Erzbischof Bentz: „Müssen Strich unter die Zeit des Wegschauens setzen“

Dialog in Schmallenberg: Aufarbeitung und Enttabuisierung im Fokus


  • Kreis Olpe, 17.03.2026
  • Glaube & Religion
  • Von Teresa Spies
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In Schmallenberg stellten sich Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz und weitere Vertreter des Bistums den Fragen und der Kritik der Anwesenden. „Wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden“, betonte der Erzbischof. von Teresa Spies
In Schmallenberg stellten sich Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz und weitere Vertreter des Bistums den Fragen und der Kritik der Anwesenden. „Wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden“, betonte der Erzbischof. © Teresa Spies

Schmallenberg/Kreis Olpe. Verantwortung übernehmen – aufarbeiten – verändern: Um über die Missbrauchs-Studie des Erzbistums Paderborn aufzuklären und Betroffene zu Wort kommen zu lassen, hat am Montagabend, 16. März, ein Dialog zwischen Vertretern des Bistums, Betroffenen und Interessierten in der Stadthalle Schmallenberg stattgefunden. Insgesamt finden bistumsweit drei solcher Veranstaltungen statt.


Es ist kein leichtes Thema, aber auch keines, das unausgesprochen bleiben sollte: Auf rund 700 Seiten wird die „Sexuelle Gewalt an Minderjährigen im Erzbistum Paderborn“ in der Studie von Nicole Priesching und Christine Hartig untersucht.

Zentraler Schwerpunkt der sechs Jahre langen Forschung ist dabei vor allem der Umgang mit Beschuldigten und Betroffenen während der Amtszeiten von Erzbischof Jaeger (1941-1973) und Degenhardt (1974-2002). 80 Interviews mit Betroffenen, Zeitzeugen und Mitarbeitern im Generalvikariat bilden die Grundlage der Untersuchung. Die Studie gibt Hinweise auf 489 Missbrauchsfälle. Sie belegt, dass das Wissen über Missbrauch im Erzbistum Paderborn zweifellos vorhanden war.

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In Schmallenberg stellten sich Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz und weitere Vertreter des Bistums den Fragen und der Kritik der Anwesenden. „Wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden“, betonte der Erzbischof.

Als Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, Generalvikar Dr. Michael Bredeck, Intenventionsbeauftragter Thomas Wendland, Betroffenenvertretung Burkhardt Stutenz, Generalvikar Thomas Dornseifer und Dirk Lankowski aus der Abteilung Kommunikation, die Bühne betreten, ist es still im Saal. Die Anspannung ist deutlich spürbar. Die Bedeutung des Themas unverkennbar.

Erzbischof Bentz zeigt sich im Hinblick auf die Studie bedrückt: „Das lässt niemanden unberührt“. Er verdeutlicht: „Ich bin kein unbeteiligter, distanzierter Beobachter. Diese Geschichte wird mehr und mehr meine Geschichte, weil ich mich mit dem Erzbistum identifiziere“. Bentz hebt die Wichtigkeit des Redens deutlich hervor und sagt, dass ein Strich unter die Zeit des Wegschauens gesetzt werden müsse. Es sei nötig zu enttabuisieren: „Hinter den Zahlen stehen Menschen mit einer Geschichte. Wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden“, so Bentz.

„Wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden”
— Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz

Burkhardt Stutenz ist an diesem Abend als Betroffenenvertretung vor Ort. Als direkter Betroffener sieht er die Studie als einen Hoffnungsschimmer: „Ich habe gedacht, ich bin der Einzige“, erklärt er. Stutenz verdeutlicht außerdem: „Wir Betroffenen wollen die Kirche nicht brennen sehen, wir wollen ein Stück weit in die Mitte der Kirche zurück. Jetzt öffnen sich die Türen“. Als er von seinen Erfahrungen und vom „Tatort Pfarrhaus“ berichtet, ist es still im Saal.

Bewegte Zuhörer

An diesem Abend haben die Anwesenden die Möglichkeit, in den Dialog mit dem Plenum zu treten. Dabei wird es besonders emotional, als mehrere direkt, aber auch indirekt Betroffene das Wort ergreifen und von ihren Erfahrungen berichten. Das Publikum reagiert darauf sichtlich bewegt. Die Erschütterung ist dabei auch im Plenum deutlich spürbar.

Neben viel Hoffnung stößt die Studie ebenfalls auf Kritik. Fragen wie „Warum werden bereits bekannte Täter in der Studie anonymisiert?“ weisen auf Unverständnis des Publikums hin. Intenventionsbeauftragter Thomas Wendland erklärt, dass der Datenschutz und die Persönlichkeitsrechte der Täter und Beschuldigten beachtet werden müssten.

Anlaufstellen auch für indirekt Betroffene

Des Weiteren habe man drei Dinge zu berücksichtigen: Einerseits den Blick auf die Betroffenen. Viele Betroffene hätten Angst erkannt zu werden, da es oftmals Angehörige gebe, die unwissend sind. Auch der Blick auf die Gemeinden sei von Bedeutung. Schließlich habe oftmals Unglauben in Bezug auf die Missbrauchsfälle geherrscht. Letztlich müsse der Sachstand belegt und geprüft worden sein.

Auch die Frage nach dem Umgang mit indirekten Betroffenen kristallisiert sich während des Dialogs mehrfach heraus. Die Forderung nach Anlaufstellen für diese große Gruppe, vor allem auch in den Gemeinden, tritt deutlich hervor und zeigt, dass der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle noch ein weiter Weg bevorsteht.

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