„Kinder sollten ihre Rechte kennen“: Auf dem Weg zur Kinderrechte-Schule
Oene-Elspe-Tal-Schule startet, sechs Grundschulen folgen
- Lennestadt, 02.10.2025
- Schule & Bildung
- Von Kerstin Sauer
Elspe / Kreis Olpe. Als erste Grundschule im Kreis Olpe hat sich die Oene-Elspe-Tal-Schule mit den Standorten in Elspe und Oedingen auf den Weg gemacht, als Kinderrechte-Schule UNICEF zertifiziert zu werden. Sechs weitere Grundschulen folgen zeitnah. Doch was ist eine Kinderrechte-Schule und was verändert sich im Schulalltag? Das erklären Rebecca Friesekothen, Leiterin der Oene-Elspe-Tal-Schule, und Sabine Bock, Leiterin der Grundschule Hünsborn, im LP-Interview.

Was ist eine Kinderrechte-Schule?
Rebecca Friesekothen: Eine Kinderrechte-Schule verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Schüler sollen ihre Rechte kennenlernen und in der Schule ausüben dürfen. Das bedeutet, dass sich das UNICEF-Programm an einem Dreiklang der Menschenrechtsbildung orientiert:
- Lernen über Kinderrechte
- Lernen durch Kinderrechte
- Lernen für Kinderrechte
Sabine Bock: Das Landesprogramm Kinderrechte-Schulen NRW tritt dafür ein, die UN-Kinderrechtskonvention bundesweit in das bundesdeutsche Bildungssystem zu integrieren.
Warum ist dieser Prozess Ihrer Meinung nach so wichtig?

Rebecca Friesekothen: Als Grundschulen legen wir Grundlagen zum selbstbestimmten Lernen. Wir als Schulgemeinschaft müssen gemeinsam zu einer toleranten, inklusiven und respektvollen Schulkultur beitragen. Daher ist das Lernen über die Kinderrechte, aber eben auch das Lernen durch die Kinderrechte so wichtig.
Wie werden die anderen Grundschulen im Kreis Olpe mit ins Boot geholt?

Rebecca Friesekothen: Nicht nur die Oene-Elspe-Tal-Schule macht sich nun auf den Weg, sondern auch die Grundschulen Meggen, Kirchhundem, Welschen Ennest, Heinsberg, Helden und die Düringerschule in Olpe. Diese Grundschulen werden in einem zweijährigen Verfahren durch UNICEF begleitet. Unser Ziel ist es, dass alle Grundschulen im Kreis Olpe davon profitieren. Daher verstehen wir uns als Multiplikatoren.
Sabine Bock: Ich selbst koordiniere dabei den Austausch untereinander und pflege den Kontakt zu den Programmverantwortlichen bei UNICEF und QUA-LiS NRW, der Qualitäts- und Unterstützungs-Agentur des Landes. Dort stieß besonders der Vernetzungsgedanke auf offene Ohren. So soll die Entwicklung im Kreis Olpe gezielt unterstützt und möglichst auch wissenschaftlich begleitet werden.

Wie sieht das Programm in den nächsten zwei Jahren aus?
Rebecca Friesekothen: Das Programm durchläuft ein siebenstufiges Training. Zuerst gab es eine Befragung der Schulgemeinschaft. Die Ergebnisse sind die Grundlage für den Start in Form eines pädagogischen Tages an der Schule (siehe Infokasten). Anschließend folgen verschiedene Module (z.B. Gewaltprävention, Mentale Gesundheit, Vielfalt & Chancengerechtigkeit etc.) bis hin zur Zertifizierung. In diesen zwei Jahren werden wir von unserer persönlichen UNICEF-Trainerin begleitet.
Sabine Bock: Das Besondere ist, dass Eltern gezielt in die Prozesse integriert sind. Elternvertreter nehmen am pädagogischen Tag teil und sind Mitglied der Steuergruppe „Kinderrechte“.
Inwieweit sind die Lehrkräfte, wie die Schüler involviert?

Rebecca Friesekothen: Die Meinung aller Mitglieder der Schulgemeinschaft bildet den Ausgangspunkt. Auf Basis der individuellen schulischen Ergebnisse werden mit der UNICEF-Trainerin Ziele für die jeweilige Schule vereinbart. Gemeinsam entwickeln Lehrkräfte, pädagogische Mitarbeiter und Schüler Ideen zur Umsetzung an ihrer Schule.
Wird sich im Schulalltag etwas verändern?
Rebecca Friesekothen: Wir hoffen, dass es nicht erst mit der Zertifizierung zur Veränderung kommt, sondern dass das Training der kommenden zwei Jahre schon einen Veränderungsprozess hervorruft. Ziel ist, dass Kinder und auch Mitarbeiter der Schule aktive Gestaltungsmöglichkeiten in der Schulgemeinschaft erleben und Kinderrechte nachhaltig in unserem Schulalltag verankert werden.
Der Start: Pädagogischer Tag an der Oene-Elspe-Tal-Schule
Mit dem Pädagogischen Tag, an dem alle Lehrkräfte, pädagogischen Mitarbeiter und die Steuergruppe teilnahmen, ist das Programm am Mittwoch, 1. Oktober, gestartet. Zu Gast waren vier Mitarbeiterinnen von UNICEF, u.a. Marion Perlich, die Trainerin der Schule.
Gemeinsam wurden die Umfrageergebnisse ausgewertet unter der Fragestellung, mit welchem nächsten Schritt die Lernreise an der Schule weitergeht. Die Entscheidung fiel auf die „Beteiligung der Kinder“: Die pädagogischen Mitarbeiter werden nun online geschult, wie sie die Kinder noch besser im Schulalltag aktiv an Entscheidungen beteiligen können.
LokalPlus wird den Weg der Oene-Elspe-Tal-Schule in den nächsten zwei Jahren begleiten und immer wieder berichten.
