Fehlende Rezepte, offene Fragen: Versorgungslücken nach Klinikentlassungen
Online-Umfrage des Ärzteverbundes
- Aus der Region, 18.05.2026
- Gesundheit & Medizin
Südwestfalen. Eine regionale Online-Befragung des Ärzteverbundes Südwestfalen zeigt anhaltende Probleme beim Übergang zwischen Krankenhaus und ambulanter Versorgung. Fehlende Rezepte, unvollständige Medikationspläne, offene Fragen zur weiteren Behandlung oder unklare Entlassberichte - viele kurzfristige Besuche in Hausarztpraxen erfolgen direkt nach Krankenhausentlassungen.


Teilweise sogar mit dem direkten Hinweis, den Hausarzt aufzusuchen, damit dieser sich um alles Weitere kümmere. Besonders rund um Feiertage und lange Wochenenden werde sichtbar, wie wichtig funktionierende Übergänge zwischen Krankenhaus und ambulanter Versorgung seien, meint der Ärzteverbund Südwestfalen. Viele Termine seien vermeidbar, wenn Verordnungen, Informationen und Unterlagen bereits direkt bei der Entlassung geregelt worden wären.
Anfang des Jahres hatte der Ärzteverbund Südwestfalen zu dem Thema eine regionale Online-Befragung gestartet. Ausgewertet wurden 234 Rückmeldungen aus Südwestfalen, die meisten davon aus dem Kreis Olpe und dem Raum Siegen. Es ist davon auszugehen, dass sich insbesondere Patienten beteiligt haben, bei denen es nach der Entlassung offene Fragen oder Probleme gab.




Die Rückmeldungen beziehen sich überwiegend auf Krankenhausbehandlungen. 79,3 Prozent der Teilnehmenden gaben an, zuvor im Krankenhaus behandelt worden zu sein. 22,8 Prozent berichteten, dass kein abschließendes ärztliches Gespräch stattgefunden habe. 60,7 Prozent erhielten keinen vollständigen Medikationsplan inklusive Dosierung.
Wenn rezeptpflichtige Medikamente empfohlen wurden, erhielten 55,1 Prozent nach eigenen Angaben kein Rezept. Bei empfohlenen weiteren Maßnahmen wie Krankengymnastik wurden in 72 Prozent der Fälle keine entsprechenden Verordnungen ausgestellt.
„Es wird leider immer noch damit argumentiert, das sei im Krankenhaus nicht möglich. Dabei existiert das Entlassmanagement bereits seit mehreren Jahren. Krankenhäuser können und dürfen viele dieser Leistungen direkt verordnen oder organisieren. Es gibt Krankenhäuser, bei denen gute Übergänge funktionieren. Deshalb sollte offen darüber gesprochen werden, warum dies regional teilweise so auffällig schwierig bleibt“, erklärt Stefan Spieren, Vorsitzender des Vorstandes des Ärzteverbundes Südwestfalen und Allgemeinmediziner aus Hünsborn.

Das Thema sei seit Jahren bekannt und werde regelmäßig angesprochen. Mit einigen Kliniken bestehe hierzu ein offener und konstruktiver Austausch. Teilweise werde erklärt, dass bestimmte Abläufe organisatorisch oder personell nur schwer umzusetzen seien. Dies sorge zunehmend für Unverständnis, da funktionierende Beispiele bereits existieren.

Eine Patientin beschreibt ihre Erfahrungen nach einem Krankenhausaufenthalt anonym so: „Mir wurde erklärt, dass ich Rezepte und weitere Verordnungen über die Hausarztpraxis organisieren müsse. Da sollte ich direkt nach der Entlassung hinfahren.“ Ein weiterer Patient berichtet: „Das Abschlussgespräch war ein Satz. Viele Fragen blieben offen. Niemand hat mir richtig gesagt, wie die Behandlung jetzt weitergeht. Das solle mir der Hausarzt erklären.“

Für viele Betroffene bedeute dies zusätzliche Wege, Unsicherheit und vermeidbare Unterbrechungen in der weiteren Versorgung, so der Ärzteverbund Südwestfalen. Gerade in einer Region mit zunehmend schwieriger werdender medizinischer Versorgung sei dies nur schwer nachvollziehbar.
