ThyssenKrupp-Areal: Studenten liefern Impulse für Lütringhausen
20 Konzepte, ein Gewinnerteam
- Olpe, 11.04.2026
- Politik , Verschiedenes
- Von Nils Dinkel
Lütringhausen. Wie kann das ehemalige ThyssenKrupp-Areal in Lütringhausen künftig genutzt werden? Mit dieser Frage haben sich Studenten – unter anderem von der Universität Siegen – intensiv beschäftigt. Sie stellten ihre Ideen am Samstag, 11. April, der Öffentlichkeit vor. Das Ergebnis: 20 sehr unterschiedliche Entwürfe, die nun als Grundlage für die weitere Entwicklung dienen könnten.

Bürgermeister Tobias Schulte zeigte sich beeindruckt von der Bandbreite der Arbeiten: „Es war gar nicht so einfach“, sagte er mit Blick auf die Juryentscheidung. „Die Arbeiten weisen eine riesige Bandbreite auf . Da sind wahnsinnig viele Impulse und Ideen entstanden.“
Die Entwürfe der insgesamt etwa 55 Studenten reichen von behutsamer Weiterentwicklung des Bestands bis hin zu völlig neuen Konzepten für das Gelände. Diskutiert wurden unter anderem Fragen der Nachnutzung bestehender Gebäude, neue Wohnformen sowie die verkehrliche Anbindung zwischen Alt- und Neudorf. Auch die mögliche Bebauung angrenzender Flächen spielte eine zentrale Rolle.
„Für Sie hier in Lütringhausen ist es eigentlich der Start.”
Für die Studenten war es das Ende einer Arbeit, die sich über das gesamte Semester zog. „Für Sie hier in Lütringhausen ist es eigentlich der Start“, so Thorsten Erl als Vertreter der Universität Siegen. Die präsentierten Ideen seien ein „Füllhorn von unterschiedlichsten Ansätzen“, die nun vor Ort weiter diskutiert werden könnten.
Auch politisch hat das Projekt Gewicht. Michael Scheffel, Vorsitzender des Ausschusses Umwelt, Planen und Bauen, machte deutlich: „Wir haben ganz tolle Ideen und auch vielleicht so ein bisschen verrückte Ideen.“ Gleichzeitig müsse nun geprüft werden, „was ist machbar, wie kann es umgesetzt werden“.
Die Jury, bestehend aus Fach- und Sachpreisrichtern aus Architektur, Stadtplanung, Politik und Verwaltung, vergab mehrere Preise. Den ersten Platz belegte der Entwurf „Layers of Being“ von Aleyna Cilingir, Ceyda Nur Kaya und Beyza Yildiz. Sie hatten damit bereits den Preis für die beste Masterarbeit im Wintersemester 25/26 gewonnen.

Sie erklärten, dass sie Neu- und Altdorf miteinander verbinden und die Halle mit ihrem Potential weiter nutzen wollen. Außerdem wollen sie den Bach Olpe erlebbar machen. Ihr Konzept sieht unter anderem Wohnraum vor, der individuell durch Module gestaltet werden kann. Aber auch Gemeinschaft soll nicht zu kurz kommen.
Unter anderem sieht der Entwurf die Verlegung des Dorfplatzes vor. „Viele Begegnungsorte“, benannten es die Gewinnerinnen. Gleichzeitig verfolgten sie mit ihrem Konzept einen philosophischen Ansatz: „Wir wollen der Natur Raum lassen. Natur und Mensch sollen sich nicht ausschließen, sondern koexistieren“, erläuterten Aleyna Cilingir und Beyza Yildiz.

Der zweite Preis ging an die Arbeit „Zurück zu den Quellen“ von Lisa Kaufmann und Clara Schnetz. Zwei dritte Plätze für „Lebewesen“ von Elena Belken und „Hammerhöfe“ von Christopher Debel, Alexandra Jonas und Moritz Länge sowie ein Anerkennungspreis an „Hall of us“ von Dilara Acicel-Birkan und Betül Karazehir wurden ebenfalls vergeben.
Der erste Preis ist mit 1.000 Euro, der zweite mit 500 Euro, der dritte mit je 250 Euro und der Anerkennungspreis mit 100 Euro dotiert.

Neben der Jury war auch die Öffentlichkeit gefragt: Besucher konnten die Entwürfe begutachten und ihre Favoriten markieren. Diese Rückmeldungen sollen in den weiteren Planungsprozess einfließen.
Klar ist: Die Umgestaltung des ehemaligen Industriegeländes wird eine große Aufgabe. „Die Bedeutung und die Größe dieser Aufgabe ist keine leichte“, hieß es aus der Jury. Gleichzeitig bieten die vielen Ideen die Chance, eine zukunftsfähige Lösung für Lütringhausen zu entwickeln.
Eine Bürgerversammlung ist für Mai geplant. Dann sollen die Ansätze gebündelt und nächste Schritte konkretisiert werden.
Das Gewinnerkonzept
- Konzept: Umnutzung der bestehenden Industriehalle zu einem flexiblen Wohnquartier („Haus im Haus“)
- Wohnen: Modulare Einheiten (je 11 m²), kombinierbar für verschiedene Lebensformen – von Singles bis Familien
- Flexibilität: Module können ergänzt, verschoben oder zurückgebaut werden – Anpassung an künftigen Wohnbedarf
- Gemeinschaft: Große Teile gemeinschaftlich nutzbar, Halle als zentraler Begegnungsraum
- Nachhaltigkeit: Einsatz von Pilzen als Dämmstoff, ressourcenschonende Bauweise
- Bestand: Halle bleibt größtenteils erhalten und wird behutsam weiterentwickelt
- Natur: Integration von Grünflächen, Dachbegrünung und offenen Zwischenräumen
- Ziel: Verbindung von Wohnen, Gemeinschaft und Natur bei gleichzeitigem Erhalt der Industriegeschichte



