„Kein Platz für Extremismus“: Jugendzentrum Attendorn ausgezeichnet
Kreativität gegen Vorurteile
- Kreis Olpe, 15.11.2025
- Verschiedenes
Attendorn/Kreis Olpe. Lebendig, kreativ und berührend – so hat sich die Preisverleihung „Kein Platz für Extremismus und Rassismus“ am Mittwoch, 12. November, gestaltet. Alle zwei Jahre zeichnet der Kreis Olpe seit 2019 Menschen und Einrichtungen aus, die sich aktiv gegen extreme und rassistische Ideologien einsetzen und für Menschlichkeit, Miteinander und Vielfalt engagieren.





Jetzt ging der Preis an das Jugendzentrum (JUZ) Attendorn für sein Projekt „… und wir haben doch ganz viel gemeinsam!“. Seit fünf Jahren richten Künstler in den Sommer- und Herbstferien Workshops mit Kindern und Jugendlichen aus, in denen sie sich kreativ mit dem beschäftigen, was alle Menschen verbindet.
Musik, Theaterstücke, Bilder, Fotografien, Graffiti und Installationen entstehen dabei gemeinsam und werden auf der Bühne oder in Ausstellungen präsentiert.

Auch bei der Preisübergabe konnten die Gäste die Begeisterung der Jugendlichen spüren: Trotz Lampenfiebers präsentierten sie Lieder und Szenen eines Theaterstücks mit Tanz und Musik und ernteten dafür langen Applaus.
Neben den Workshops beinhaltet das Projekt auch Fahrten zur Gedenkstätte Ysselsteyn in den Niederlanden sowie Kooperationen mit „Jüdisch in Attendorn“, dem Verein CSD Olpe und der Hanseschule Attendorn. Ziel ist es, jungen Menschen historische Zusammenhänge, Vielfalt und Integration erfahrbar zu machen.
Wie wichtig das JUZ für viele Jugendliche ist, machten die Laudationes deutlich. Mohammad Modi, heute Übungsleiter im JUZ, berichtete:

„Der Tag, an dem ich meinen Bundesfreiwilligendienst im Jugendzentrum beginnen konnte, war der Tag, der alles verändert hat. Hier habe ich gelernt, dass Integration nicht nur bedeutet, eine Sprache zu sprechen, sondern Teil einer Gemeinschaft zu sein: mitzumachen, mitzugestalten und anderen etwas zurückzugeben. Ich wurde nicht gefragt, woher ich komme, sondern wer ich bin – und wer ich sein möchte.“

Katharina Rummel ergänzte: „Die Erwachsenen dort begegneten uns auf Augenhöhe, ohne Zeigefinger, ohne pädagogische Fassade – einfach mit echtem Interesse. Wenn es einen Ort gibt, an dem kein Platz ist für Rassismus und Extremismus, dann ist es genau hier – bei euch!“
Sichtlich bewegt nahmen Helge Staat und Anna Orsini stellvertretend für das Team des Jugendzentrums den Preis aus den Händen von Landrat Theo Melcher entgegen, der die Arbeit des JUZ als „echte und ganz praktische Demokratiebildung und Friedensarbeit“ würdigte.
Die Preisverleihung organisierte das Team des Regionalen Bildungsnetzwerks des Kreises Olpe.
Frühere Preisträger
Als Vorsitzender des Ausschusses für Sport und Kultur und Mitglied der Jury erinnerte Michael Hecken an die Geschichte des Preises „Kein Platz für Extremismus und Rassismus“, den der Kreis Olpe zum vierten Mal verliehen hat:
2019 ging der Preis an die Initiative „Jüdisch in Attendorn“ für ihr vielfältiges und unermüdliches Erinnern an die jüdischen Menschen Attendorns, die unter dem Nazi-Regime ermordet und vertrieben wurden.
2021 wurde das Kinder-, Jugend- und Kulturhaus Finnentrop für seine Arbeit ausgezeichnet, insbesondere für das Projekt „(M)Ein Stück Heimat“. Darin setzen sich junge und ältere Menschen damit auseinander, was Heimat für sie ausmacht.
2023 ging der Preis an die Familie Kleeschulte/Beckmann und den Künstler Sami Gebremariam für ihr Projekt „Mal gegen Rassismus“, mit dem sie sich für Akzeptanz und Vielfalt und gegen Alltagsrassismus und Vorurteile einsetzen.
