Von Neu-Delhi nach Attendorn: Adityansh Ray macht Ausbildung bei der LEWA

Wie eine Ausbildungspartnerschaft den Fachkräftemangel bekämpft


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Mit gerade einmal 19 Jahren hat Adityansh Ray aus Neu-Delhi einen großen Schritt gewagt: Er ist vor einem Jahr nach Attendorn gezogen, um hier seine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei der LEWA zu machen. von Jana Becker
Mit gerade einmal 19 Jahren hat Adityansh Ray aus Neu-Delhi einen großen Schritt gewagt: Er ist vor einem Jahr nach Attendorn gezogen, um hier seine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei der LEWA zu machen. © Jana Becker

Attendorn. Mit gerade einmal 19 Jahren hat Adityansh Ray aus Neu-Delhi einen großen Schritt gewagt: Er ist vor einem Jahr nach Attendorn gezogen, um hier seine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei der LEWA zu machen. Ermöglicht haben ihm und anderen jungen Menschen aus Indien das die Ausbildungspartnerschaften mit Asien und Lateinamerika (APAL). Über seine Erfahrungen und die Hintergründe des Projekts haben der Azubi, die LEWA und die Bundesagentur für Arbeit bei einem Pressetermin am Freitag, 24. Juli, berichtet.


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Bis vor einem Jahr wusste Adityansh Ray aus Neu-Delhi noch nicht viel über Deutschland, geschweige denn über das deutsche Ausbildungssystem. Das änderte sich, als er das Projekt APAL kennenlernte und darüber einen Ausbildungsplatz bei der LEWA angeboten bekommen hat. Lange überlegen musste Adityansh nicht. „Ich werde nach Deutschland gehen“, war damals sein erster Gedanke.

Mit gerade einmal 19 Jahren hat Adityansh Ray aus Neu-Delhi einen großen Schritt gewagt: Er ist vor einem Jahr nach Attendorn gezogen, um hier seine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei der LEWA zu machen. von Jana Becker
Mit gerade einmal 19 Jahren hat Adityansh Ray aus Neu-Delhi einen großen Schritt gewagt: Er ist vor einem Jahr nach Attendorn gezogen, um hier seine Ausbildung zum Elektroniker für Betriebstechnik bei der LEWA zu machen. © Jana Becker

Der 19-Jährige ist einer von drei indischen Jugendlichen, die seit vergangenem Jahr ihre Ausbildung bei der LEWA absolvieren. Adityansh Ray sei damals mit einer Mischung aus Angst und Enthusiasmus am Frankfurter Flughafen gelandet, erzählt der 19-Jährige. Er ist von seinem Elternhaus in die erste eigene Wohnung gezogen und das in einem ihm fremden Land. „Ich hatte keine Ahnung, wie die Welt funktioniert.“

Das habe sich geändert. Haushalt, Kochen, Sprachkurse, Hobbys und nebenbei die Ausbildung meistern: das fällt ihm immer leichter. Wenn er mal den Kopf frei kriegen will, fährt er mit dem Fahrrad zur Bigge. Adityansh Ray ist angekommen.

Was ihm dabei geholfen hat? „Wir hatten Eltern“, sagt er und meint damit Tim Sangermann (Leitung HR, KI und Transformation) und Claudia Bügeler (Bildungsreferentin) von LEWA. Die beiden sind Ansprechpartner für alle Fragen der indischen Jugendlichen – auch außerhalb des Arbeitsverhältnisses.

„Herzensprojekt, Brückenbauer und Chancengeber“

Was einerseits eine große Chance für einen jungen Menschen ist, ist zeitgleich der Versuch, dem Fachkräftemangel in Deutschland entgegenzuwirken, erklärt Simone Stuhrmann von der Agentur für Arbeit Siegen, die sich an dem Projekt APAL seit drei Jahren als Vermittler beteiligt. Für sie ist die APAL ein „Herzensprojekt, Brückenbauer und Chancengeber“.

