Keine Frauen im Schützenverein: „Trauriger Lichtblick“
Leserbrief
- Lennestadt, 23.01.2026
- Verschiedenes
Altenhundem. In der Jahreshauptversammlung des Schützenvereins Altenhundem haben die anwesenden Mitglieder kürzlich mehrheitlich dagegen gestimmt, dass auch Frauen in den Verein eintreten können. Dazu äußert sich Gesa Baumhoff-Koch in einem Leserbrief.

„Mit großer Enttäuschung habe ich von der Abstimmung des Schützenverein Altenhundem erfahren, bei der darüber entschieden wurde, ob Frauen als Mitglieder aufgenommen werden dürfen. Dass im 21. Jahrhundert lediglich 46,8 Prozent der Abstimmenden dafür gestimmt haben, ist ein Anfang - jedoch kaum zu glauben und stimmt mich traurig.

Besonders schwer fällt es mir, meiner eigenen Tochter zu erklären, warum ihr Bruder dem Schützenverein beitreten dürfte, sie selbst jedoch ausgeschlossen wird – allein aufgrund ihres Geschlechts. Wie soll man einem Kind verständlich machen, dass Gleichberechtigung zwar überall propagiert wird, in der Realität aber noch immer an so grundlegenden Dingen scheitert?
In unserer Gesellschaft wird heute viel für Gleichberechtigung getan – in Schulen, im Berufsleben und im Sport. Jungen und Mädchen werden ermutigt, nicht nur die typischen Berufe oder Sportarten zu erlernen, sondern auch geschlechterunspezifische Wege zu gehen. Frauen arbeiten in technischen, führenden und handwerklichen Berufen, Männer in sozialen und pflegerischen Bereichen. Es werden immer mehr Mädchenfußballmannschaften gegründet…

Umso weniger verständlich ist es, dass ein Verein, der für Gemeinschaft, Zusammenhalt und Tradition steht, an alten Denkmustern festhält. Tradition sollte nicht Stillstand bedeuten, sondern sich mit der Zeit weiterentwickeln. Ein Verein, der Frauen ausschließt, verzichtet nicht nur auf Engagement, neue Perspektiven und ein zeitgemäßes Miteinander, sondern auch auf einen ganz praktischen Vorteil. Frauen, die Mitglied werden, würden ebenso Beiträge zahlen und sich für den Verein einsetzen.
Gerade auch in Bezug auf den demografischen Wandel wäre die richtige Konsequenz, möglichst neue Mitglieder für einen Verein zu gewinnen, um zukunftsfähig zu bleiben.

Beim alljährlichen Kinderschützenfest, auf das sich die Kinder freuen, sind alle herzlich willkommen. Mädchen wie Jungen nehmen teil am „Vogelschießen“, freuen sich und lassen sich als König oder Königin feiern. Ein paar Jahre später, mit 16, werden Mädchen plötzlich als vollwertige und zahlende Mitglieder ausgeschlossen. Auf die Frage meiner Tochter „Mama, warum dürfen Mädchen nicht in den Verein?“, kann ich leider keine Antwort geben. Ich hoffe, dass wir in baldiger Zukunft gleichberechtigt eine Mitgliedschaft in einem gemeinnützigen Verein anstreben können.
Ein Verein, der Frauen ausschließt, vergibt die Möglichkeit, weitere Perspektiven einzunehmen und sich dadurch breiter aufzustellen. Ich hoffe sehr, dass diese Entscheidung noch einmal überdacht wird und dass der Schützenverein den Mut findet, einen Schritt in Richtung Gleichberechtigung und Zukunft zu gehen.“


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