„Muss man das hinnehmen?“ – Anwohner der Kölner Straße sind genervt
Verkehrsprüfung zeigt geringes Gefährdungspotenzial auf
- Attendorn, 21.07.2026
- Straße & Verkehr
- Von Jana Becker
Attendorn. Laute Motorengeräusche, Stau und Abgase – Anwohner der Kölner Straße sind genervt von dem starken Verkehr vor ihrer Haustür. Sie wünschen sich, dass dort Tempo 30 gilt. Auf Nachfrage von LokalPlus erklärt die Stadt Attendorn, warum sie dafür keinen Anlass sieht.

Autofahrer würden viel zu schnell fahren, berichtet Jürgen Gietmann. Er wohnt an der Kölner Straße. Dem Abschnitt, auf dem nicht Tempo 20, sondern Tempo 50 gilt. Teilweise wird es so laut auf der Straße, dass er und seine Frau die Fenster nicht öffnen können. „Die schießen die Straße hoch und drehen die Motoren auf. Muss man das so hinnehmen?“

Einige Anwohner der Kölner Straße haben ihre Bedenken an die Stadt Attendorn herangetragen, berichtet Jürgen Gietmann. Sie wünschen sich eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h für den Streckenabschnitt, so wie in auf der angrenzenden Hansastraße oder dem Abschnitt der Kölner Straße, der ab dem Kreisel bei der Feuerwehr in die Innenstadt führt und auf dem Tempo 20 gilt.
Es folgten Ortsbegehungen und Gespräche. Auch eine Verkehrsprüfung hat stattgefunden, aber die gewünschte Änderung vor Ort ist ausgeblieben. „Es ist für uns unverständlich, dass hier nichts passiert“, ärgert sich Jürgen Gietmann.
„Es ist für uns unverständlich, dass hier nichts passiert”
Die Stadt Attendorn bestätigt auf Nachfrage von LokalPlus, dass die Verkehrssituation auf dem betreffenden Straßenabschnitt geprüft wurde. Auch Ortsbegehungen haben stattgefunden. Laut Ordnungsamt, Tiefbauamt und Baudezernent sprechen die Ergebnisse jedoch gegen eine Einführung von Tempo 30.

Denn sie zeigen, dass es auf dem Straßenabschnitt nicht häufig zu Unfällen komme und dass die durchschnittliche Geschwindigkeit der Autofahrer 52 km/h betrage. „Die zulässige Höchstgeschwindigkeit wird damit von der überwiegenden Zahl der Verkehrsteilnehmer eingehalten“, heißt es seitens der Stadt.
Eine Gefahr für Fußgänger und die Schulkinder bestehe ebenfalls nicht. Der Straßenabschnitt sei gut ausgebaut und die Gehwege an beiden Straßenseiten breit genug, auch auf Höhe der Laurentius- und Martinus-Schule. Zum sicheren Überqueren der Straße gibt es zudem eine Ampel.

Weiter heißt es: „Darüber hinaus ist zu berücksichtigen, dass die Kölner Straße eine der wichtigsten Zufahrtsstraßen in die Stadt darstellt und daher eine wesentliche Funktion für den überörtlichen und innerstädtischen Verkehrsfluss erfüllt“.
Deshalb gebe es aktuell keine Anhaltspunkte für eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit auf Tempo 30: Da „das Gefährdungspotenzial insgesamt als vergleichsweise gering eingeschätzt wird“, lautet die Schlussfolgerung der Stadt.
Eine andere Situation habe sich hingegen bei der Hansastraße ergeben. Dort haben mehrere Faktoren dafür gesprochen, Tempo 30 einzuführen: zwei Schulen (Sonnenschule und Rivius-Gymnasium), eine Seniorenresidenz („Franziskanerhof“ der GFO), Bushaltestellen, die täglich von rund 1.400 Schülerinnen und Schülern genutzt werden sowie die Zu- und Abfahrten des Rettungsdienstes und des Feuerwehrgerätehauses.




Die Verkehrssituation an der Kölner Straße soll aber trotzdem weiter beobachtet werden. Digitale Geschwindigkeitsdisplays und anlassbezogene Kontrollen sollen weiterhin stattfinden und Fahrer aufmerksamer machen.
