75 Jahre Johanneskirche: Wie in der Diaspora ein Gotteshaus entstand

Beim großen Jubiläumsfest sind alle willkommen


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Die Evangelische Johanneskirche in Drolshagen feiert 75-jähriges Bestehen. von privat
Die Evangelische Johanneskirche in Drolshagen feiert 75-jähriges Bestehen. © privat

Drolshagen. Die Johanneskirche in Drolshagen feiert 75-jähriges Bestehen – und zwar mit einem großen Jubiläumsfest am Sonntag, 28. Juni. Neben Chormusik, Kinderprogramm und gemeinsamem Essen wartet mit den fünf Kirchenfenstern ein in weiten Teilen wenig bekannter Kunstschatz auf die Gäste.


Als die Johanneskirche am 9. Dezember 1951 eingeweiht wurde, zog die Festgemeinde vom Haus des Drolshagener Fabrikanten Wilhelm Meyer hinauf zur neuen Kapelle. Der kleine Kirchenraum füllte sich damals so schnell, dass viele Besucher stehen mussten und nicht alle Einlass fanden.

75 Jahre später soll sich die Treppe zur Johanneskirche wieder mit Menschen füllen: Am Sonntag nach dem Johannistag feiern Kirchengemeinde und Förderverein das Jubiläum mit einem Festgottesdienst und einem großen, offenen Gemeindefest.

Erste Gottesdienste in unterschiedlichen Räumen

Die Geschichte der Johanneskirche ist eng mit der deutschen Nachkriegszeit verbunden. Nach 1945 kamen viele evangelische Flüchtlinge und Vertriebene in das zuvor fast vollständig katholisch geprägte Drolshagener Land. Die Zahl der evangelischen Einwohner wuchs innerhalb weniger Jahre stark an. Gottesdienste fanden zunächst nur gelegentlich statt – unter anderem im katholischen Vereinshaus, im Wohnhaus Wilhelm Meyers oder in einem Raum seiner Fabrik.

Meyer hatte sich schon vor dem Zweiten Weltkrieg für den Bau einer evangelischen Kapelle eingesetzt. Als sich nach dem Krieg kein geeignetes Grundstück finden ließ, stellte er schließlich einen Teil seines eigenen Gartens zur Verfügung. Für ihn sei der Kapellenbau ein „rechtes Herzensanliegen“ gewesen, hielt Pfarrer Niepmann damals in einem Brief fest.

Grundsteinlegung am Johannistag

Auch aus dem Hause Dyckerhoff kam handfeste Hilfe: Die Firma Dyckerhoff stiftete im März 1951 zunächst 100 Sack Zement, später Geld und die erste Altarbibel. Die Bauleitung lag beim landeskirchlichen Bauamt in Hagen; vor Ort war der Drolshagener Architekt Einenkel, der auch die Grundschule in Drolshagen und weitere markante Gebäude erschuf, verantwortlich.

Dass das Jubiläum am Sonntag nach Johannis gefeiert wird, hat einen besonderen historischen Bezug: Am 24. Juni 1951, dem Tag Johannes des Täufers, wurde der Grundstein der damaligen Johannes-Kapelle gelegt. Bereits wenige Monate später konnte sie eingeweiht werden.

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Zu den besonderen Schätzen der Johanneskirche gehören die fünf Chorfenster des Künstlers Paul Thol.

Zum Jubiläum sind ausdrücklich alle Drolshagener eingeladen – unabhängig von Konfession oder Kirchenzugehörigkeit. Eine besondere Einladung gilt allen Helfern, die die Kirchengemeinde über viele Jahre getragen haben, sowie den Gemeindebrief-Austrägern der Evangelischen Kirchengemeinde Olpe mit ihren Standorten Olpe, Drolshagen und Wenden.

Der Tag beginnt um 10 Uhr mit einem Festgottesdienst, den der Drolshagener Frauenchor „Die Choryfeen“ musikalisch mitgestaltet. Direkt im Anschluss werden Menschen gewürdigt, die mit ihrem ehrenamtlichen Einsatz kirchliches und gesellschaftliches Leben ermöglichen.

Angebote für Jung und Alt

Nach den Grußworten der Stadt Drolshagen und der katholischen Gemeinde folgt gegen 12 Uhr ein Chorblock des MGV Liedertafel. Danach stehen Begegnung und gemeinsames Feiern im Mittelpunkt: Grillwurst, Salate, Kaffee und Kuchen, ein Eiswagen, Kinderschminken und die „Zooparade“, ein Theaterstück für Kinder, sorgen für ein abwechslungsreiches Programm.

Auch der Blick in die Zukunft gehört zum Fest. Ab 12 Uhr informiert der Förderverein über Möglichkeiten, sich aktiv einzubringen oder die Johanneskirche finanziell zu unterstützen. Denn wie beim Bau vor 75 Jahren lebt das Gotteshaus auch heute davon, dass Menschen aller Altersgruppen Verantwortung übernehmen und mitgestalten.

Zu den besonderen Schätzen der Johanneskirche gehören die fünf Chorfenster des Künstlers Paul Thol. Sie leuchten in kräftigem Blau, Gelb, Rot und hellem Türkis und erzählen eine zusammenhängende Geschichte. Bei der Fensterführung um 14 Uhr können Besucher diesen Motiven näherkommen. Sind die roten Früchte des Lebensbaums Granatäpfel? Und warum wirken die Engel so kraftvoll? Unter anderem diese Fragen werden dann beantwortet.

Historische Grundlage: Hans-Bodo Thieme, Evangelische Lebensäußerungen in Drolshagen.

Das Programm auf einen Blick
  • 10 bis 11.15 Uhr: Festgottesdienst, anschließend Ehrenamtsdanksagung
  • 11.30 bis 12 Uhr: Grußworte
  • ab 11.30 Uhr: Eiswagen vor Ort (voraussichtlich bis 14.30 Uhr)
  • ab 12 Uhr: Chorblock des MGV Liedertafel, Speisen und Getränke, Kinderschminken sowie Informationen des Fördervereins
  • 12.30 Uhr: Gemeinsames Gruppenfoto
  • 13 Uhr: Theaterstück „Zooparade“ für Kinder
  • 14 Uhr: Führung zu den Kirchenfenstern
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