Ein unerwünschter nächtlicher Besuch
LP-Randnotizen
- Kreis Olpe, 04.07.2026
- Verschiedenes
Heiße Sommernächte und ständig offene Fenster haben in einem Schlafzimmer zu Szenen geführt, die es sonst nur in Krimis gibt. Aber lest selbst...


Endlich habe ich eine gute Bleibe gefunden. Hier ist es immer warm und trocken. Es gibt Essen im Überfluss. Es könnte ein Paradies sein, wären da nicht die anderen. Denn ich bin nicht allein. Wenn es dunkel wird, spüre ich die Gegenwart anderer Lebewesen. Ich versuche, mich vor ihnen zu verstecken. Sie sind so viel größer als ich.

Erst wenn es ruhig ist, komme ich aus meinem Versteck. Es ist Neugierde, die mich dazu treibt, obwohl mein Verstand schreit: „Bleib wo du bist!“. Und er hatte recht. Denn plötzlich wird es hell, hektische Bewegungen versetzen die Luft in Schwingung. Ich verfalle in eine Schockstarre, keine Faser meines Körpers kann ich mehr bewegen. Haben Sie mich gesehen?
Zeit vergeht. Es ist ruhig, aber ich traue mich immer noch nicht, die kleinste Bewegung zu zeigen. Am liebsten würde ich zurück in mein Versteck huschen, aber ich habe zu viel Angst.
Lautes Dröhnen durchbricht die Stille. Ein starker Sog reißt mich von den Beinen. Panisch versuche ich ihm zu entkommen. Keine Chance – ich wirbel durch die Luft und...

... die Spinne verschwindet im Rohr des Staubsaugers. Erleichterung versucht sich im Körper der jungen Frau einzunisten, die soeben unsanft aus dem Schlaf gerissen wurde. Noch kann sie das nicht zulassen, erst braucht sie Gewissheit.

„Hast du sie erwischt?“ fragt sie. Suchende Blicke scannen den Dreck im Auffangbehälter des Staubsaugers. „Ja, da!“ So zusammengekauert sieht die Spinne gar nicht mehr so groß aus.




Nach dem nächtlichen Schockmoment dauert es, bis der Schlaf die Oberhand gewinnt. Ein paar Mal noch wandert der Blick zu dem Spalt. Wie lange hat die Spinne dort wohl gelebt?
Ruhige Nächte ohne unerwünschten Besuch wünscht
Jana Becker
