Rüstzeug fürs „echte Leben“: Ein Schultag, der auf morgen vorbereitet
„Zukunftstag“ an St.-Franziskus-Schule
- Olpe, 06.06.2026
- Schule & Bildung
Olpe. Beim „Zukunftstag“ hat die Jahrgangsstufe 10 der St.-Franziskus-Schule Olpe jetzt das Schulbuch gegen die Fragen des echten Lebens getauscht – angeleitet von Fachleuten aus der Region. Wie viel Miete kann ich mir von 950 Euro netto wirklich leisten? Was bleibt von meinem ersten Ausbildungsgehalt nach Steuern und Sozialabgaben übrig? Und ist ein Studentenapartment, das 1.000 Euro Anzahlung per PayPal verlangt und den Schlüssel per Post verspricht, ein Schnäppchen – oder eine Falle?






Mit genau solchen Fragen verbrachten die Zehntklässler ihren Schultag. Den „Zukunftstag“ hatte die Schule gemeinsam mit der gemeinnützigen Initiative für wirtschaftliche Jugendbildung (IWJB) organisiert.

Nach einer gemeinsamen Auftaktveranstaltung in der Aula durchliefen alle Schüler in acht Gruppen vier jeweils 70-minütige Workshops: Finanzen, Wohnen, Steuern und Abgaben sowie Berufsstart. Mal galt es, ein erstes Gehalt nach der 50-30-20-Regel in Kosten, Wünsche und Sparrate aufzuteilen, mal ging es darum, die eigenen Stärken für eine Bewerbung zu formulieren oder souverän auf unbezahlte Überstunden zu reagieren.

Die Workshops übernahmen Referenten aus der Region, die in ihrem Berufsalltag täglich mit diesen Themen zu tun haben und ihr Praxiswissen ehrenamtlich weitergaben. Manche kennen die Schule noch aus eigener Schulzeit und kehrten nun von der anderen Seite des Pults zurück. Dass Olper Sparkassen-Fachwirte, Steuerberater oder Immobilienmakler aus dem echten Berufsalltag berichten, kam bei den Jugendlichen gut an – und nebenbei entstanden erste berufliche Kontakte.
Genau dort, wo der reguläre Unterricht aus Zeitgründen an Grenzen stößt, schloss der Projekttag eine Lücke. Initiiert wurde er ursprünglich auf Wunsch der Schülerschaft und der Eltern, mittlerweile fand er zum zweiten Mal statt und wird wissenschaftlich begleitet – mit einer Vorabbefragung und einer Reflexion im Anschluss. Die Kosten übernimmt der Förderverein der Schule.

„Wer seine erste Wohnung sucht, einen Arbeitsvertrag unterschreibt oder die erste Steuererklärung ausfüllt, merkt schnell: Das Leben stellt schon mal andere Fragen als ein Schulbuch“, bringt es Philipp Krause, Berufswahlkoordinator am Franziskus, auf den Punkt. „Mit diesem Projekttag möchten wir Schülerinnen und Schüler auf genau diese Herausforderungen vorbereiten und ihnen Sicherheit für ihren persönlichen Beruf- und Lebensweg geben.“
Für die einen werden diese Fragen schon bald konkret – beim ersten Ausbildungsvertrag oder der ersten eigenen Wohnung. Für die anderen dauert es noch ein paar Jahre. Wann auch immer der Moment kommt: Er wird sie nicht mehr unvorbereitet treffen – und der eine oder andere erinnert sich vielleicht an diesen Schultag, an dem das Erwachsenwerden auf einmal ganz nah war.
