Nahost-Konflikt sorgt für Verunsicherung in der heimischen Wirtschaft
Unternehmen im Kreis Olpe und Siegerland beobachten Lage
- Kreis Olpe, 27.04.2026
- Wirtschaft
- Von Nils Dinkel
Kreis Olpe/Siegen. Die wirtschaftlichen Folgen des Nahostkonflikts sind inzwischen auch in Südwestfalen spürbar. Zwar gibt es aktuell noch keine auffällige Zunahme bei Kurzarbeit in der Region, doch Unternehmen berichten bereits von steigenden Kosten, Verzögerungen in Lieferketten und wachsender Planungsunsicherheit. Das geht aus Einschätzungen der Agentur für Arbeit sowie der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen hervor.

Nach Angaben der Agentur für Arbeit sind derzeit „noch keine vermehrten Anfragen auf Kurzarbeit sichtbar“. Im Gegenteil: Die Zahl der Anzeigen sei im ersten Quartal sogar gesunken. Während von Januar bis März 2024 noch 129 Anzeigen eingingen und im ersten Quartal 2025 noch 121, seien es im gleichen Zeitraum 2026 nur 84 gewesen.
Gleichzeitig verschlechtern sich jedoch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Viele Betriebe spürten bereits „Preissteigerungen, Verzögerungen und eine höhere Unsicherheit“. Daraus resultiere „Planungsunsicherheit“.
Zudem führten teurere und längere Transportwege zu zusätzlichen Belastungen. Besonders anfällig für Lieferkettenprobleme gelten Branchen, die auf bestimmte Rohstoffe oder Vorprodukte angewiesen sind.




Dazu zählen nach Einschätzung der Arbeitsagentur vor allem die Automobilindustrie, die Metall- und Stahlindustrie, der Maschinenbau, die Chemie- und Kunststoffbranche, der Bausektor sowie die Elektronikindustrie.
Gerade im Maschinenbau seien derzeit vielfach noch Lagerbestände vorhanden. Erste Engpässe könnten sich dort aber „eher in ein bis zwei Monaten“ zeigen. Sollte Material fehlen, könne das auch zu mehr Anfragen auf Kurzarbeitergeld führen.
Aus Sicht des Arbeitgeberservices stehen viele Unternehmen derzeit abwartend an der Seitenlinie. Die Firmen seien „aktuell eher im Beobachtungsmodus und treffen Entscheidungen zögerlich“. Erste Anfragen zu Kurzarbeit dienten bislang eher dazu, sich abzusichern, und entsprängen „noch nicht direkt einer Notlage“.

„Da die Wirtschaft aber insgesamt instabil ist, ist die Lage sehr volatil und abhängig von weiteren globalen Entwicklungen“, heißt es von der Arbeitsagentur.
Noch deutlicher fallen die Rückmeldungen aus einer NRW-weiten IHK-Umfrage aus. Demnach gaben mehr als 60 Prozent der fast 500 befragten Unternehmen an, bereits negativ vom Iran-Krieg betroffen zu sein. Ein knappes Drittel könne die Folgen derzeit noch nicht abschätzen.
Besonders spürbar seien die Auswirkungen im Bereich Transport und Logistik. Laut IHK sind „bei 8 von 10 die Logistikkosten gestiegen (82 Prozent)“. Teilweise hätten sich Frachtkosten sogar verdoppelt. Probleme gebe es sowohl auf dem Seeweg als auch im Luftverkehr, etwa über die Drehkreuze Doha und Dubai.
Zudem melden rund 70 Prozent der Unternehmen steigende Energiepreise als Problem. Bei etwa 40 Prozent komme es bereits zu Verzögerungen oder Unterbrechungen in den Lieferketten.

Viele Unternehmen reagieren bereits. Mehr als jedes zweite plant laut IHK, höhere Kosten an Kunden weiterzugeben und Preise zu erhöhen. Rund jedes fünfte Unternehmen will Lagerbestände ausbauen oder alternative Lieferanten suchen.
Knapp werden könnten nach Angaben der Kammer vor allem Öl und Gas, aber auch Helium, das für die Produktion von Elektronikteilen wie Chips und Halbleitern benötigt wird. Höhere Ölpreise träfen zudem die Kunststoffindustrie – von Verpackungen des täglichen Bedarfs bis hin zu Industrieprodukten.
Insgesamt sind die direkten Folgen in der heimischen Wirtschaft bislang noch begrenzt. Das bestätigt auch die Agentur für Arbeit – konkrete Auswirkungen seien „noch nicht allzu stark spürbar“, allerdings sei „eine zusätzliche Verunsicherung bei den Betrieben zu erkennen“.
