„Ein Meisterwerk urbaner Begrünung“: Willkommen im Biotop Altenhundem
Leserbrief zum Zustand des Zentralortes
- Lennestadt, 08.07.2026
- Verschiedenes
Altenhundem. Während einer Bürgerversammlung des Vereins „Wir für Altenhundem“ sind kürzlich die Pläne von vier Architektur-Studentinnen für die „Neue Mitte Altenhundem“ vorgestellt worden. Lob gibt es dafür von LP-Leser Peter Blöcher, der gleichzeitig aber den aktuellen Zustand des Lennestädter Zentralortes hinterfragt: „Herzlich willkommen im Biotop Altenhundem!“

„Zum Dauerbrenner „Wir für Altenhundem“ muss ich dringend noch ein bisschen Benzin ins Diskussionsfeuer gießen. Zuerst einmal: Standing Ovations und kollektives Hutziehen vor den Organisatoren der Bürgerversammlung vom 23. Juni. Was da unter der Überschrift „Neue Mitte Altenhundem“ in der Sauerlandhalle abgeliefert wurde, war reines Hollywood. Die Vorbereitung? Makellos. Die Präsentation der Ergebnisse? Ein Traum einer Präsentation und eines klasse Moderators. Die Mitgliederakquise? Die Drückerkolonnen der Republik könnten hier noch was lernen.
Sogar der epische Reisebericht eines Mitbürgers über seine wagemutigen Expeditionen durch die Gassen von Altenhundem war absolutes Ohrenkino.

Angestachelt von so viel Romantik habe auch ich meine Augenlider hochgeklappt und bin auf Erkundungstour gegangen. Mein Fazit: Wir haben die Stadt Lennestadt sträflich unterschätzt! Auf gepflasterten Teilen des Marktplatzes läuft eventuell klammheimlich ein hochdotiertes Forschungsprojekt zur Zucht seltener Extremsubstrate?
Anders ist es nicht zu erklären, dass aus vielen Pflasterritzen majestätische, kniehohe Gewächse sprießen. Ein Meisterwerk urbaner Begrünung! Nur die örtliche Gastronomie erweist sich als Spielverderber – in deren Außenbereichen wird diese botanische Vielfalt radikal weggemäht und beblumt.

Aber kein Grund zur Sorge, das Konzept zieht sich konsequent durch die gesamte City. Die absolute Krone der Landschaftsarchitektur bewundern wir im Wigey-Bereich am Lenneufer. Dieser Ort wurde ja einst geschaffen, damit Bürger dort „verweilen“ – was im Beamtendeutsch wohl so viel heißt wie: „Stehenbleiben und bloß nichts anfassen“.
Das dortige Grün ist mittlerweile so dicht und aggressiv gewachsen, dass ein Durchbrechen zum Lenneufer ohne Machete und Tropenhelm lebensgefährlich ist. Aber ist das pure Absicht der Stadtplaner? Ein genialer Schutzwall! Wo kein Bürger durchkommt, kann auch kein Vandale die kostbare, kniehohe Edeldistel beschädigen. Chapeau – Naturschutz wird hier noch großgeschrieben!

Mal ehrlich: Die Ideen von „Wir für Altenhundem“ sind so gut, die gehören nicht auf Dauer in die Schublade, sondern in die Tat umgesetzt! Dass Gut Ding Weile haben will und Bürokratie kein Sprint ist, geschenkt.
Aber unser Ortsbild sollte halt nicht nur am Schützenfest glänzen wie eine frisch polierte Schützenkönig-Medaille. Ein bisschen kommunale Dauer-Schönheitspflege übers ganze Jahr wäre spitze – schließlich wollen wir uns auch ohne Freibier im Dorf wohlfühlen, mit der Sicht auf ein noch schöneres Altenhundem!“
Peter Blöcher, Altenhundem

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