Große Sorge vor weiteren Wolfsrissen: Landwirte haben klare Forderungen

Schnellere und erleichterte Prozesse


  • Kreis Olpe, 22.04.2026
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Beim Pressegespräch in Scheiderwald (v.l.): WLV-Wolfsbeauftragter Bernd Eichert, Schafhalter Julian Quast und WLV-Präsident Hubertus Beringmeier. von Lorena Klein
Beim Pressegespräch in Scheiderwald (v.l.): WLV-Wolfsbeauftragter Bernd Eichert, Schafhalter Julian Quast und WLV-Präsident Hubertus Beringmeier. © Lorena Klein

Kreis Olpe/Scheiderwald. Die weiten, grünen Wiesen, die werdenden Weihnachtsbäume und der strahlend blaue Himmel vermitteln Idylle pur – doch die Situation ist angespannt im kleinen Ort Scheiderwald im Wendener Land. Seit dem 9. April wurden hier mehr als 20 Schafe gerissen – und alle Anzeichen deuten auf den Wolf. Im Rahmen eines Pressegesprächs hat der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) am Mittwoch, 22. April, verdeutlicht, was aus Sicht der Landwirte jetzt passieren muss.


Zahlreiche Vertreter des WLV waren der Einladung auf den Hof von Julian Quast und seiner Familie gefolgt. Er ist einer der betroffenen Schafhalter aus Scheiderwald und führt einen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb mit 80 Tieren. Die Schafe stehen in den Scheiderwälder Weihnachtskulturen, aber auch außerorts an PV-Anlagen, Fischteichen und in Gärten.

Am Morgen des 9. April sah Julian Quast ein schockierendes Bild: Sechs seiner Schafe lagen tot und verletzt zwischen den Weihnachtsbäumen, die anderen drei Tiere der Herde seien völlig verschreckt gewesen. Es war der erste von bisher drei Morgen, an dem die Landwirte in Scheiderwald solche Entdeckungen machten.

„100 Prozent wolfssicher geht es nicht“

Die Art der Verletzungen und die kürzlichen Aufnahmen von Wildkameras lassen für die Landwirte keine Zweifel – zwei Wölfe sind hier unterwegs. Und die Zäune scheinen für sie kein Hindernis gewesen zu sein: „Wir haben keine Untergrabungsstelle gefunden, deshalb gehen wir davon aus, dass der Wolf darüber gesprungen ist“, erklärt Julian Quast.

Seit dem 9. April war der kleine Ort Scheiderwald mehrmals von Wolfsrissen betroffen. Mehr als 20 tote Schafe wurden in den Weihnachtsbaumkulturen gefunden. von Lorena Klein
Seit dem 9. April war der kleine Ort Scheiderwald mehrmals von Wolfsrissen betroffen. Mehr als 20 tote Schafe wurden in den Weihnachtsbaumkulturen gefunden. © Lorena Klein

Seine Schafe habe er nun im Stall oder in Herden auf anderen Flächen untergebracht. Doch die Sorge vor weiteren Rissen ist groß. Bis all seine Zäune wolfssicher seien, werde es noch mehrere Jahre dauern, so die Befürchtung des Landwirts – „und 100 Prozent wolfssicher geht es auch nicht.“ Herdenschutzhunde für jede seiner zehn bis zwölf Schafsherden seien auch keine Alternative.

Fälle wie in Scheiderwald unterstreichen aus Sicht des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes die Dringlichkeit einer gezielten „Entnahme von Problemwölfen“. Das bedeutet: Nach Rissen soll ein Abschuss noch in der darauffolgenden Nacht ermöglicht werden. Das steigert laut WLV die Wahrscheinlichkeit, den verantwortlichen Wolf auch zu sichten, wenn dieser zum Ort der Beute zurückkehrt.

„Wir brauchen Regionen, die wolfsfrei bleiben“

WLV-Präsident Hubertus Beringmeier betonte: „Wir wollen nicht, dass der Wolf komplett ausgerottet wird. Aber wir brauchen Regionen, die wolfsfrei bleiben.“ Wie eben solche Mittelgebirgsregionen, die geprägt seien von Grünlandwirtschaft und Weidetierhaltung. Hinzukomme die Topografie, die das Aufstellen von wolfssicheren Zäunen erheblich erschwere.

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„Wir begrüßen ausdrücklich, dass der Wolf nicht mehr so streng geschützt ist und in das Bundesjagdgesetz aufgenommen wurde“, so Hubertus Beringmeier. Die rechtlichen Grundvoraussetzungen seien somit geschaffen, doch jetzt seien pragmatische Lösungen und schnelles Handeln gefordert. Statt wochenlang auf die Ergebnisse von Genetik-Proben und Begutachtungen zu warten, solle es schon möglich sein einzugreifen, wenn es sichere Anzeichen für einen Wolfsriss gibt.

Die Forderung nach schnelleren Prozessen bekräftigte auch WLV-Wolfsberater Bernd Eichert, der selbst einen kleinen Mutterkuhbetrieb hat. Auch für seine Tiere ist die Gefahr durch den Wolf mittlerweile real. „Es lässt uns nicht kalt und es lässt die Menschen hier in der Region nicht kalt“, so Eichert.

Seit dem 9. April war der kleine Ort Scheiderwald mehrmals von Wolfsrissen betroffen. Mehr als 20 tote Schafe wurden in den Weihnachtsbaumkulturen gefunden. von Lorena Klein
Seit dem 9. April war der kleine Ort Scheiderwald mehrmals von Wolfsrissen betroffen. Mehr als 20 tote Schafe wurden in den Weihnachtsbaumkulturen gefunden. © Lorena Klein

Im Moment sind den Landwirten – bis auf Schutzmaßnahmen, die wiederum mit Zeit und Kosten verbunden sind – noch die Hände gebunden. „Wenn der Wolf morgen wiederkommt, steht man hier im Grunde genommen genauso hilflos da wie beim letzten Mal“, stellte Hubertus Beringmeier fest. Die Landwirte hoffen, dass die geplanten Erleichterungen zur Entnahme von Problemwölfen schnell in die Praxis umgesetzt werden.

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