Eine Entscheidung, die Leben retten kann - Oberärztin im Interview

Tag der Organspende am 7. Juni


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Oberärztin Dr. Christine Bornträger ist Transplantationsbeauftragte der GFO Kliniken Südwestfalen. von GFO Kliniken Südwestfalen
Oberärztin Dr. Christine Bornträger ist Transplantationsbeauftragte der GFO Kliniken Südwestfalen. © GFO Kliniken Südwestfalen

Kreis Olpe. Am ersten Samstag im Juni findet jährlich der Tag der Organspende statt. Doch wie funktioniert überhaupt eine Organspende? Und wie sieht die Nachsorge aus? Das beantwortet Dr. Christine Bornträger, Oberärztin und Transplantationsbeauftragte der GFO Kliniken Südwestfalen, im Interview.


Welche Organe und Gewebe kann man überhaupt spenden?

Es gibt sieben Organe, die gespendet werden können: Herz, Lunge, Leber, beide Nieren, die Bauchspeicheldrüse und der Darm. Wobei die Nieren das häufigste gespendete Organ sind. In diesem Bereich gibt es auch die Möglichkeit der Lebensspende. An Geweben können alle Häute, Knochen, Knorpel, Weichteilgewebe sowie Blutgefäße gespendet werden, ebenso Herzklappen und die Haut.

Wie wird sichergestellt, dass ein Spenderorgan zum Empfänger passt?

Es gibt ein großes Spektrum an Voruntersuchungen. Zunächst werden typische Gewebemerkmale aus dem Blut des Patienten, sogenannte Antigene, bestimmt. Dann wird geprüft, ob diese Antigene mit dem Immunsystem des Empfängers kompatibel sind.

Symbolfoto Blutuntersuchung von Pixabay.com
Symbolfoto Blutuntersuchung © Pixabay.com

Auch die Blutgruppe muss übereinstimmen. Zusätzlich werden Körpergröße, Gewicht und Alter berücksichtigt. Unter anderem auf dieser Basis wird dann die Spendenzuteilung vorgenommen. Die Zuteilung richtet sich nach den Kriterien Dringlichkeit und Erfolgsaussicht.

Welche Risiken gibt es für Lebensspender? Wie sieht die Nachsorge aus?

Lebensspender, meist Nierenspender, können maximal eine Niere spenden, wobei die zweite Niere behalten wird. Nach einer Nierenspende kann es dazu kommen, dass der Spender einen Bluthochdruck entwickelt oder die Funktion der verbleibenden Niere vorübergehend eingeschränkt ist. In der Regel regeneriert sich die Funktion jedoch, da die verbleibende Niere die Aufgaben übernimmt.

Regelhaft ist es so, dass drei bis vier Wochen nach der Spende Blutdruck und Nierenfunktionen überprüft werden. Im ersten Jahr kommt es alle drei Monate zu einer Folgekontrolle, je nach Verlauf wird der zeitliche Abstand anschließend größer. Spender haben darüber hinaus Anspruch auf eine dreiwöchige Reha.

Wie lange dauert es, bis ein Empfänger sich vollständig von einer Organtransplantation erholt?

Die Erholungszeit variiert je nach Organ und Patient. In der Regel können Nierentransplantationsempfänger nach etwa vier Wochen wieder arbeiten gehen. Bei größeren Transplantationen wie Herz- oder Lebertransplantationen dauert die Erholung länger.

Patienten müssen auf Sport und anstrengende Tätigkeiten für mindestens drei Monate verzichten. Ansteckungen und Infektionen sind zu vermeiden, da das Immunsystem durch Medikamente unterdrückt wird, um das Risiko einer Abstoßung des empfangenen Organs zu minimieren.

Organspendeausweise von Pixabay.com
Organspendeausweise © Pixabay.com

Wie kann man sicherstellen, dass der Wille zur Organspende klar dokumentiert ist?

Der klassische Weg ist der Organspendeausweis, den man bei sich in der Tasche, im Portemonnaie oder am Handy mitführt. Eine neuere Möglichkeit ist das zentrale Organspende-Register, in dem man nach einem Identifikationsverfahren seinen Willen zur Organspende hinterlegen kann.

Kann man die Entscheidung zur Organspende jederzeit rückgängig machen?

Ja, die Entscheidung zur Organspende kann jederzeit rückgängig gemacht werden, und dies muss dann einfach entsprechend dokumentiert werden.

Was passiert, wenn man zu Lebzeiten keine Entscheidung getroffen hat?

In Deutschland gilt die Entscheidungslösung: Organe und Gewebe dürfen nur entnommen werden, wenn die verstorbene Person dem zu Lebzeiten offen oder anzunehmen zugestimmt hat. Liegt keine Entscheidung vor, werden die Angehörigen nach einer Entscheidung im Sinne des Verstorbenen gefragt. Ärzte dürfen über eine Zustimmung zur Spende eines Verstorbenen nie entscheiden.

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