Psychische Erkrankungen: Welche Vorurteile und Missverständnisse es gibt

Mit Offenheit für mehr Akzeptanz


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Symbolfoto Depression, Angst, Erschöpfung von Pixabay.com/whoismargot
Symbolfoto Depression, Angst, Erschöpfung © Pixabay.com/whoismargot

Olpe/Lennestadt. Laut Deutscher Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde erfüllen mehr als 25 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland jährlich die Kriterien, nach denen sie als „psychisch krank“ gelten würden. Die häufigsten Krankheitsbilder sind Angststörungen, Depressionen und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentengebrauch.


Im Interview klärt Simon Tump, Leitender Psychologe der GFO Kliniken Südwestfalen, über Missverständnisse und Herausforderungen in Bezug auf psychische Erkrankungen auf.

Was sind die häufigsten Missverständnisse über psychische Erkrankungen?

Ein sehr häufiges Missverständnis ist die Annahme, dass psychische Erkrankungen einfach zu verstehen und zu behandeln seien. Viele Menschen glauben, es gäbe eine klare Erklärung für ihre Entstehung und eine bestimmte Lösung oder Behandlung. Für die Betroffenen ist es leider nicht so einfach. Schwere, Ausprägung und Entstehung psychischer Erkrankungen sind äußerst vielfältig – und genauso individuell muss die Behandlung sein.

Wie hat sich die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Insgesamt hat sich die Stigmatisierung in meinen Augen eher verringert. Psychische Erkrankungen werden heute besser erkannt und es gibt mehr Diagnosen – nicht unbedingt, weil es mehr Betroffene gibt, sondern weil früher viele Fälle übersehen wurden.

Heute verstehen wir Erkrankungen besser und behandeln sie effektiver. Das führt auch dazu, dass die Suizidraten bei psychischen Erkrankungen seit Jahren deutlich rückläufig sind – nicht trotz, sondern wahrscheinlich sogar wegen steigender Diagnosezahlen.

Simon Tump, Leitender Psychologe der GFO Kliniken Südwestfalen. von GFO Kliniken Südwestfalen
Simon Tump, Leitender Psychologe der GFO Kliniken Südwestfalen. © GFO Kliniken Südwestfalen

Warum fällt es vielen Menschen schwer, Hilfe zu suchen, und wie kann man diese Barriere abbauen?

Es fällt vielen schwer, Hilfe zu suchen, weil sie Angst vor dem haben, was dann passiert. Manche fürchten sich vor Stigmatisierung, davor, dass jemand sie in der Psychotherapie-Praxis sieht. Für andere sind die realen Hürden entscheidend: Sie befürchten, keine Hilfe zu bekommen oder dass die Hilfe, die sie erhalten, nicht wirksam ist.

Es gibt auch Menschen, die Angst haben, sich schwierigen Gefühlen und Themen zu stellen. Diese Ängste lassen sich oft durch offene Kommunikation über psychische Erkrankungen und Therapie abbauen.

Was können Angehörige tun, wenn sie merken, dass jemand leidet, sich aber nicht helfen lassen möchte?

Natürlich kann man überlegen, warum es der betroffenen Person so schwerfällt, Hilfe anzunehmen. Letztlich muss die Entscheidung jedoch von der Person selbst kommen. Wenn sie keine Unterstützung annehmen möchte, ist es für Angehörige besonders wichtig, gut auf sich selbst zu achten.

„Die psychische Erkrankung eines nahestehenden Menschen kann das eigene Leben stark belasten.”
— Simon Tump, Leitender Psychologe

Denn die psychische Erkrankung eines nahestehenden Menschen kann das eigene Leben stark belasten. Es gibt jedoch einige gute Anlaufstellen, um sich auszutauschen und Unterstützung zu finden: eine Beratungsstelle, der Trialog oder der sozialpsychiatrische Dienst.

Wie beeinflussen soziale Medien die psychische Gesundheit?

Ich denke, dass es viele positive Seiten hat, dass in sozialen Medien zunehmend über psychische Erkrankungen gesprochen wird und diese entstigmatisiert werden. Viele Comedians zum Beispiel, die offen über ihre eigenen Erfahrungen mit psychischen Erkrankungen sprechen, leisten hier einen wertvollen Beitrag. Das wäre ohne soziale Medien wahrscheinlich nicht in dieser Form sichtbar.

Auf der anderen Seite bieten soziale Medien auch eine ungefilterte Plattform, was manchmal auch zu Desinformation führt und Verunsicherung hervorruft. Ich habe den Eindruck, dass vor allem jüngere Menschen oft mit Social-Media-basierten Diagnosen zu uns kommen.

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