„Zäsur“ für Attendorn: Betrieb auf Burg Schnellenberg schließt

Wie es weiter geht, ist ungewiss


  • Attendorn, 19.06.2026
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Die Burg Schnellenberg bei Attendorn. von privat
Die Burg Schnellenberg bei Attendorn. © privat

Attendorn. Jetzt steht es fest: Auf der Burg Schnellenberg in Attendorn gehen Ende Juli die Lichter endgültig aus, der Hotel- und Restaurantbetrieb schließt. Eine Nachricht, die nicht nur bei Geschäftsführer Thomas Bilsing Ungewissheit und Sorge hervorruft.


Im April war bekannt geworden, dass die Bilsing Hotelbetrieb GmbH & Co. KG, die die Burg Schnellenberg betreibt, Insolvenz angemeldet hatte. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde laut öffentlicher Bekanntmachung Rechtsanwalt Dr. Jan Janßen aus Siegen bestellt. Dieser war telefonisch nicht erreichbar, Informationen zum aktuellen Stand konnte aber der Geschäftsführer Thomas Bilsing selbst geben.

Am Mittwoch, 17. Juni, habe er von dem Insolvenzverwalter erfahren, dass der Betrieb zum 1. August schließen werde. Seitdem gerät der Geschäftsführer laut eigener Aussage „von einer Nebenfront in die nächste“.

Gäste werden kontaktiert

„Wir arbeiten aktuell alle Reservierungen ab August systematisch ab und informieren die Gäste telefonisch über die Schließung“, erzählt Thomas Bilsing. Auch Geschäftspartner und Lieferanten muss er kontaktieren. Die Liste sei lang, der Stress enorm. „Ich konnte noch nicht einmal alle Mitarbeiter darüber in Kenntnis setzen“, bedauert Thomas Bilsing.

Wie es für ihn persönlich weitergehen wird, weiß er zurzeit auch nicht. Er konzentriert sich aktuell darauf, seine zwölf festangestellten Mitarbeiter und die weiteren Angestellten zu unterstützen und ihnen, soweit möglich, Jobs zu vermitteln und einen nahtlosen Übergang zu ermöglichen.

Die Burg Schnellenberg bei Attendorn. von privat
Die Burg Schnellenberg bei Attendorn. © privat

Bis zur Schließung wird der Restaurantbetrieb aufrechterhalten. Die Gäste sollen sich genau so wohlfühlen wie immer, wünscht sich Thomas Bilsing. Das Angebot müsse allerdings nach und nach angepasst werden.

Stadt Attendorn bedauert Schließung

Die Stadt Attendorn bedaure die Schließung sehr, heißt es auf Nachfrage von LokalPlus aus dem Rathaus. Die Burg Schnellenberg sei für Attendorn nicht nur historisch bedeutsam, sondern auch touristisch prägend, landschaftlich herausragend gelegen und für viele Menschen mit persönlichen Erinnerungen verbunden.

Die Schließung bedeute neben dem Wegfall eines besonderen Hotel- und Gastronomiebetriebes auch eine Zäsur für einen wichtigen touristischen und repräsentativen Standort in Attendorn.

Welche Auswirkungen die Betriebseinstellung auf die standesamtlichen Trauungen hat, die die Stadt im Gewölbe der Burg anbietet, werde aktuell „mit Hochdruck“ geprüft, versichert der Leiter des Amts für Zentrale Dienste, Stefan Lütticke. „Den betroffenen Paaren soll versichert sein, dass wir intensiv an einer Lösung arbeiten. Sobald verbindlich geklärt ist, ob und unter welchen Rahmenbedingungen Trauungen dort weiterhin stattfinden können, wird die Hansestadt Attendorn die betroffenen Paare informieren.“

Die Burg Schnellenberg in Attendorn. von Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Hirsch
Die Burg Schnellenberg in Attendorn. © Deutsche Stiftung Denkmalschutz/Hirsch

Die Insolvenz der Bilsing Hotelbetrieb GmbH & Co. KG ist der zweite Insolvenzfall eines Gastronomiebetriebes in Attendorn innerhalb weniger Monate. Im November 2025 hat Stefan Kranz, Betreiber des Stadthallen-Restaurants „Der Gast“, ebenfalls Insolvenz angemeldet. Diese beiden Fälle nehme die Hansestadt Attendorn mit Sorge wahr.

Man wolle keine pauschalen Schlüsse über die gesamte gastronomische Situation in Attendorn ziehen, dennoch zeige die Entwicklung, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Betriebe in dieser Branche anspruchsvoll seien. „Die Stadt wird diese Entwicklung aufmerksam beobachten und im Rahmen ihrer Möglichkeiten konstruktiv begleiten“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme der Stadt.

Hintergrund

Die Familie Bilsing hatte die Burg 1928 gepachtet, nutzte sie anfangs hauptsächlich für landwirtschaftliche Zwecke mit einer kleinen Gastwirtschaft und eröffnete 1958 das „Burghotel“. 1998 ist Thomas Bilsing in das Familienunternehmen eingestiegen. Die Burg Schnellenberg, die seit Jahren ein 4-Sterne-Hotel mit Restaurant, Veranstaltungsräumen und Wellnessbereich beherbergt, befindet sich im Eigentum der Kulturstiftung Fürstenberg-Herdringen.

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