Stadtrat Olpe tief gespalten: „Schuhkarton“ oder „attraktives Gebäude“
CDU und FDP stimmen Rathaus-Plänen zu
- Olpe, 30.04.2026
- Politik
- Von Wolfgang Schneider
Olpe. Der geplante Neubau des Olper Rathauses nimmt Konturen an. Nachdem die Planungen aufgrund ausufernder Kosten ein Jahr pausiert worden waren, hat die Stadtverordnetenversammlung am Mittwochabend, 29. April, mehrheitlich beschlossen, „die Planung und Realisierung eines funktionalen Verwaltungsgebäudes am bisher geplanten Standort“ fortzusetzen.

Im Klartext: Die bisherigen Entwürfe werden etwas verschlankt, um Kosten zu sparen. Der Bau eines Stadtmuseum ist bekanntlich ganz gestrichen. Die Kostengrenze für den Rathaus-Neubau wird auf 32,3 Millionen Euro (Stand April 2026) festgesetzt.
In der Debatte in der Stadtverordnetenversammlung waren die Standpunkte unverändert: Die CDU und die FDP befürworten das Millionen-Projekt, Grüne und SPD lehnen den Neubau ab, die UCW ist nicht wirklich glücklich mit den abgespeckten Plänen.

„Das ist der letzte Schritt. Wer ihn heute macht, für den gibt es kein Zurück mehr“, unterstrich Zaklina Janson (Grüne) die Reichweite der Entscheidung. Mit der überarbeiteten Planung war sie unzufrieden: Was hier geplant werde, sei kein Bürgerhaus, sondern „ein Neubau im Stil eines Schuhkartons“.
Janson fand, dass die Stadtbücherei besser in einem Leerstand in der City aufgehoben sei als in einem Rathaus jenseits der Innenstadt. Zudem sei der Ratssaal nicht notwendig, denn Stadt und Kreis könnten den Sitzungssaal des Kreishauses gemeinsam nutzen.
Uwe Schmidt (UCW) bedauerte, dass durch die Einsparungen das geplante Rathaus viel von seinem städtebaulichen Ambiente verloren habe. „Olpe verliert die Jahrhundertchance, einen wirklich großen Wurf zu machen“, fand er.

UCW-Fraktionschef Christian Ratte pflichtete bei: „Vergangenes Jahr hätten wir mehr als einen Schulkarton.“ Verantwortlich für die Verzögerungen, die Millionenbeträge gekostet hätten, sei die Union. Ratte: „Das ganze Chaos hat die CDU verursacht. Das wollen wir nicht durch unsere Zustimmung belohnen.“
„Die Pläne sind nicht zum Wohl der Olper Bürger.”

„Wir planen heute mit der Perspektive von gestern ein Rathaus von morgen, Das wird so nicht gelingen“, kritisierte Grünen-Fraktionsvorsitzender Jan Gruß. Deshalb sei seine Fraktion gegen diesen Rathausbau. Sein SPD-Kollege Volker Reichel fand klare Worte: „Die Pläne sind nicht zum Wohl der Olper Bürger. Die Kosten werden steigen.“ Er appellierte an die Ratsmitglieder: „Halten sie inne um unserer Bürger willen.“
Markus Arens (CDU) sah das völlig anders und sprach von einem „schmerzhaften, aber heilsamen Weg der Konsolidierung“. Der jetzige Vorschlag sei der einzig gangbare Weg und die 32,3 Millionen Euro eine ehrliche Kalkulation. Arens: „Weitere Prüfschleifen führen zu höheren Kosten, bringen aber keinen Erkenntnisgewinn. Zeit ist Geld, deshalb müssen wir jetzt handeln.“
CDU-Fraktionschef Frank Clemens, der am Sitzungstag 60 Jahre alt wurde, wollte nichts von einem „Schuhkarton“ wissen. Das Rathaus sei zwar kleiner geworden, aber immer noch ein attraktives Gebäude für Mitarbeitende und Bürger. Kimberley Becker (FDP) sah das ähnlich: „Das Rathaus ist effizient, kostengünstig und wirtschaftlich.“
Auf Antrag der SPD wurde am Ende namentlich abgestimmt, also jedes Ratsmitglied einzeln aufgerufen. Alle CDU-Ratsmitglieder, die FDP-Stadtverordnete und Bürgermeister Tobias Schulte (CDU) stimmten mit Ja, die Fraktionen von Grünen und SPD votierten geschlossen mit Nein. Aus den Reihen der UCW gab es fünf Enthaltungen und ein Nein.
Das vom Protokollführer verkündete Ergebnis sorgte für Irritationen, so dass noch einmal genau gezählt und nachgerechnet wurde. Ergebnis: Die Rathaus-Pläne wurden mit 18 Ja- gegen elf Nein-Stimmen bei sechs Enthaltungen beschlossen.



