Perspektivwechsel in Tansania: Sauerländerinnen helfen in Kindertagesstätte
Fünfwöchiges Engagement
- Kreis Olpe, 30.07.2025
- Verschiedenes
- Von Lorena Klein
Kreis Olpe/Tansania. Lucy Cordes (21) aus Altenhundem und Lina Walter (23) aus Attendorn möchten nach ihrem Bachelorstudium reisen und etwas bewegen – die Perspektive wechseln. Gemeinsam nehmen die beiden Freundinnen fünf Wochen lang an einem Hilfsprojekt in Tansania teil. Dort betreuen sie Kindergarten- und Vorschulkinder und machen wertvolle Erfahrungen und Begegnungen.

Kennengelernt haben sich Lucy und Lina in der Uni. Beide haben in Siegen Soziale Arbeit studiert – und jetzt ihre Bachelorarbeit abgegeben. „Nach dem Studium wollten wir gemeinsam etwas Soziales machen – nicht nur Urlaub, sondern auch etwas bewirken“, erzählt Lina. Durch andere Bekannte sind sie auf die Organisation „Step Africa“ aufmerksam geworden, die Hilfsprojekte in Tansania leitet und Freiwilligenarbeit anbietet.
Bei ihrem Aufenthalt in Tansania entschieden sich Lina und Lucy für die Arbeit mit Kindern. Fünf Wochen lang engagieren sie sich im „Miles of Smile Daycare Center“ – einer Kindertagesstätte in einem Vorort der Stadt Arusha. Untergebracht sind sie mit anderen Freiwilligen in einem Hostel.




Vor zwei Wochen begann für die Freundinnen der Freiwilligeneinsatz mit vielen neuen Erfahrungen. „Die Kindertagesstätte ist anders aufgebaut als man es in Deutschland kennt“, erklärt Lina. Insgesamt 51 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren werden hier, aufgeteilt in zwei Klassen, betreut und auch unterrichtet.
Lina und Lucy sind in der älteren Klasse eingesetzt. Sie unterstützen die Lehrer beim Unterricht, spielen in den Spielzeiten mit den Kindern und helfen bei den Mahlzeiten. „Die Kinder haben sogar schon einen Stundenplan, der Unterricht ist aber kindgerecht und spielerisch gestaltet“, erzählt Lucy. „Die Lehrer sind sehr engagiert und mit Herzblut dabei.“ Im Team herrsche ein großer Zusammenhalt.
Für die Kinder ist das „Miles of Smile“ mehr als eine Kindertagesstätte. Es ist ein Ort des Lernens, des Spielens und der Freude an Dingen, die es bei vielen Familien zu Hause nicht gibt. Das haben Lucy und Lina auch bei ihren bisherigen Hausbesuchen erlebt, bei denen sie Steckbriefe der Kinder für Spenden-Patenschaften erstellen.

„Die Kinder in dieser Gegend leben meist in sehr armen Verhältnissen“, sagt Lucy. „Teilweise haben die Familien zu Hause keinen Strom und kein Wasser, manche Kinder haben auch kein Spielzeug“, ergänzt Lina. Besonders in Erinnerung ist ihr die große Trauer und Verzweiflung einer Mutter geblieben, deren Mann kürzlich gestorben ist. Wie soll sie das allein schaffen? Ohne Hauptverdiener ein kleines Baby und einen weiteren Sohn versorgen. „Viele Frauen sind hier auf sich allein gestellt“, sagt Lina. „Einige Väter laufen auch weg, wenn die Frauen schwanger geworden sind.“
Das „Miles of Smile“ soll den Kindern eine Perspektive bieten. „Die Daycare versucht, ihnen Spielmöglichkeiten und eine Tagesstruktur zu geben und sie irgendwann an eine Privatschule zu vermitteln“, erklärt Lina.

Auch für die beiden Freundinnen ist es ein Perspektivwechsel. „Die Kinder sind sehr glücklich und aufgeschlossen, obwohl sie so wenig haben“, betont Lucy. Manchmal werde dadurch aber auch das Teilen zum Problem. „Es gab eine Situation, in der ein Kind ein Stück Kreide unter seiner Jacke versteckt hat und nicht wieder abgeben, sondern mit nach Hause nehmen wollte“, erinnert sich Lucy. „Allein dieses Stück Kreide war für das Kind so viel wert – da habe ich einige Tage drüber nachgedacht.“
Vor allem aber ist es die gemeinsame Zeit, die den Kindern Freude bereitet. „Die Kinder haben uns sofort angenommen und sich gefreut, dass jemand da ist“, erzählt Lina. Jemand, der sie auf der Schaukel anschubst oder auf dem Arm nimmt und dabei tanzt. Der unbezahlbare Lohn ist das Lachen der Kinder.
Zur Hilfsarbeit gehören für Lina und Lucy auch Spendenaufrufe, die sie in sozialen Netzwerken teilen. Eine erste Summe konnten die beiden direkt einsetzen und neuen Sand und Spielsachen für den Sandkasten der Tagesstätte anschaffen.
„Man kann in fünf Wochen zwar nicht die Welt verändern, doch man kann für die Kinder da sein“, weiß Lucy. „Diese Arbeit ist eine gute Erfahrung“, sagt Lina. „Denn man beginnt auch darüber nachzudenken, wie glücklich man sich selbst schätzen kann und wie dankbar andere für viel weniger sind.“

Nach ihrer Freiwilligenarbeit in Tansania haben die Freundinnen noch privaten Urlaub geplant. Im Herbst möchte Lina mit ihrem Masterstudium der Sozialen Arbeit starten und für Lucy beginnt die Arbeit in einer Wohngruppe. An die Zeit mit den Kindern in Tansania werden sie wohl auch in ihrem Berufsleben immer wieder zurückdenken.
Spendenlink
Über PayPal sammeln Lucy und Lina weiterhin Spenden für die Kindertagesstätte „Miles of Smile“. Unterstützen kann man unter diesem Link: https://www.paypal.com/pools/c/9gQih5jAVI
