Geplante MTB-Regeln sorgen im Kreis Olpe für Diskussionen

Zwischen Naturschutz und Freizeitspaß


  • Kreis Olpe, 28.05.2026
  • Verschiedenes , Politik
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Symbolfoto. © Nils Dinkel

Kreis Olpe. Die Diskussion um mögliche strengere Regeln für Mountainbiker in Nordrhein-Westfalen erreicht zunehmend auch den Kreis Olpe und das Sauerland. Hintergrund ist ein Bericht des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz und von Wald und Holz NRW zur Zukunft des Mountainbikens im Land. Darin werden Konflikte zwischen Naturschutz, Waldbewirtschaftung und Freizeitnutzung thematisiert – gleichzeitig aber auch neue legale Angebote und Konzepte vorgeschlagen.


Update von Donnerstag, 28. Mai:

Das Regionalforstamt Kurkölnisches Sauerland sieht die aktuelle Diskussion um strengere Regeln für Mountainbiker differenziert. In einer Stellungnahme gegenüber LokalPlus heißt es, die Praxis zeige, dass es „leider immer wieder zu Nutzungskonflikten im Wald“ komme. Neben positiven Beispielen ausgewiesener Trails würden auch Konfliktsituationen und Schäden festgestellt.

Kritisch bewertet das Forstamt vor allem das Fahren abseits offizieller Wege. „Vor allem durch das Fahren abseits sämtlicher Pfade und Wege werden Wildtiere gestört und auch Pflanzen am Waldboden beschädigt“, erklärt die Behörde. Besonders problematisch sei dies in Bereichen mit jungen Bäumen, deren Wachstum dadurch beeinträchtigt werde. Auch im Jagdbetrieb komme es „manchmal zu Störungen durch Einzelpersonen“.

Konkrete Fälle illegal angelegter Trails habe es laut Forstamt im Bereich Meinerzhagen gegeben. Diese hätten „zu Schäden an Pflanzen und Böden“ sowie „zu Störungen des Lebensraums von Wildtieren“ geführt.

Positives Beispiel aus Wenden

Gleichzeitig verweist das Regionalforstamt auf funktionierende Beispiele für ein Miteinander von Naturschutz und Mountainbike-Sport. Im Gemeindegebiet Wenden gebe es ein „sehr positives Beispiel von der Nutzung ausgewiesener Trails, die durch einen Verein betreut werden“. Dort seien Waldbesitzer, Jägerschaft, Gemeinde und Forstamt eng eingebunden worden. Zudem gebe es Gestattungsverträge mit den Grundstückseigentümern sowie klare Nutzungsregeln. Die Trails lägen außerhalb von Naturschutzgebieten, wodurch Konfliktpotenzial deutlich reduziert werde.

Zur wirtschaftlichen Bedeutung des Mountainbike-Tourismus für die Region wollte sich das Forstamt nicht äußern. „Diese Einschätzung obliegt den Tourismusverbänden.“

Ursprünglicher Artikel von Sonntag, 24. Mai:

Viele Mountainbiker in der Region beobachten die Entwicklungen mit Sorge. Besonders im waldreichen Sauerland gehört das Fahren auf Trails und schmalen Waldwegen für zahlreiche Menschen seit Jahren zur Freizeitgestaltung. Vereine, touristische Anbieter und Freizeitsportler befürchten nun Einschränkungen.

Ein Leser machte LokalPlus auf die Debatte aufmerksam und fordert eine öffentliche Diskussion. „Mountainbiken ist für viele Menschen nicht nur Freizeitgestaltung, sondern auch Sport, Naherholung und ein wichtiger Bestandteil eines aktiven Lebensstils“, heißt es in dem Schreiben. Gerade in waldreichen Regionen des Kreises würden viele Bürger die vorhandenen Wege „verantwortungsbewusst“ nutzen.

Trails oft rechtliche Grauzone

Bereits heute ist die Rechtslage in NRW vergleichsweise streng. Grundsätzlich dürfen Radfahrer den Wald nur auf festen Wegen nutzen. Viele schmale Singletrails bewegen sich damit in einer rechtlichen Grauzone oder gelten offiziell als nicht zulässig.

Der veröffentlichte Kurzbericht „MTB.NRW“ von Wald und Holz NRW zeigt, dass die Zahl der Mountainbiker in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist – nicht zuletzt durch den Boom von E-Mountainbikes. Gleichzeitig nehme der Nutzungsdruck auf Wälder und Wege zu.

Besonders sensible Naturräume, Wildtier-Rückzugsorte und junge Aufforstungsflächen könnten durch unkontrollierte Trailnutzung belastet werden. Der Bericht spricht sich deshalb für eine bessere Lenkung der Besucherströme sowie für offiziell ausgewiesene Strecken aus.

Sauerland Tourismus sieht große Bedeutung für die Region

Auch beim Sauerland Tourismus beobachtet man die Diskussion aufmerksam. Geschäftsführer Jürgen Fischbach unterstreicht die große Bedeutung des sportiven Radtourismus für die Region.

„Das Sauerland hat seit über 20 Jahren mit der Gründung der Bike-Arena Sauerland einen klaren Fokus auf sportives Radfahren gelegt“, erklärt Fischbach. Inzwischen seien zahlreiche Angebote entstanden, darunter mehrere Bikeparks, Trailgrounds und kommunale Projekte. In vielen Kommunen werde weiter investiert und ausgebaut.

Die Nachfrage sei in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – insbesondere durch den Boom der E-Mountainbikes. Gleichzeitig entwickle sich mit Gravelbikes ein weiterer Wachstumsbereich. „Man sieht tatsächlich fast nur noch E-Mountainbiker“, sagt Fischbach.

Sorgender Blick auf mögliche Auswirkungen

Mit Sorge blickt Sauerland Tourismus allerdings auf mögliche Auswirkungen neuer Regelungen. Unklar sei derzeit insbesondere, ob bestehende und bislang genehmigte Trailabschnitte künftig Bestandsschutz genießen oder erneut überprüft werden müssten.

„Wenn das Gesetz so käme, würde das einen gewaltigen bürokratischen Aufwand bedeuten“, erklärt Fischbach. Teilweise müsse dann „über jeden Meter Weg verhandelt werden“. Das könne die touristische und regionale Entwicklung erschweren.

Symbolfoto Mountainbike von privat
Symbolfoto Mountainbike © privat

Gleichzeitig sagte Fischbach, dass illegale Trails keine Lösung seien. Stattdessen setzt Sauerland Tourismus bewusst auf legale und gepflegte Angebote. Projekte wie der Trailpark Fahlenscheid seien Beispiele dafür, wie attraktive Alternativen geschaffen werden könnten.

„Wir leben als Mittelgebirge von einer attraktiven Landschaft“, sagt Fischbach. Deshalb müsse die Nutzung des Waldes immer auch Natur- und Landschaftsschutz berücksichtigen. Offizielle Streckennetze dienten dazu, Besucher gezielt zu lenken und sensible Bereiche zu entlasten.

Nach Angaben von Sauerland Tourismus tauschen sich Tourismusakteure, Waldbesitzer, Naturschutz und Behörden bereits regelmäßig an einem „Runden Tisch“ über genau solche Themen aus. Gemeinsam mit anderen Regionen arbeite das Sauerland derzeit zudem an einer abgestimmten Stellungnahme zur geplanten Novelle.

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