Neues Leben in alter Kirche: Künstlerinnen errichten Ateliers in Petersburg
Ein Experiment an einem musischen Ort
- Attendorn, 29.07.2026
- Verschiedenes
- Von Jana Becker
Petersburg. In Petersburg ist man einen ungewöhnlichen Schritt gegangen, um eine leere Kirche vor dem Verfall zu schützen. Seit einigen Monaten sind die Kirchenräume an ein Künstlerinnen-Trio vermietet. Susanne Gehrmann, Susanne Siewer-Wolter und Tanja Evers haben es sich gemütlich gemacht in der evangelischen Friedenskirche und hier ihre Ateliers eingerichtet.

Es war Susanne Gehrmann, die auf der Suche nach einem Atelier über einen Bekannten auf die Kirche aufmerksam gemacht wurde. „Ich suche ein Atelier und keine Kirche“, sei ihr erster Gedanke gewesen, gesteht sie lachend. Doch bei der Besichtigung sei direkt der Funke übergesprungen. Tanja Evers kennt das: „Dieses Gefühl, wenn man hier reinkommt, das ist magisch“, schwärmt sie.
Susanne Gehrmann ist schnell begeistert, muss aber zunächst Künstler finden, die diesen Schritt mit ihr gemeinsam gehen wollen. Sie wendet sich per WhatsApp-Nachricht an eine alte Bekannte.




„Ich habe sofort geantwortet: bin dabei! Da hatte ich mir das noch gar nicht genau angeguckt“, erinnert sich Susanne Siewer-Wolter. Für sie kam die Möglichkeit sehr gelegen, da sie sich sowie so räumlich vergrößern wollte.
Die dritte im Bunde, Tanja Evers, erfuhr durch einen Zufall von dem Projekt. Als sie den Aufruf bei Instagram sieht, kann sie es kaum glauben. Denn die Fotografin und Bildhauerin kommt aus Neu-Listernohl. Auch wenn sie mittlerweile fortgezogen ist, verbindet sie mit der Friedenskirche ganz besondere Erinnerungen.
Früher sei sie immer mit ihrer Oma zum Friedhof gegangen, der direkt hinter der Kirche liegt. Heute liegt ihre Oma dort begraben und Tanja Evers kann ihr beim Arbeiten in ihrem Atelier wieder nah sein. „Da schließt sich jetzt der Kreis“, so Tanja Evers. Hier hat sie auch ausreichend Platz, um ihre Skulpturen aufzustellen und ihr Material: Im Außenbereich lagern mehrere Baumstämme, die darauf warten, bearbeitet zu werden.
„Das hier ist ein wirklich sehr musischer Ort“, findet Susanne Gehrmann. „Aber es muss noch einiges gemacht werden“, weiß sie. Bisher hat sich aber auch schon einiges verändert. In drei separaten Räumen sind drei ganz unterschiedliche Ateliers entstanden – so unterschiedlich wie auch der Charakter und die Arbeiten der drei Künstlerinnen sind.
„Kunst ist konfessionslos und das ist gut so [...]. Aber man spürt das Lachen und das Weinen, dass diese Räume mal gefüllt hat”
Auch wenn die Künstlerinnen alle eine andere Einstellung zu Glauben haben, so messen sie dem kirchlichen Ort gleichermaßen eine besondere Bedeutung zu. „Kunst ist konfessionslos und das ist gut so“, so Tanja Evers. „Aber man spürt das Lachen und das Weinen, dass diese Räume mal erfüllt hat.“
„...und den Tod“, ergänzt Susanne Gehrmann. „Das schwingt immer mit und das merkt man teilweise auch an den Arbeiten.“ Diese Arbeiten zieren jetzt den Altarraum – das Herzstück der Kirche, mit dem offenen Atrium davor.
Hier trifft Kirche auf Kunst. Aktfotografien hängen neben dem gekreuzigten Jesus. Die abstrakte Kunst von Susanne Gehrmann findet sich neben der gegenständlichen Malerei von Susanne Siewer-Wolter. In einer Ecke ragt die große Orgel hervor, die unzählige Gottesdienste musikalisch begleitet hat. Davor sind Skulpturen von Tanja Evers ausgestellt. Ein Mikron steht auf der Mauer der Kanzel, als wäre dort noch vor wenigen Minuten gepredigt worden, doch die typischen Kirchen-Holzbänke sucht man vergebens.
Bei allen Arbeiten wurden das Trio von ihren Vermietern, also der Evangelischen Kirchengemeinde Attendorn-Lennestadt, unterstützt. Obwohl anfangs Unsicherheit herrschte bezüglich der ungewöhnlichen Nutzung der Kirchenräume und auch ein paar kritische Stimmen laut wurden. Doch spätestens seit der Atelierseröffnung und Vernissage im Juni waren auch die Kritiker überzeugt und der Zuspruch ist seither groß.
Dass die Kirche den Mut hatte, diesen Schritt zu gehen, bewundern die drei Künstlerinnen. „Es ist ein Experiment, aber vielleicht sind wir ja auch Vorreiter“, schmunzelt Susanne Gehrmann. Das Trio freut sich auf die Zukunft, in den Räumen und vor allem auch gemeinsam kreativ zu werden.
Weiter verfolgen kann man das Projekt auf den Instagram-Kanälen der Künstlerinnen: Susanne Gehrmann, Susanne Siewer-Wolter, Tanja Evers.
