Keine BAföG-Erhöhung? Studentin Marlene Raab findet das „enttäuschend“
Drohender Rückzieher stößt auf Kritik
- Kreis Olpe, 11.06.2026
- Schule & Bildung , Politik
- Von Mona Pospischil
Saalhausen/Siegen. Das BAföG bietet eine finanzielle Unterstützung für das Studium oder die schulische Ausbildung. Die Bundesregierung hat im Koalitionsvertrag dafür eine Reform angekündigt, die unter anderem eine Leistungsverbesserung vorsieht. Da dieser Plan jedoch unter Finanzierungsvorbehalt steht, läuft momentan eine Debatte darüber, ob eine Erhöhung überhaupt möglich ist, ohne den Bundeshaushalt aus dem Gleichgewicht zu bringen. Die Studentin Marlene Raab bezieht die staatliche Sozialleistung und kritisiert im Gespräch mit LokalPlus den drohenden Rückzieher.


„Ich finde das enttäuschend“, sagt Marlene Raab mit Blick auf die Debatte über eine ausbleibende Erhöhung der Leistungen des Bundesausbildungsförderungsgesetzes (BAföG). Die 21-Jährige wohnt mit ihrem Freund in Saalhausen und studiert „Pädagogik: Entwicklung und Inklusion“ im sechsten Semester an der Universität Siegen. Etwa 500 Euro erhält sie monatlich, eine deutliche Entlastung.

„Trotzdem reicht das bei weitem nicht aus, um alle Kosten zu decken“, erklärt Raab und zählt die verschiedenen Kostentreiber auf: Miete, Lebensmittel, Spritkosten für den Weg zur Uni, Lernmaterialien.

Für die Studentin wäre es zwar auch ohne BAföG möglich zu studieren, aber nicht unter den gleichen Bedingungen. „Ohne BAföG müsste ich wahrscheinlich wieder bei meinen Eltern wohnen oder deutlich mehr arbeiten. Das würde sich wahrscheinlich auch negativ auf mein Studium auswirken“, sagt sie.

Trotz des BAföGs hatte die 21-Jährige nie das Gefühl, keinen Nebenjob zu brauchen. „Ohne diesen Nebenjob wäre meine finanzielle Situation sehr schwierig“, betont Raab. „Ich denke, ich würde auch arbeiten wollen, wenn ich mehr BAföG bekommen würde. Neben dem Studium Geld zu verdienen und Berufserfahrung zu sammeln, finde ich wichtig.“ Das BAföG könne aber dazu beitragen, weniger arbeiten zu müssen und sich so mehr auf das Studium zu konzentrieren.
„Ohne diesen Nebenjob wäre meine finanzielle Situation sehr schwierig”
Die Höhe des BAföGs hält Raab mit Blick auf die Lebenshaltungskosten nicht für angemessen. „Meiner Meinung nach wird die Situation vieler Studierender unterschätzt. Besonders von denen, die neben dem Studium arbeiten müssen und trotzdem finanzielle Schwierigkeiten haben“, findet die Studentin.
Dass das BAföG an die tatsächlichen Lebenserhaltungskosten angepasst und der finanzielle Druck für Studierende so reduziert werden sollte, steht für die 21-Jährige aber einem Aspekt nicht im Weg: „Studierende sollten grundsätzlich Eigenverantwortung übernehmen und nach Möglichkeit selbst Geld verdienen.“ Die BAföG-Reform soll, abgesehen von den eventuellen Leistungserhöhungen, auch dafür sorgen, dass es digitaler und einfacher zu beantragen ist.



