Polizei trainiert jetzt unter Top-Bedingungen in Südwestfalen
Reul eröffnet modernes Trainingszentrum
- Aus der Region, 23.04.2026
- Blaulicht , Verschiedenes
- Von Nils Dinkel
Rosenthal/Südwestfalen. Mit zahlreichen Gästen aus Politik, Verwaltung und Polizei ist am Donnerstag, 23. April, ein neues regionales Trainingszentrum für Polizeikräfte feierlich eingeweiht worden. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen die Ansprachen von Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul sowie Projektleiterin Vera Schmidt, die beide die Bedeutung der Einrichtung für die zukünftige Polizeiarbeit hervorhoben.

Innenminister Herbert Reul hob in seiner Rede vor allem die Rolle moderner Infrastruktur für die innere Sicherheit hervor. Nordrhein-Westfalen habe in den vergangenen Jahren Milliardenbeträge in Polizei und Ausstattung investiert – ein notwendiger Schritt, um das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat zu stärken.
Reul unterstrich, dass Sicherheit keine Selbstverständlichkeit sei. Entscheidend sei, dass Polizisten nicht nur ausreichend vorhanden seien, sondern auch unter optimalen Bedingungen arbeiten und trainieren könnten.
„Wenn Sie sich umschauen, denken Sie, sie wären in der realen Welt.”
Das neue Trainingszentrum sei ein Beispiel dafür, wie dieser Anspruch umgesetzt werde. Statt vieler kleiner Einrichtungen setze das Land bewusst auf wenige, dafür hochmoderne Standorte mit realistischer Trainingsumgebung. „Warum? Weil diejenigen, die für uns diese wichtige Aufgabe wahrnehmen, mindestens das Recht haben, ordentliche, normale Arbeitsausrüstung zu haben“, so Reul.
„Wenn Sie sich umschauen, denken Sie, sie wären in der realen Welt. Man findet Räume, da kannst du häusliche Gewalt wirklich nachvollziehen. Da kannst du die Poststelle, das Schulzimmer sehen. Das ist nicht unwichtig für die Übungen“, führte der Innenminister aus.
Reul unterstrich die Zusammenarbeit verschiedener Behörden. Dass mehrere Polizeibehörden gemeinsam eine solche Einrichtung nutzen, sei nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch Ausdruck eines neuen kooperativen Ansatzes. Mit dem Komplex in Rosenthal sei inzwischen das siebte von zwölf geplanten Trainingszentren in NRW fertiggestellt. Damit trage NRW eine bundesweite Vorreiterrolle.




Zunächst war Herbert Reul jedoch persönlich geworden: In den Reihen der Polizei war mit Frank Reichmann ein Kollege, der heute seinen letzten Arbeitstag hatte. Der Innenminister überreichte ihm eine Flasche Wein.
„Ich hatte nicht damit gerechnet. Natürlich habe ich vorher etwas geflachst, dass der Innenminister wegen meines letzten Arbeitstages kommt. Ein besonderer Abschluss“, so Reichmann, der sich freute, dass seine kleine Abschiedsfeier in diesen Rahmen fiel. Im Gespräch mit LokalPlus verriet er, dass er hier auch schon trainiert habe. „Das ist wirklich sensationell hier.“
Projektleiterin Vera Schmidt richtete den Blick stärker auf die Entstehungsgeschichte des Zentrums – und vor allem auf die Menschen hinter dem Projekt. Für sie sei der Tag der Eröffnung ein Moment zwischen Stolz und Abschied: „Man arbeitet jahrelang auf dieses Ziel hin – und plötzlich ist es erreicht.“
„Man arbeitet jahrelang auf dieses Ziel hin – und plötzlich ist es erreicht.”
Besonderen Wert legte Schmidt auf die realitätsnahe Gestaltung der Trainingsumgebung. Viele Elemente stammen aus echten Einrichtungen: ein Klassenzimmer aus einer geschlossenen Schule, eine ehemalige Postfiliale oder original eingerichtete Wohnungen und eine Zentrale Flüchtlingsunterkunft. Selbst Details seien bewusst gewählt worden, um den Trainingsalltag so authentisch wie möglich zu gestalten.
„Wir wollten keinen sterilen Übungsort schaffen, sondern einen Ort, an dem sich die Kollegen wiederfinden“, erklärte sie. Das Ziel sei gewesen, eine Umgebung zu schaffen, in der Einsatzkräfte nicht nur lernen, sondern sich auch wohlfühlen – trotz der oft belastenden Szenarien.
Schmidt hob zudem die außergewöhnlich enge und konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten hervor – von Behörden über Planer bis hin zu Bauunternehmen. Viele Herausforderungen, etwa technische Hürden oder organisatorische Einschränkungen während der Bauphase, seien nur durch pragmatische Lösungen und persönlichen Einsatz bewältigt worden.
Marc Leporin, Sprecher der Oberbergischen Polizei: „Wir stehen vor wachsenden Herausforderungen von Einsatzsituationen, in denen die Situation genauso zählt, wie entschlossenes, kompromissloses Handeln – von Gewaltdelikten im öffentlichen Raum bis hin zu terroristischen Bedrohungslagen.“
Im Gespräch mit LokalPlus sprach Theo Melcher (Landrat Kreis Olpe) von einem besonderen Tag für die Polizei in Südwestfalen: „Die Eröffnung am heutigen Tage ist ein weiterer Meilenstein, was die Aus- und Fortbildung der Polizei angeht. Sicher, verlässlich und kompetent – so tritt die Polizei in Nordrhein-Westfalen auf.“
Über das Trainingszentrum
Die neue Anlage bietet künftig Einsatzkräften aus Südwestfalen die Möglichkeit, komplexe Situationen unter sicheren, aber realistischen Bedingungen zu trainieren. Damit soll gewährleistet werden, dass Polizisten im Ernstfall nicht nur reagieren, sondern routiniert und souverän handeln können.
Seit dem 1. April läuft das Trainingszentrum im Normalbetrieb. Zuvor fand bereits ein dreimonatiger Testlauf statt. Auf dem 17.000 Quadratmeter und rund zweieneinhalb Fußballfeldern großen Gelände sind insgesamt fünf Gebäude errichtet worden.
Darunter eine Amok-TE Halle, eine befahrbare Halle, ein Gebäude mit Wohnungen, Gaststätte und Flüchtlingsunterkunft sowie ein Gebäude mit Mattenräumen, Schulungsräumen und zwei Raumschießanlagen. 28 Trainer werden hier Polizeibeamte der Kreispolizeibehörden Hochsauerlandkreis, Märkischer Kreis, Oberbergischer Kreis, Olpe und Siegen-Wittgenstein auf verschiedene Einsatzlagen vorbereiten.