Man wolle natürlich in erster Linie bei der Besetzung von Ausbildungsstellen die eigene Region im Blick haben, das gelinge aber rein rechnerisch gar nicht. Denn auf 100 Stellen kommen 59 Jugendliche. Und in dem Bereich, in dem Adityansh Ray tätig ist, dem gewerblich-technischen, sind es sogar nur 20 Jugendliche. In Indien hingegen herrscht eine hohe Jugendarbeitslosigkeit. „Es ist also eine Win-Win-Situation.“

v.l.: Claudia Bügeler (Bildungsreferentin bei LEWA), Adityansh Ray (Azubi Elektroniker für Betriebstechnik bei LEWA), Tim Sangermann (Leitung HR, KI und Transformation bei LEWA) und Simone Stuhrmann (Geschäftsführerin Operativ, Agentur für Arbeit Siegen). von Jana Becker
v.l.: Claudia Bügeler (Bildungsreferentin bei LEWA), Adityansh Ray (Azubi Elektroniker für Betriebstechnik bei LEWA), Tim Sangermann (Leitung HR, KI und Transformation bei LEWA) und Simone Stuhrmann (Geschäftsführerin Operativ, Agentur für Arbeit Siegen). © Jana Becker

Die LEWA ist eines der ersten Unternehmen in der Region, die an der APAL teilnehmen. Die größte Sorge sei anfangs der bürokratische Aufwand gewesen, „aber das war überschaubar“, so Tim Sangermann. Denn die Agentur für Arbeit begleitet die Unternehmen während des gesamten Projekts. Die Auswahl und erste Vorstellungsgespräche finden online statt. Auch Sprachkurse machen die Jugendlichen noch in ihrer Heimat, bis sie Sprachniveau B1 erreichen, unterstützt vom Goethe-Institut.

Damit die Jugendlichen dann aber nicht nur nach Deutschland kommen, sondern auch hier bleiben, wird versucht, eine gute Willkommenskultur zu schaffen: Die Azubis erhalten weiter Sprachkurse, werden in guten Wohnungen in Wohngemeinschaften untergebracht und bekommen „Kümmerer“ im Unternehmen, wie Simone Stuhrmann erklärt.

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Ganz kostenlos ist das für die Unternehmen nicht. Die Bundesagentur für Arbeit nimmt zwar keine Vermittlungsgebühren, dafür erhalten die Azubis eine finanzielle Starthilfe, die erste Wohnungsmiete und die Sprachkurse sowie die normale Ausbildungsvergütung. Kostenpunkt pro APAL-Azubi während der gesamten Ausbildung: 5.000 bis 8.000 Euro.

93 Prozent bleiben – Adityansh auch

Tim Sangermann und Claudia Bügeler sind von dem Projekt begeistert. „Wir haben reiche Erfahrungen gesammelt“, fasst Claudia Bügeler zusammen. Es sei auch bemerkenswert gewesen, wie motiviert die indischen Jugendlichen von Anfang an gewesen seien. „Adityansh Ray kannte die LEWA und die Mitarbeiter seiner Abteilung schon über Facebook“, erzählt sie. Den Alter Markt in Attendorn habe er virtuell über Google Maps erkundet.

Auch die Ergebnisse des Projekts sprechen für sich: „Von den 250 indischen Jugendlichen, die über APAL in der Region ihre Ausbildung begonnen haben, haben alle ihre Abschlussprüfung bestanden“, freut sich Simone Stuhrmann.

Und: Nur sieben Prozent kehrten anschließend in ihr Heimatland zurück. Zurück nach Indien möchte Adityansh Ray nach seiner Ausbildung nicht, zumindest nicht dauerhaft. Ihm gefällt sein neues Leben in Attendorn. Der 19-Jährige möchte in Deutschland bleiben und würde gerne weiter bei der LEWA arbeiten.

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