Psychose und Brandstiftung: Frau wegen sechs Taten angeklagt

Prozessauftakt in Siegen


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Symbolfoto. von Nils Dinkel
Symbolfoto. © Nils Dinkel

Siegen/Kreis Olpe. Am Siegener Landgericht hat am Dienstag, 2. Juli, ein Prozess wegen schwerer Brandstiftung und mehrerer Sachbeschädigungen begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft der heute 37-jährigen Frau insgesamt sechs Taten vor, die sich 2022 und 2023 ereigneten. Staatsanwalt Giesing stuft die Frau wegen einer Psychose als nicht schuldfähig ein und sieht in ihr eine Gefahr für die Allgemeinheit.


So soll die Frau am 2. April 2022 eine Matratze in einer Obdachlosenunterkunft in Hofolpe in Brand gesteckt haben. Die Wohnung sei danach unbewohnbar gewesen. Der Sachschaden habe etwa 10.000 Euro betragen. Ein Mann, der sich ebenfalls im Gebäude befand, rief laut Staatsanwalt die Feuerwehr.

„Die Angeklagte nahm in Kauf, dass sich der Brand ausbreitet und gegebenenfalls Menschen gefährdet werden“, so Giesing. Ein inzwischen pensionierter Polizist sagte aus, dass die Spurenlage beim Brand in Hofolpe für fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung spreche, da sich in der Nähe keinerlei elektronischen Geräte befunden hätten.

Der ehemalige Polizist sagte, dass es in dem Mehrfamilienhaus häufiger Polizeieinsätze gegeben habe und die Türen meist unverschlossen gewesen seien. Er sagte, dass er die Angeklagte nicht kannte, ihren Namen aber häufiger wegen anderer Brandverfahren in Akten gelesen habe.

Stofflappen in Rahrbach in Brand gesetzt

Am 28. Januar 2022 soll die Frau, deren Mietverhältnis zum 31. Januar gekündigt worden war, in der von ihr bewohnten Wohnung in Rahrbach mehrere Stofflappen entzündet haben. Dann sei sie in ihr Zimmer gegangen und habe die brennenden Lappen auf einen Laminatboden geworfen. Schließlich habe sie das Feuer gelöscht, aber am Laminatboden sei ein Brandschaden entstanden.

Abends sei sie dort erneut aufgetaucht. Sie soll ein Glaselement der Haupteingangstür eingeschlagen haben, um ins Innere zu gelangen. Den Schlüssel hatte sie laut Giesing schon abgegeben.

Am 21. April 2023 soll die Frau in einer Wohnung am Sportplatz in Heggen mehrere Zeitungen und Prospekte in einem Spülbecken entzündet haben. Ein Schrank über dem Becken sei hierbei in Mitleidenschaft gezogen worden.

Sachverständiger schließt auf Brandstiftung

Ein Sachverständiger analysierte die Situation anhand ihm zur Verfügung gestellter Fotos. Er sagte, dass keine Brandausbreitung möglich war, diese jedoch denkbar gewesen wäre, wenn es mehr oder anderes Brandgut gegeben hätte. Als Ursache konnte er keine elektronischen Elemente ausmachen. Er schloss auf fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung.

Ebenfalls am 21. April 2023 soll die Angeklagte zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt in demselben Haus im Hausflur Fußleisten abgerissen und außerdem Löcher in die Tür einer Wohnungsnachbarin geschlagen haben.

Die Verhandlung findet vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Elfriede Dreisbach statt. Die Angeklagte wird durch Rechtsanwältin Ann-Kristin Becker vertreten. Eine Einlassung erfolgte noch nicht. Fortsetzungstermine sind für den 23., 25. und 26. Juli jeweils ab 9.30 Uhr und am 6. August ab 14 Uhr geplant. Die Verhandlung ist öffentlich.

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