Ein Abschied, der schwerfällt: Dr. Katja Roloff verlässt Altenhundem

Trotz jahrelanger Suche kein Nachfolger – doch es gibt Hoffnung


  • Lennestadt, 02.07.2026
  • Gesundheit & Medizin
  • Von Kerstin Sauer
    Profilfoto Kerstin Sauer

    Kerstin Sauer

    Redaktion


    E-Mail schreiben
Topnews
Vielen Patientinnen ist dieses Bild vertraut: Dr. Katja Roloff in ihrem Sprechzimmer, wo sie sich immer viel Zeit für ein Gespräch mit den Frauen nimmt. Am 18. September hat die Gynäkologin ihren letzten Arbeitstag. von Kerstin Sauer
Vielen Patientinnen ist dieses Bild vertraut: Dr. Katja Roloff in ihrem Sprechzimmer, wo sie sich immer viel Zeit für ein Gespräch mit den Frauen nimmt. Am 18. September hat die Gynäkologin ihren letzten Arbeitstag. © Kerstin Sauer

Altenhundem. Mehr als 20 Jahre lang hat sie als Gynäkologin viele, viele Frauen betreut. War Vertrauensperson, Unterstützerin, ärztlicher Beistand. Im September muss Dr. Katja Roloff ihre Gynäkologie-Praxis in Altenhundem schließen, denn trotz jahrelanger Bemühungen konnte sie keinen Nachfolger finden. Mit LokalPlus blickt sie zurück und kündigt vorsichtig an: „Es gibt Hoffnung.“


„Es tut mir unendlich leid, dass es so gekommen ist.“ Das Bedauern, ihre Patientinnen und ihre vier medizinischen Fachangestellten ohne feste Nachfolge zurücklassen zu müssen, ist Dr. Katja Roloff anzusehen. Vier Jahre lang hat sie einen Nachfolger für ihre Praxis am Altenhundemer Marktplatz gesucht, schien zwei Mal auch Erfolg zu haben – doch beide Male sprang der Bewerber nach fester Zusage plötzlich ab.

Ein Schock für die 64-Jährige, hatte sie sich doch darauf verlassen, ihre Patientinnen und Mitarbeiterinnen in gute Hände übergeben zu können. „Ich bin traurig und enttäuscht.“

1.000 Patientinnen im Quartal

Etwa 1.000 Patientinnen betreut Dr. Katja Roloff im Quartal. Frauen im Alter von „ganz jung bis in die 90er“, wie sie lächelnd berichtet. „Meine Patientinnen sind mir sehr treu“, freut sich die Ärztin. Zwischenzeitlich sei der Patientenstamm so groß gewesen, dass keine weiteren Frauen aufgenommen werden konnten – mit zwei Ausnahmen, wie Dr. Katja Roloff betont. „Schwangere und Karzinom-Patientinnen haben immer einen Termin bekommen.“

20 Jahre lang war Dr. Katja Roloff in einem Lüdenscheider Krankenhaus tätig, bevor sie fast auf den Tag genau vor 22 Jahren, am 1. Juli 2004, die Praxis in Altenhundem von Dr. Axel Lengerke übernahm. Rund zehn Jahre lang betreute sie gemeinsam mit Dr. Edda Undeutsch ihre Patientinnen, seit deren Eintritt in den Ruhestand ist sie alleine in der Praxis am Marktplatz tätig.

„Dieser Beruf war immer mein Lebenstraum.”
— Dr. Katja Roloff

Eine Aufgabe, so betont die Ärztin, die sie immer mit Begeisterung ausgeübt hat: „Dieser Beruf war immer mein Lebenstraum.“ Auch wenn er im Laufe der Jahre „anders“ geworden sei: „Die Anzahl an Risiko-Schwangeren hat zugenommen, da hat man als Ärztin eine hohe Verantwortung.“ Sorgen, die man auch mit nach Hause nehme: „Je älter man wird, desto mehr belastet es einen.“

Auch die Rahmenbedingungen für eine eigene Praxis seien heute andere. Dr. Katja Roloff: „Immer wieder kann es passieren, dass Leistungen aus dem Kassenkatalog gestrichen werden und von jetzt auf gleich große Anteile am Erlös wegfallen.“ Gleichzeitig würden die Fixkosten einer Praxis – Miete, Strom, Heizkosten, Gehälter – stetig steigen.

Daher, so betont Dr. Katja Roloff, könne sie verstehen, dass viele Ärzte zögern, eine Praxis zu übernehmen. „Eine Praxis und den dazugehörigen Kassensitz muss man kaufen und dafür einen Kredit aufnehmen. Das ist ein Risiko.“

Unterstützung aus Finnentrop

Trotzdem hofft die Ärztin weiterhin, dass sich für ihre Patientinnen und Mitarbeiterinnen noch eine Lösung findet. Einen Hoffnungsschimmer gebe es, verrät Dr. Katja Roloff im Gespräch: Die Finnentroper Gynäkologin Dr. Gabriela Petcu hat die feste Absicht, einen halben Kassensitz zu übernehmen. Damit hätte sie Kapazitäten für neue Patientinnen. Aber, so betonen die beiden Ärztinnen: „Die Entscheidung, ob das klappt, liegt alleine bei der Kassenärztlichen Vereinigung, da haben wir keinen Einfluss drauf.“

Wann diese Entscheidung getroffen wird, weiß niemand. Gleichzeitig hofft Dr. Katja Roloff weiterhin, auch noch die andere Hälfte ihres Kassensitzes verkaufen zu können.

Ein „Dankeschön“ zum Abschied

Knapp drei Monate ist Dr. Katja Roloff noch für ihre Patientinnen da, bevor sie mit ihrem Mann nach Bochum zieht. „Ich freue mich sehr auf mein Enkelkind und den Ruhestand, aufs Handarbeiten und Zeit mit meinem Mann“, sagt die Ärztin. Doch der Abschied fällt ihr auch schwer: „Die Patientinnen, das Team und die Arbeit werden mir fehlen“, sagt die freundliche Gynäkologin und möchte diese Zeilen nutzen, um sich bei allen für die gemeinsamen Jahre zu bedanken.

Hinweis

Wer seine Patientenkartei aus der Praxis Dr. Roloff anfordern möchte, kann sich unter Tel. 02723/6560 melden.

Artikel teilen: