Was Christina Graf abseits des Spielfelds von der WM bleibt

„Diese Freundlichkeit möchte ich mitnehmen“


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Christina Graf (Mitte) aus Lennestadt schwärmte von der Freundlichkeit der Amerikaner. von privat
Christina Graf (Mitte) aus Lennestadt schwärmte von der Freundlichkeit der Amerikaner. © privat

Lennestadt. Nicht nur der Fußball wird Christina Graf von dieser Weltmeisterschaft in Erinnerung bleiben. Die ARD-Kommentatorin aus Lennestadt spricht über außergewöhnliche Begegnungen, ein fahrerloses Taxi und den großen Aufwand hinter einer Live-Übertragung.


An die großen Spiele wird sich Christina Graf noch lange erinnern. An die Heimspiele der USA mit der Nationalhymne vor ausverkauftem Stadion ebenso wie an Überraschungen wie den starken Auftritt der Demokratischen Republik Kongo gegen England oder das packende Duell zwischen Argentinien und Österreich.

Doch wenn sie auf die vergangenen Wochen zurückblickt, denkt sie nicht zuerst an Tore oder Tabellen. „Was ich vom Gastgeberland ganz besonders mitnehme, ist die Freundlichkeit der Menschen“, sagt die ARD-Kommentatorin.

Vor allem in Boston und Seattle habe sie erlebt, wie offen und interessiert die Menschen aufeinander zugingen. „Man mag ja manchmal von einer gewissen Oberflächlichkeit sprechen, aber dieses Nette, das die Amerikaner in sich tragen, fand ich sehr schön.“

„Ich würde mir manchmal wünschen, dass wir wieder ein bisschen freundlicher und friedlicher miteinander umgehen.”
— Christina Graf

Das habe schon morgens begonnen. „Wenn ich mir einen Kaffee geholt habe, hatte ich direkt gute Laune, weil die Menschen, die ihn verkauft haben, schon so wahnsinnig freundlich waren.“ Für Graf ist das ein deutlicher Kontrast zu Deutschland.

Christina Graf zeigte sich beeindruckt davon, was hinter den Kulissen einer Weltmeisterschaft passiert. von privat
Christina Graf zeigte sich beeindruckt davon, was hinter den Kulissen einer Weltmeisterschaft passiert. © privat

„Ich würde mir manchmal wünschen, dass wir wieder ein bisschen freundlicher und friedlicher miteinander umgehen. Das lässt einen einfach besser in den Tag starten.“ Genau diese Offenheit will die Lennestädterin mit nach Hause nehmen. „Dieses Freundliche und mit guter Laune in den Tag zu starten – das versuche ich mitzunehmen.“

Was Zuschauer im Fernsehen sehen, sind 90 plus X Minuten Fußball. Viele wissen naturlich nicht, was hinter einer solchen Übertragung steckt - eine bis ins Detail geplante Produktion.

Perfekte Abstimmung erforderlich

„Es sind viele kleine Dinge, die ineinanderlaufen müssen“, beschreibt Graf den Aufwand. Flüge, Hotels, Technik, Redaktion und Produktion müssten perfekt abgestimmt sein, damit am Ende alles reibungslos funktioniere.

Dazu komme die enge Zusammenarbeit mit den Experten der ARD. Während der WM habe sie unter anderem mit Bastian Schweinsteiger, Thomas Hitzlsperger und Almuth Schult zusammengearbeitet.

„Da muss eine Gruppe entstehen, die gut miteinander ist“, sagt sie. Genau das sei gelungen. „Von der Produktion über die Technik bis zur Redaktion ist sensationell tolle Arbeit geleistet worden. Das hat ganz, ganz viel Spaß gemacht.“

Autonome Taxis bleiben in Erinnerung

Neben den Fußballstadien sorgte aber auch eine ganz andere Erfahrung für Gesprächsstoff: autonome Taxis. In einigen US-Städten gehören sie bereits zum Alltag. Für Graf war die erste Fahrt allerdings noch gewöhnungsbedürftig.

„Hinten drin zu sitzen, vorne bewegt sich das Lenkrad, aber da sitzt niemand – das war schon ziemlich spannend“, erzählt sie schmunzelnd. Gestartet wird die Fahrt ganz einfach per Knopfdruck auf dem Bildschirm.

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Christina Graf aus Lennestadt war als ARD-Kommentatorin bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Kanada und den USA dabei.

Danach setzt sich das Auto selbstständig in Bewegung, hält an Ampeln, biegt ab und bringt seine Fahrgäste ohne Fahrer ans Ziel. Aus anfänglicher Skepsis wurde schnell Vertrauen. „Nachher haben wir das richtig gerne gemacht. Tatsächlich hatte das einige Vorteile.“

Freude über Rückkehr ins Sauerland

Beruflich sei jedes große Turnier eine neue Erfahrung. „Mit jedem Turnier entwickelt man sich weiter“, sagt Graf. Nach Welt- und Europameisterschaften der Frauen sowie großen Turnieren bei den Männern nehme sie jedes Mal neue Eindrücke mit – fachlich ebenso wie persönlich.

Nach mehreren Wochen auf Reisen gab es dann aber doch etwas, worauf sie sich am meisten freute: „Wie immer auf meine Frau und auf meine Familie.“ Und natürlich auf ihre Heimat. „Auf das Sauerland, auf die gute Luft und die Spaziergänge durch den Wald.“

Christina Graf war vom 10. Juli bis 9. Juli bei der Weltmeisterschaft im Einsatz. In dieser Zeit kommentierte sie acht Spiele – davon sieben in den USA und eins in Vancouver. Aktuell befindet sie sich bei den Multisport-Finals in Hannover, ehe die Reise für sie zur Schwimm-Europameisterschaft nach Frankreich geht.

Das sportliche Fazit von Christina Graf

„Was die deutsche Mannschaft gezeigt hat, das war sehr enttäuschend. Zwar gut gestartet, aber in den entscheidenden Momenten eben nicht geliefert. Da haben wir uns alle irgendwie mehr gewünscht und mehr erwartet. Jetzt bin auch ich sehr gespannt, wie das unter Jürgen Klopp läuft.

Bei der WM haben wir guten Fußball gesehen, aber nicht so diesen ganz herausragenden Fußball. Trotzdem ist es natürlich ein wahnsinnig hohes Niveau und deshalb ist das auch Kritik auf hohem Niveau.

Die Europäer müssen die Arroganz ablegen, ihr Fußball sei der einzig wahre. Die afrikanischen Mannschaften haben an Taktik und Technik gearbeitet und bringen Wille und Geschwindigkeit mit. Das kann europäischen Teams echt gefährlich werden.“

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