafür sogar die Produktion vollständig gestoppt – ein bewusster wirtschaftlicher Aufwand, um Zukunftsthemen gemeinsam zu bearbeiten.

2024 stand dabei KI im Fokus, mit dem Ziel, allen Beschäftigten ein ganzheitliches Verständnis zu vermitteln: von der Bedeutung für das Unternehmen über konkrete Auswirkungen auf den Einzelnen bis hin zu Workshops zur Identifikation praxisnaher Einsatzpotenziale.

Rund zehn mittelständische Unternehmen aus dem Sauerland diskutierten bei BEULCO über Nutzen, Herausforderungen und kulturelle Folgen des KI-Einsatzes. von privat
Rund zehn mittelständische Unternehmen aus dem Sauerland diskutierten bei BEULCO über Nutzen, Herausforderungen und kulturelle Folgen des KI-Einsatzes. © privat

Schütz machte deutlich: Flexible, agile Strukturen seien eine Grundvoraussetzung für den erfolgreichen Einsatz von KI. Entsprechend ist KI bei BEULCO fest in der Unternehmensstrategie verankert. Vorgestellt wurden unter anderem KI-gestütztes Sourcing, die Optimierung der Fertigungsplanung (Rüstzeiten, Takte, Stückzahlen, Formteile), KI-basierte Auftragserfassung sowie eine weitgehend automatisierte Abwicklung in der Buchhaltung. Ein besonderer Fokus liegt auf der Fertigung – mit dem Ziel, Effizienz, Geschwindigkeit, Anpassungsfähigkeit und Kundenservice weiter zu steigern.

Impuls: Was macht uns künftig wettbewerbsfähig?

Einen übergeordneten Blick auf das Thema warf Julian Yogeshwar, Founder & CEO von Just Forward und ausgewiesener KI-Experte. Er stellte grundlegende Fragen zur Arbeitswelt von morgen: Welche Skills brauchen Mitarbeitende künftig? Wonach wählen Unternehmen Talente aus, wenn KI jederzeit Zugriff auf Expertenwissen ermöglicht? Welche Rolle spielen Abschlüsse und Noten noch, wenn sich Arbeitsinhalte grundlegend verändern?

Angesichts der internationalen Konkurrenz – insbesondere aus den USA und China – diskutierten die Teilnehmenden zudem, worin Deutschlands eigentlicher Wert liegt. Die klare gemeinsame Einschätzung: Deutschlands Stärke liegt im tiefen Wissen über Materialien, Prozesse und industrielle Fertigung. Produktions-Know-how, etwa im Maschinenbau und in der Metallverarbeitung, sei der entscheidende Wettbewerbsvorteil. „Wenn wir dieses industrielle Wissen mit KI verbinden, sind wir zukunftsfähig“, lautete der Tenor.

Austausch auf Augenhöhe statt Warten auf Politik

Im abschließenden Nachwort appellierte Peter Staudt an die unternehmerische Eigenverantwortung: „Wir dürfen nicht darauf warten, dass die Politik alles regelt.“ Es liege an den Unternehmen selbst, sich auszutauschen, voneinander zu lernen und gemeinsam zu wachsen – genau dafür sei dieses Format gedacht.

In der anschließenden Diskussion wurden zentrale Erfolgsfaktoren und offene Fragen deutlich benannt. Einigkeit bestand darin, dass es sowohl Top-down-Impulse als auch Bottom-up-Initiativen braucht. Mitarbeitende und Fachbereiche müssen befähigt werden, selbst zu formulieren, wo KI unterstützen kann und wohin die Reise gehen soll. Gleichzeitig bleibt das Thema stark kulturell geprägt: Akzeptanz, Ängste und Unsicherheiten müssen ernst genommen werden.

Die rasante Entwicklung von KI sorgt zudem für ein Gefühl permanenter Unsicherheit – niemand könne heute sagen, wie die Arbeitswelt in wenigen Monaten aussieht. Umso wichtiger sei ein grundlegendes Umdenken in Lernen, Führung und Innovationskultur. Oder wie es ein Teilnehmer pointiert formulierte: „Die größte Gefahr von KI ist die Einsamkeit.“ Trotz aller technologischen Möglichkeiten dürfe das Menschliche nicht verloren gehen – es bleibe der entscheidende Unterschied.

Der Erfahrungsaustausch bei BEULCO machte deutlich: KI ist kein Allheilmittel, aber ein strategisches Werkzeug. Wer sie mit Unternehmenskultur, industriellem Know-how und Lernbereitschaft verbindet, schafft die Basis für nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit im Mittelstand.

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