Großbaustelle auf Ruhr-Sieg-Strecke – große Einschränkungen bis Dezember

Bahnreisende müssen sich warm anziehen


  • Kreis Olpe, 29.06.2026
  • Straße & Verkehr
  • Von Nils Dinkel
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Massive Bauarbeiten der Deutschen Bahn stehen in Kirchhundem. von Nils Dinkel
Massive Bauarbeiten der Deutschen Bahn stehen in Kirchhundem. © Nils Dinkel

Kreis Olpe. Auf Bahnreisende im Kreis Olpe kommen ab Freitag, 10. Juli, erhebliche Einschränkungen zu. Mit einem Investitionsvolumen von mehr als 150 Millionen Euro startet die Deutsche Bahn die größte Sanierung der Ruhr-Sieg-Strecke seit vielen Jahren. Bis Mitte Dezember werden auf rund 100 Kilometern mehr als 100 Einzelmaßnahmen umgesetzt. Besonders betroffen sind Finnentrop, Lennestadt und Kirchhundem.


„Mit der Betriebsqualität auf der Strecke können wir nicht zufrieden sein“, machte Tobias Hauschild, Leiter Betrieb im Netzbereich Hagen (DB InfraGO), in einem Pressegespräch am Montagmittag, 29. Juni, deutlich. Deshalb fänden die Arbeiten nun möglichst gebündelt statt. „Wir sind mehr oder weniger an allen Ecken und Enden dabei, unser Netz auf Vordermann zu bringen.“

Kirchhundem: Schwerpunkt auf maroden Brücken

Der größte Eingriff erfolgt im Bereich Kirchhundem. Dort werden die Eisenbahnbrücken „Hundem/Fußweg“, „Olpe“ und „Olpebach“ komplett neu gebaut. Hinzu kommen Arbeiten an der Brücke „Olpe und Straße“ über die Siegener Straße. Hier können nur noch Nahverkehrszüge in Schrittgeschwindigkeit fahren. Die maroden Brücken haben für einen vorzeitigen Wegfall des IC 34 gesorgt und auch Güterverkehr darf hier derzeit nicht mehr fahren.

Auf der Ruhr-Sieg-Strecke stehen düstere Zeiten bevor. von Nils Dinkel
Auf der Ruhr-Sieg-Strecke stehen düstere Zeiten bevor. © Nils Dinkel

Während der Hauptarbeiten wird auch die B 517 in Kirchhundem vom 27. Juli bis 21. August voll gesperrt. Derzeit laufen bereits vorbereitende Arbeiten unter halbseitiger Sperrung. Straßen.NRW teilte auf Nachfrage mit, dass weitreichende Verkehrskonzepte entwickelt worden seien und Umleitungen entsprechend ausgeschildert würden.

Warum gleich drei Brücken gleichzeitig erneuert werden müssen? Laut Hauschild stammen die Bauwerke aus derselben Zeit und hätten ihre Lebensdauer nahezu zeitgleich erreicht.

Bahn verschätzt sich bei Brücken-Restlebensdauer

Die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegene Belastung durch den Güterverkehr sowie neue technische Erkenntnisse hätten gezeigt, dass die ursprünglich berechnete Restlebensdauer „um ein halbes Jahr“ zu optimistisch gewesen sei.

„Jetzt müssen wir großflächig in die Erneuerung gehen“, sagte Hauschild. Bis zum Baubeginn würden die Brücken engmaschig kontrolliert – teilweise sogar dauerhaft mit Sensoren überwacht.

Finnentrop: Sieben Kilometer neue Gleise

Auch Finnentrop wird zu einer Großbaustelle. Zwischen Finnentrop und Plettenberg werden auf sieben Kilometern Gleise erneuert, außerdem tauscht die Bahn 16 Weichen aus. Hinzu kommen Arbeiten an der Eisenbahnbrücke „Lenne/Werksweg“, die Sanierung des Stellwerksdachs sowie der Personenüberführung im Bahnhof.

Ein weiteres Thema war die Biggetalbahn zwischen Finnentrop und Olpe. Hier verlängert sich der Schienenersatzverkehr voraussichtlich bis Mitte 2027. Nach Angaben des Nahverkehrs Westfalen-Lippe (NWL) wird jedoch geprüft, den Ersatzverkehr zu verkürzen, sodass Attendorn möglichst früher wieder ans Schienennetz angeschlossen werden kann.

Viele Arbeiten in Lennestadt

Auch in Lennestadt laufen umfangreiche Bauarbeiten. Zwischen Meggen und Altenhundem werden Schienen und Gleise auf mehreren Kilometern erneuert. Im Bahnhof Altenhundem werden acht Weichen ersetzt, in Meggen vier weitere. Außerdem erhält die Eisenbahnbrücke über die Lenne neue Brückenbalken. Insgesamt werden dort 119 Brückenelemente ausgetauscht. Der Baubereich ist halbseitig für den Verkehr gesperrt.

Die Auswirkungen für Fahrgäste ändern sich im Laufe des Sommers mehrfach. Den Anfang macht die Sperrung zwischen Werdohl und Lennestadt-Altenhundem vom 10. bis 31. Juli. Anschließend wandert der gesperrte Abschnitt bis 4. September zwischen Lennestadt-Grevenbrück und Welschen Ennest. Vom 4. bis 15. September fahren zwischen Finnentrop und Siegen keine Züge mehr. In allen Bauphasen verkehren Ersatzbusse.

Der RE 34 entfällt während dieser Zeit vollständig. Die RB 91 soll möglichst dicht an die jeweiligen Sperrabschnitte heranfahren und wird zeitweise gemeinsam von VIAS, DB Regio und der Hessischen Landesbahn betrieben, um zusätzliche Kapazitäten bereitzustellen. Aktuell laufen Arbeiten, um die Züge zu verstärken und so die wahrscheinlich höhere Nachfrage der RB 91 bündeln zu können. Der Schienenersatzverkehr soll zumindest bis September an den Bahnhöfen bzw. in jedem Ort mit Haltepunkt anhalten.

Fahrgäste brauchen Geduld

Nach Angaben des NWL nutzen je nach Streckenabschnitt täglich zwischen 2.000 und 5.500 Fahrgäste die Ruhr-Sieg-Strecke. Aufgrund der eingleisigen Abschnitte wird während der Bauzeit vielerorts nur ein stündliches Angebot möglich sein. Die Verantwortlichen hoffen dennoch, den ehrgeizigen Zeitplan einhalten zu können.

Der Schienenersatzverkehr auf der B 517. von Nils Dinkel
Der Schienenersatzverkehr auf der B 517. © Nils Dinkel

„Natürlich hat jedes Bauprojekt Risiken. Aber wir glauben an diesen Zeitplan“, sagte Hauschild. Ziel sei es, die Strecke nach Abschluss der Arbeiten wieder deutlich zuverlässiger und leistungsfähiger zu machen.

Weitere Herausforderung: Defekte Oberleitungen

Weil viele Bereiche aktuell nur eingleisig befahrbar sind, gibt es im Bahnverkehr derzeit massive Verspätungen. Hauschild erklärte auf LokalPlus-Nachfrage, dass aktuell eine Oberleitung zwischen Welschen Ennest und Kreuztal repariert werde, was nicht Teil des Maßnahmenpakets sei:

Bei einem Sturm seien mehrere Bäume auf Oberleitungen gestürzt und heruntergerissen worden. Daher müssten derzeit sechs Oberleitungen erneuert werden. „Das erfolgt in dieser Woche“, so Hauschild. Andernfalls könne dies sogar die Ersatzmaßnahmen gefährden.

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