Polizeischüsse auf Rind - Zeuge findet: Das hätte man anders lösen können
Vorfall auf B 54/55 an Autobahnauffahrt
- Olpe, 28.04.2026
- Blaulicht
- Von Wolfgang Schneider
Olpe/Frenkhausen. Bei einem Polizeieinsatz auf der B 54/55 an der Autobahnanschlussstelle Olpe ist am Montagabend, 27. April, ein in Frenkhausen entlaufenes Rind von Polizeibeamten erschossen worden (LP berichtete). Die Polizei begründet ihr Vorgehen mit der Gefahrenabwehr, denn das Tier hätte auf die nahe Autobahn laufen und dort einen Unfall verursachen können. Ein Augenzeuge, der sich bei LokalPlus gemeldet hat, findet die Tötungsschüsse überzogen.

„Ich wurde Zeuge, wie das Tier durch mehrere Schüsse von zwei bewaffneten Polizeikräften getötet wurde. Der gesamte Vorgang machte auf mich einen chaotischen und wenig kontrollierten Eindruck und hinterließ bei mir einen starken Schock“, erzählt der 20-Jährige (Name der Redaktion bekannt) aus der Gemeinde Wenden.

Nach seiner Ansicht sei die Tötung des Rindes nicht zwingend notwendig gewesen, denn: „Ich hatte nicht mit den Schüssen gerechnet, da das Tier friedlich auf der Straße stand. Gelegentlich ein, zwei vorsichtige Blicke und Bewegungen, aber absolut ruhig. Einfach nur verängstigt. Auf einmal wurde geschossen und es passierte alles so schnell.“
Der 20-jährige Augenzeuge, der übrigens einer der ersten war, der das ausgebüxte Tier entdeckte und die Polizei verständigte, fragt sich, warum keine alternative Maßnahme wie etwa die Betäubung des Tieres ergriffen worden seien, schränkt aber auch ein: „Ob dies möglich gewesen wäre, kann ich als Laie nicht beurteilen.“
Besonders befremdlich sei das Auftreten des Tierbesitzers gewesen, das er aus nächster Nähe miterlebt habe, erzählt der junge Wendener. „Erschießt das Scheißvieh endlich. Das ist nur ein Haftpflichtschaden. Dann haben wir Ruhe“, habe der Tierhalter zu den Polizisten gesagt.

Der 20-Jährige hat eine klare Meinung: „Die Todesschüsse waren nicht nötig. Das hätte man anders lösen können. Das Tier stand außerdem überhaupt nicht in Richtung der Autobahn, als die Schüsse fielen“
Die Polizei sieht das anders. „In einer solchen Situation müssen Entscheidungen getroffen werden – und zwar schnell. Denn es bestand die Gefahr, dass das Rind auf die Autobahn läuft. In der Kürze der Zeit war es den Kollegen der Autobahnpolizei nicht möglich, die A 45 zu sperren. Außerdem sorgt auch eine Sperrung für zusätzliche Gefahrenquellen“, erklärte Thorsten Scheen, der Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Olpe.
Scheen verwies auch darauf, dass es durch die beschränkte Zahl der Einsatzkräfte und Einsatzfahrzeuge nicht möglich gewesen sei, das Rind durch Streifenwagen einzukesseln.
Das Warten auf einen Jäger sei in so einer brenzligen Situation keine Alternative. „Der kommt schließlich auch nicht mit einem Betäubungsgewehr.“ Medienberichte, nach denen ein Jagdausübungsberechtigter mit einem Betäubungsgewehr auf der Anfahrt gewesen sei, bezeichnete Scheen als falsch.

Letztlich sei den Beamten vor Ort keine andere Möglichkeit geblieben, um aus Gründen der Gefahrenabwehr und des Schutzes von Menschenleben das Rind mit mehreren Schüssen aus Maschinenpistolen zu töten. „Das ist auch für die Kollegen eine extreme Situation und ganz und gar nicht leicht“, so der Pressesprecher. Zudem habe der Tierhalter die Zustimmung zum Erschießen des Rindes gegeben.
Thorsten Scheen weist Kritik am Vorgehen der Polizei zurück: „Es bestand hoher Zeitdruck und es musste gehandelt werden. Wäre das Tier auf die Autobahn gelangt, hätte es einen schweren Unfall geben können, möglicherweise mit Todesopfern.“



