„Absolut übertrieben“: Was passiert mit dem Sikawild im Panoramapark?

Neue EU-Verordnung verbietet Haltung


  • Kirchhundem, 13.04.2026
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Bis vor einigen Jahren lebte das Sikawild im Panoramapark jahrzehntelang mit dem heimischen Rotwild und Muffelwild zusammen in einem Gehege. von Nils Dinkel
Bis vor einigen Jahren lebte das Sikawild im Panoramapark jahrzehntelang mit dem heimischen Rotwild und Muffelwild zusammen in einem Gehege. © Nils Dinkel

Kirchhundem. Die Europäische Union (EU) hat das aus Asien stammende Sikawild als invasive Art eingestuft. Einerseits bedeutet das eine verstärkte Bejagung des in freier Wildbahn lebenden Sikawilds. Andererseits geht mit der Verordnung ein Haltungsverbot einher, das von einigen Seiten kritisiert wird. Denn es bedeutet, dass die Tiere bis August 2027 aus den Gehegen aller Wild- und Tierparks verschwinden müssen. Das droht auch den 20 Tieren, die im Panoramapark in Kirchhundem leben.


Der Panoramapark hat dazu eine klare Meinung: „Das Haltungsverbot ist absolut übertrieben und ohne jede vernünftige Grundlage“, heißt es in einer schriftlichen Antwort auf Nachfrage von LokalPlus.

Der Grund für die Verordnung: Die in der EU nicht heimischen Tiere, die in Südwestfalen vor allem im Arnsberger Wald vorkommen, schädigen die Bäume und könnten sich mit dem heimischen Wild paaren und es verdrängen. Die Population im Arnsberger Wald ist durch einen Sikawildausbruch vor Jahrzehnten entstanden und auch in Bayern ist es kürzlich zu seinem Ausbruch gekommen.

„Das Haltungsverbot ist absolut übertrieben und ohne jede vernünftige Grundlage”
— Panoramapark

Deshalb sollen die Tiere nicht nur stärker bejagt werden, sondern dürfen auch nicht mehr gehalten werden. Nach einer Übergangsphase von zwei Jahren müssen die Tiere bis August 2027 aus den Gehegen der Wild- und Tierparks verschwinden – durch Tötung oder natürliche Reduktion.

Das sorgt für Unverständnis bei den betroffenen Wild- und Tierparks. „Seit die Tiere in dem Park leben, ist es nicht einmal zu Problemen gekommen“, berichtet der Panoramapark. Bis vor einigen Jahren lebte das Sikawild jahrzehntelang mit dem heimischen Rotwild und Muffelwild zusammen in einem Gehege. „Im gesamten Zeitraum ist es zu keiner Paarung zwischen den Hirscharten gekommen!“ Auch ein Ausbruch sei hier noch nie vorgekommen.

„Problem, das keines ist“

Die Meinung des Parkbetreibers teilt auch der Naturschutzbund (NABU) Olpe: „Hier wird ein Fass aufgemacht, da das Problem eigentlich gar keines ist“, schreibt der Vorsitzende Matthias Klein.

„Ich möchte darauf wetten, dass das nicht vollzogen werden wird. Weder in Haltung noch konsequent in der Wildbahn“, so Klein. Dafür gibt es laut ihm auch keinen Grund. Denn: „Aus gut gesicherten Gattern werden keine Tiere in die Freiheit entkommen können.“

Panorama Park von Christine Schmidt
Panorama Park © Christine Schmidt

Im Panoramapark wartet man nun auf weitere Anordnungen. „Natürlich wünschen wir uns ein anderes Vorgehen oder Ausnahmeregeln, die Frage ist, wie solche dann umzusetzen sind. Vermutlich müssten die Zäune geändert werden, was auch wieder zu unverhältnismäßigen Kosten führen würde.“

Sobald der Park weitere Anweisungen erhält, wird er diese umsetzen. Vorsorglich wird bereits eine andere Nutzung für das Gehege geplant, in dem das Sikawild aktuell untergebracht ist. Für den Panoramapark ist eines klar: „Solche Maßnahmen bedrohen die Existenz vieler Wild- und Tierparks auf Dauer. Durch die Umnutzung eines Geheges entsteht ein großer Verwaltungsaufwand und enorme Kosten.“

Dr. Peter Liese beim Politischen Aschermittwoch der NRW-Landes-CDU in Kirchveischede. von Nils Dinkel
Dr. Peter Liese beim Politischen Aschermittwoch der NRW-Landes-CDU in Kirchveischede. © Nils Dinkel

Hilfe von der Politik erwartet der Park nicht, da es die in der Vergangenheit auch nicht gegeben habe. Vielleicht ist es diesmal jedoch anders. Der südwestfälische CDU-Europaabgeordnete Dr. Peter Liese spricht sich klar gegen ein Haltungsverbot und für Ausnahmeregelungen aus.

„Das Problem ist das Sikawild in freier Wildbahn, und hierauf muss man die Anstrengung zur Regulierung konzentrieren“, heißt es in einem Statement von Peter Liese. Er habe sich an die Landesministerin Silke Gorißen, Bundesumweltminister Carsten Schneider und die zuständige Kommissarin Jessika Roswall gewandt. Man solle die Ausnahmen, die die europäische Regelung bietet, großzügig anwenden.

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