Entführung? Dornröschen-Schaf? Wo zur Hölle war ich in den letzten Wochen?
LP-Randnotizen
- Kreis Olpe, 05.09.2026
- Verschiedenes
Es ist ein alltäglicher Gang in den Supermarkt, der mich Ende August aus der Bahn wirft. Vom Parkplatz laufe ich tief in Gedanken versunken los. Ich denke an vieles, ich denke an alles – Einkaufsliste, Essensplanung, Urlaub – bis ich abrupt stehen bleibe. Wie angewurzelt bewege ich mich keinen Millimeter mehr. Denn ich habe etwas entdeckt - etwas, bei dessen Anblick es mir eiskalt den Rücken runterläuft.

Wie konnte mir das nicht auffallen? Wo zur Hölle war ich in den vergangenen Wochen? Habe ich geschlafen? Hatte man mich erführt? Gestern noch lag ich in der gleißenden Sonne, Schweißperlen auf der Haut, den Geruch von Sonnencreme in der Nase, das Surren und Summen der Insekten in den Ohren. Und jetzt?

Jetzt scheint es, als hätte ich den Herbst übersprungen und wäre direkt im Dezember gelandet. Keine Kürbiscremesuppe, kein Pumpkinspice-Latte. Nein! Stattdessen renne ich im Supermarkt vor eine massive Wand aus gestapelten Kekspackungen – nicht irgendwelche Kekse: Spekulatius und Lebkuchen! IM AUGUST!





Die Wand scheint unüberwindbar, bedrohlich ragt sie vor mir auf. Selbst wenn ich den Kopf in den Nacken lege und in das grelle, gleißende Deckenlicht des Supermarktes blicke, sehe ich das Ende nicht. Links und rechts führt kein Weg an dem Koloss vorbei, so endlos zieht sich die Weihnachtskeksmauer durch den Laden, schneidet mir den Weg ab und verbietet mir den Blick auf alles Schöne, was noch dahinter liegt.
Ich bin verwundert, ich bin sprachlos, eingeschüchtert, verzweifelt, ich bin… hin- und hergerissen, mir eine Packung zu kaufen.
Ein weihnachtliches Wochenende wünscht
Jana Becker
