„Ich war schon in vielen Stadien der Welt, aber das war etwas Besonderes“
ARD-Kommentatorin Christina Graf blickt auf WM zurück
- Lennestadt, 23.07.2026
- Sport
- Von Nils Dinkel
Lennestadt. Sieben Städte, unzählige Flugkilometer und Fußball auf höchstem Niveau: Für ARD-Kommentatorin Christina Graf aus Lennestadt ist die Fußball-Weltmeisterschaft eine intensive Reise gewesen. Im Gespräch mit LokalPlus zieht sie Bilanz – und schwärmt vor allem von der Atmosphäre.

Schon vor Turnierbeginn war viel darüber diskutiert worden, ob die auf 48 Teams aufgestockte Weltmeisterschaft sportlich an Qualität verlieren könnte. Für Christina Graf hat sich diese Sorge nicht bestätigt. „Viele hatten erwartet, dass die Unterschiede zwischen den Mannschaften deutlich größer werden. Aber genau das war nicht der Fall“, sagt sie.
Im Gegenteil: Gerade die vermeintlichen Außenseiter hätten immer wieder für Überraschungen gesorgt. Als Beispiele nennt sie den starken Auftritt der Demokratischen Republik Kongo gegen England oder Kap Verde, das dem späteren Weltmeister Spanien als einziges Team einen Punkt abtrotzte. „Die Aufstockung hat dem Turnier sportlich sogar gut getan.“

Mindestens ebenso beeindruckt zeigt sich die 37-Jährige von der Atmosphäre in den Stadien. Zwar sei die Stimmung bei Nationalmannschaftsspielen grundsätzlich eine andere als im Vereinsfußball, doch insbesondere die südamerikanischen Fans hätten für Gänsehautmomente gesorgt.
„Wenn Argentinien in einem geschlossenen Stadion wie in Dallas spielt, ist das schon eine unglaubliche Atmosphäre“, erzählt Graf. Die Arenen selbst hätten sie ebenfalls beeindruckt: „Sie waren gigantisch groß. Ich war schon in vielen Stadien auf der Welt, aber das war noch einmal etwas Besonderes.“

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihr die Stadionstimmung in Seattle. In Boston erlebte sie bereits auf dem Weg zum Stadion eine außergewöhnliche Fußballstimmung – vor allem dank der schottischen Fans. „Die schaffen schon Stunden vor dem Anpfiff eine tolle Atmosphäre.“ Überhaupt hätten sich die Amerikaner als aufgeschlossene Gastgeber präsentiert.
„Sie gehen zu einem Spiel, um gemeinsam Zeit zu verbringen, sich auszutauschen und unterhalten zu werden.”
„Sie gehen zu einem Spiel, um gemeinsam Zeit zu verbringen, sich auszutauschen und unterhalten zu werden“, beschreibt Graf die Mentalität der US-Fans. Niemand sei gegen den Gegner gewesen – vielmehr hätten alle gemeinsam das Erlebnis Fußball genießen wollen.

Selbst Zuschauer, die anfangs noch nicht jede Regel kannten, seien mit jeder Partie tiefer in den Sport eingetaucht. „Das hat eine sehr positive Stimmung erzeugt.“
Für das ARD-Team bedeutete das Turnier allerdings auch enorme logistische Herausforderungen. Die Route führte unter anderem von Boston über Seattle, Dallas, Vancouver und San Francisco bis nach Atlanta. Die großen Entfernungen und mehrere Zeitzonen innerhalb Nordamerikas seien durchaus belastend gewesen.
„Man merkt das natürlich schon, wenn man in kurzer Zeit viele Spiele an unterschiedlichen Orten hat“, sagt Graf. Dennoch sei die WM hervorragend organisiert gewesen. Zwischen den Einsätzen habe es immer wieder Zeit gegeben, durchzuatmen und auch etwas vom Gastgeberland kennenzulernen.
Mit den Anstoßzeiten habe sie dagegen weniger Probleme gehabt. „Ein Zwölf-Uhr-Spiel hatte sogar seinen Reiz – nach dem Frühstück ging es direkt ins Stadion.“ Schwieriger sei dagegen der Jetlag gewesen. „Ich habe ihn ehrlich gesagt bis heute noch nicht ganz aus den Knochen.“
Im zweiten Teil berichtet Christina Graf über autonome Taxis, die außergewöhnliche Freundlichkeit der Menschen in den USA und darüber, was Fernsehzuschauer von einer WM-Produktion gar nicht mitbekommen.
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