Zwischen Mut und Magie: Manege frei für kleine Stars

Wie Grundschüler im Zirkus über sich hinauswachsen


  • Finnentrop, 07.05.2026
  • Schule & Bildung
  • Von Claudia Wichtmann
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Die Kinder des Grundschulverbundes Frettertal proben für ihren großen Auftritte im Projektcircus Riedesel. von Claudia Wichtmann
Die Kinder des Grundschulverbundes Frettertal proben für ihren großen Auftritte im Projektcircus Riedesel. © Claudia Wichtmann

Schönholthausen. Kinderlachen, aufgeregtes Geschnatter und jede Menge Mut erfüllen das Zirkuszelt auf dem Schützenplatz in Schönholthausen: 154 Schülerinnen und Schüler des Grundschulverbundes Frettertal proben im Projektcircus Riedesel für ihren großen Auftritt am Wochenende. Zwischen Akrobatik, Clownerie und Jonglage wachsen die Sechs- bis Zehnjährigen über sich hinaus und entdecken verborgene Fähigkeiten, die viele selbst nicht erwartet hätten. LokalPlus hat sie bei der vorletzten Probe vor der Aufführung begleitet.


Kunststücke, für die andere Jahre brauchen, lernen die Kinder im Projektcircus Riedesel in wenigen Tagen: Sie hängen am Vertikalseil in mehreren Metern Höhe, balancieren über dünne Seile, schlüpfen in die Rolle von Clowns oder wagen sich an Fakirnummern und akrobatische Übungen.

Seit Montag, 4. Mai, ist der Zirkus in Schönholthausen, um mit den Kindern die Aufführung fürs Wochenende einzustudieren. Am Montag durften sich die Kinder ihre Rollen aussuchen und den Zirkus kennenlernen, am Dienstag ging es mit den Proben los – die erste Aufführung ist am Freitagabend. Drei Tage Zeit, um Clownskomik, Hochseilakrobatik und Feuerschlucken zu lernen.

Zusammenhalt und Vertrauen

„Jedes Kind findet seinen Platz und eine Nummer, die zu ihm passt“, erklärt André Riedesel, der den Familienzirkus gemeinsam mit seiner Frau, seiner Mutter, seinem Bruder und seiner Schwägerin betreibt. Woche für Woche reist die Familie an andere Schulen und Orte. „Wir merken jedes Mal, wie sehr die Kinder über sich hinauswachsen, wieviel Zusammenhalt und Vertrauen unter den Kindern während der Proben entsteht.“

Auch die Clowns seien anfangs eher zurückhaltend gewesen. „Doch innerhalb kürzester Zeit lassen sie alles raus, was in ihnen steckt. Das macht auch uns Freude zu sehen, wie die Kinder sich in den wenigen Tagen entwickeln und einbringen.“

Die Freude der Kinder an dem Projekt ist ihnen deutlich anzumerken. „Wollen wir starten?“ ruft André Riedesel ihnen zu Beginn der Probe zu. „Jaaaa!“ schreien sie so laut, dass vermutlich auch das Nachbardorf Ostentrop von ihrem Feuereifer erfährt. Und wenn André Riedesel zu ihnen spricht und ihnen etwas erklärt, dann ist der quirlige Haufen auf einmal ganz leise und hört aufmerksam zu.

Viel besser als Schule

„Die Kinder brennen dafür“, sagt Schulleiterin Sabrina Vitt. „Es ist schön zu sehen, wie sie Talente entdecken, die sie sich selbst nicht zugetraut haben.“ Auch das Gemeinschaftsgefühl habe sich verändert: „Jetzt sind wir nicht mehr zwei Standorte, sondern eine große Gruppe mit einem gemeinsamen Ziel.“

Und die Kinder selbst? Für sie war das Lernen der Nummern „gar nicht so schwer“. Höhenangst scheint ebenfalls kein Thema zu sein. Die neunjährige Ella aus Ostentrop liebt das Turnen und fühlt sich am Vertikalseil direkt unter dem Zeltdach wohl.

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Die Kinder des Grundschulverbundes Frettertal proben für ihren großen Auftritte im Projektcircus Riedesel.

Der achtjährige Jan-Luca hat seine Lieblingsübung am Hula-Hoop-Reifen gefunden – und findet den Zirkus „natürlich viel besser als Schule“. Die sechsjährige Heni erklärt den Seiltanz für „ganz leicht“, schließlich habe sie zuhause schon auf einer Slackline geübt.

„Ihr seid fit für die Show!“

Doch auch ohne Vorerfahrung lernen die Kinder in kürzester Zeit Erstaunliches. André Riedesel erzählt von einem Mädchen, das große Angst vor Feuer hatte und trotzdem unbedingt bei der Fakirnummer mitmachen wollte: „Sie ist über ihren Schatten gesprungen und hat gelernt, mit dem Feuer umzugehen.“

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Der Projektcircus Riedesel hat sein Zelt auf dem Schützenplatz in Schönholthausen aufgeschlagen und bietet Kindern die Möglichkeit, im Zirkus aufzutreten.

Nach der letzten Probe vor der Generalprobe verlassen die Kinder aufgeregt und glücklich die Manege. André Riedesel blickt zufrieden auf seine jungen Artisten: „Ihr seid spitze und fit für die Show morgen! Hat es euch Spaß gemacht?“ Ein letztes Mal schallt ein begeistertes „Jaaaaa!“ durchs Zelt – laut genug, dass auch das Nachbardorf weiß: Die kleinen Künstler sind bereit für ihren großen Auftritt.

Hintergrund

Der Projektcircus soll den Zusammenhalt der Schulgemeinschaft stärken. Die Kinder entdecken neue Fähigkeiten, gewinnen Selbstvertrauen und erleben, was sie gemeinsam erreichen können.

Die Gesamtkosten des Projektes konnten durch ein breites Unterstützungsnetzwerk gedeckt werden. Dazu zählen unter anderem ein Crowdfunding-Projekt der Volksbank Sauerland eG („Viele schaffen mehr“), Rücklagen aus dem Zirkusprojekt des Jahres 2022, Fördermittel der Stiftung der Sparkasse Mitten im Sauerland sowie der Gerhard Rosenberg Stiftung, zahlreiche Spenden von Unternehmen, Vereinen und Privatpersonen sowie die Eintrittsgelder.

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