„Der Pessimismus geht zurück, aber breiter Optimismus ist noch nicht da“
Konjunkturumfrage der IHK
- Kreis Olpe, 19.05.2025
- Wirtschaft
- Von Wolfgang Schneider
Kreis Olpe/Siegen. Kommt die heimische Wirtschaft nach längerer Talfahrt wieder langsam in Schwung? Die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der IHK Siegen machen etwas Hoffnung. „Die Stimmung hat sich etwas aufgehellt, aber aus dem tiefen Tal sind wir längst nicht heraus“, sagte IHK-Präsident Walter Viegener bei der Vorstellung der Umfrage am Montagvormittag, 19. Mai, in Olpe.

Laut Viegener gibt es „zaghafte Anzeichen einer konjunkturellen Aufhellung“, doch der Weg bleibe mühsam und steinig. 476 Unternehmen in den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein mit mehr als 37.000 Beschäftigten haben in der zweiten April-Hälfte bei der Umfrage mitgemacht.

Zwar liegt der Konjunkturklimaindex, der die aktuelle Lage und die Erwartungen der Wirtschaft darstellt, mit 92 weiterhin deutlich unter dem Mittelwert der vergangenen 20 Jahre (105), doch im Januar und im Herbst 2024 war er mit 83 bzw. 78 noch niedriger. Viegener: „Der seit drei Jahren anhaltende düstere Blick in die Zukunft ist im Frühjahr in nahezu allen Wirtschaftsbereichen weniger skeptisch. Breiter Optimus ist das aber noch nicht.“
Die Ergebnisse seien von der Hoffnung geprägt, dass die neue Bundesregierung den Turnaround schaffen könne. Dazu müsse sie mutige Entscheidungen treffen, so der IHK-Präsident und Attendorner Unternehmer: „Entscheidend ist, dass die Bundesregierung schnell ins Handeln kommt. Tempo und Verlässlichkeit sind das Gebot der Stunde.“

Schwer im Magen liegt den Betrieben die Zollpolitik von US-Präsident Trump. „Das Zollchaos der USA sorgt für spürbare Verunsicherung“, betonte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thilo Pahl.
Als größte Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung sehen die Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die Inlandsnachfrage und die hohen Arbeitskosten. Dr. Pahl: „In den leicht rückläufigen Risikobewertungen zeigt sich ein verhaltener Hoffnungsschimmer. Der Pessimismus geht zurück, aber ein breiter Optimismus ist noch nicht da.“

Während es in der Industrie wieder etwas aufwärts geht, das Baugewerbe noch ausreichend Aufträge hat und die Großhändler optimistischer in die Zukunft blicken als bisher, gibt es aber auch drei kritische Branchen. „Im Einzelhandel bleibt die Lage angespannt und die Erwartungen düster“, berichtet IHK-Statistik-Experte Stephan Häger. Grund: Die Verbraucher halten ihr Geld zusammen und üben sich weiterhin in Kaufzurückhaltung.
Die anderen Sorgenkinder sind die personenbezogenen Dienstleister und das Gastgewerbe. Ihnen machen hohe Energiepreise und Arbeitskosten, Konsumzurückhaltung und Arbeitskräftemangel zu schaffen. Wie kritisch der Faktor Arbeitskräfte geworden ist, machte Dr. Thilo Pahl deutlich: „Fachkräfte sind der Engpassfaktor, wenn die Konjunktur wieder spürbar anzieht.“
Dass Fachkräfte im Kreis Olpe, wo fast Vollbeschäftigung herrscht, Mangelware sind, machte Walter Viegener am Beispiel seiner Firma deutlich. Sie investiert viel Geld in einen neuen Standort im Saarland.

„Der Hauptgrund für diese Investition ist der Fachkräftemangel hier bei uns. Wir haben zwar Gelände an den Standorten in Attendorn und Elspe, um uns zu erweitern, aber wir bekommen keine Facharbeiter. Deshalb sind wir ins Saarland gegangen und investieren dort. Was mir am Herzen liegt: Es ist eine Investition in Deutschland!“
