Grevenbrücker Kartoffelmarkt vor dem Aus?
Schwere Entscheidung für den IGEL-Vorstand
- Lennestadt, 15.04.2026
- Verschiedenes
- Von Kerstin Sauer
Grevenbrück. Die Entscheidung fiel ihnen sichtlich schwer – doch sie ist laut dem geschäftsführenden Vorstand der IGEL-Gemeinschaft Grevenbrück (Interessengemeinschaft Gewerbetreibender und Einzelhändler in Lennestadt) alternativlos: Der beliebte Kartoffelmarkt findet in diesem Jahr nicht statt. Und sollte nicht noch ein Wunder geschehen, muss die Veranstaltung ganz aus dem Kalender der Stadt Lennestadt gestrichen werden.

„Aussprache über die Zukunft des Kartoffelmarktes“: So stand es auf der Tagesordnung zur IGEL-Versammlung, die am Dienstagabend, 14. April, im Haus Kramer in Bonzel stattfand. Bevor es zu einer Entscheidung kam, stellte Vorstandsmitglied Rolf Schauerte – der später auf eigenen Wunsch aus dem geschäftsführenden Vorstand ausschied – vor, wieviel Arbeit im Kartoffelmarkt steckt.
Seit 2005 findet der Kartoffelmarkt im Sommer in Grevenbrück statt. Doch die Planung beginnt schon lange, lange Zeit vorher. Rolf Schauerte: „Nach dem Kartoffelmarkt ist vor dem Kartoffelmarkt. Schon Monate vorher müssen wir unsere Mitglieder über das Datum, Auf- und Abbauzeitfenster und Standgebühren informieren, Sponsoren akquirieren, Logos und Anzeigen entgegennehmen und entwerfen.“
In „endlosen“ Telefonaten und E-Mail-Kontakten werden Fragen beantwortet und Sonderwünsche notiert. Das Programm wird geplant – attraktiv, aber aus Budgetgründen so kostengünstig wie möglich, Flyer und Plakate werden erstellt und verteilt, Pressemitteilungen verfasst. Genehmigungen müssen eingeholt, Hinweisschilder angebracht, Entsorgungsunternehmen beauftragt und Security, Getränkestände, Toilettenwagen und Kassen mit Wechselgeld organisiert werden. Strom und Wasserleitungen werden verlegt, die Stände koordiniert, die Bühne wird aufgebaut und immer wieder müssen Fragen beantwortet und kurzfristige Änderungen umgesetzt werden.
„Es ist zu viel Arbeit für zu wenige Leute.”
Eine Mammutaufgabe. Die zu schaffen wäre, wenn viele Helfer mit anpacken. Und hier liegt die Krux, wie Vorstandsmitglied Bernard Schneider betonte: „Vieles lastet auf vier oder fünf Personen aus dem IGEL-Vorstand. Wir haben mehrfach darauf hingewiesen, dass wir das so nicht mehr schaffen. Wir sehen uns nicht mehr in der Lage, das auf so wenigen Schultern weiterzutragen.“
Eine Entscheidung, „die uns unglaublich schwerfällt“, fuhr Schneider fort: „Der Kartoffelmarkt funktioniert, hat sich etabliert und wird gut angenommen. Es ist unglaublich schade, wir haben lange darüber nachgedacht, aber uns sind die Hände gebunden. Wir kommen so nicht weiter. Es ist zu viel Arbeit für zu wenige Leute.“

Hinzu kommt, dass mit Rolf Schauerte ein wichtiger Kartoffelmarkt-Motor aus dem geschäftsführenden Vorstand ausscheidet. Und, so fügte Vorstandsmitglied Sebastian Jacob hinzu: „Die Sicherheitsanforderungen werden immer höher. Auf den einzelnen Vorstandsmitgliedern lastet eine unglaubliche Verantwortung.“ Kurzum: „Ohne Unterstützung sehen wir keine Möglichkeit, den Markt weiterzuführen“, erklärte der Vorstand unisono.
Aus der Versammlung gab es Verständnis für diese Entscheidung – wenn auch mit Bedauern: „Ihr könnt das nicht zu so wenigen Leuten stemmen, das ist nicht zu schaffen“, hieß es. Und: „Die Arbeit explodiert an wenigen Leuten.“ Kritisiert wurde die fehlende Unterstützung: „Der Verein hat mehr als 80 Mitglieder, aber die Resonanz ist sehr, sehr gering.“

Einstimmig entschieden die anwesenden Mitglieder, dass der Kartoffelmarkt in diesem Jahr nicht vom IGEL-Vorstand organisiert wird. Sollte sich für die Zukunft eine andere Möglichkeit finden, besteht zumindest die Chance, dass der Kartoffelmarkt nochmal stattfinden könnte.
Darauf hofft auch Bürgermeister Tobias Puspas, an diesem Abend zu Gast bei der IGEL-Gemeinschaft: „Der Kartoffelmarkt hat einen festen Platz im Lennestädter Veranstaltungskalender. Vielleicht löst dieser Abend etwas aus. Ich habe schon erlebt, dass Veranstaltungen geschwächelt und dann die örtlichen Vereine mit eingegriffen haben.“

Wahlen
Beiratsmitglied Nicolas Hille wurde als Schriftführer in den geschäftsführenden Vorstand gewählt. Rolf Schauerte schied nach langjährigem Engagement daraus aus, unterstützt die IGEL aber weiterhin als Beisitzer, ebenso wie Ingo Schmidt (der eigentlich zurücktreten wollte und sich kurzerhand umentschied), André Hanuschke und Holger Mettner. Neuer Kassenprüfer ist Klaus Fronz.
