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Randnotizen, Mal eben, Glosse. von LokalPlus
Randnotizen, Mal eben, Glosse. © LokalPlus

Als ich meinen Oheim neulich besuchte, war er gerade dabei, die vielen Stehrümchen in seiner Wohnung auszusortieren…


Er war so vertieft, dass er mir irgendeine Plempe anbot – aber immerhin war ich danach sitt. Meine Base half auch mit. In einem Karton entdeckte sie sogar ein Kleinod unserer Großmutter. Ihre ausrangierten Wollpullover wollte sie mir dann andrehen – aber die hatten schon überall Pillinge.

Diese kleine Erzählung ist komplett ausgedacht. Die ungewöhnlichen Wörter darin aber nicht – die gibt es wirklich! Sie gehören zur Gattung jener Wörter, die nur wenige Menschen kennen, die in Vergessenheit geraten sind oder einfach kaum gebraucht werden.

Sprachlich verstaubt und ein fusseliges Fachwort

Oheim und Base sind beispielsweise total veraltete Begriffe für den Bruder der Mutter, also den Onkel mütterlicherseits, und die Cousine. Die Wörter sind manchen vielleicht noch halbwegs geläufig. Genau so wie Kleinod, ein alter Begriff für etwas sehr Wertvolles und Kostbares – sowohl materiell (zum Beispiel Schmuck) als auch nicht-materiell.

Aber habt ihr schonmal von Pillingen gehört? Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie in so gut wie jedem Kleiderschrank zu finden sind. Pillinge sind nämlich die kleinen Knötchen oder Fusseln, die im Laufe der Zeit an Wollkleidung entstehen – und gegen die ich persönlich noch keine gute Vermeidungsstrategie entwickelt habe. Das Wort für die lästigen Kügelchen kenne ich auch erst seit kurzem.

Erfunden... und verschwunden?

Nach einem reichhaltigen Essen ist man satt. Und wenn auch der Durst gestillt wurde, ist man… sitt! Dabei handelt es sich um ein Kunstwort, das im Rahmen eines Wettbewerbs entstanden ist – sich aber im alltäglichen Sprachgebrauch nicht wirklich durchgesetzt hat.

Und wo wir schon beim Trinken sind: Plempe beschreibt ein fades, nicht gerade geschmacklich überzeugendes Getränk. Geschüttelte Apfelschorle, schlechter Kaffee, abgestandenes Bier… ja dann, Prost!

Mein Favorit zum Schluss: Stehrümchen. Dinge und Dekoartikel, die zwar keinen praktischen Nutzen haben und nur rumstehen – von manchen wohl auch als Krimskrams oder Schnickschnack betitelt – aber dafür auch ganz viel Charme in ein Zuhause bringen. Ich mag meine Stehrümchen jedenfalls und habe das Wort jetzt in meinen aktiven Wortschatz aufgenommen. Klingt doch niedlich.

Ein schönes Nebelmond-Wochenende (die Bedeutung liegt wahrscheinlich auf der Hand) wünscht

Lorena Klein

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