IHK-Wirtschaftsgespräch in Wenden stößt auf großes Interesse
Berufliche Orientierung und Ausbildung
- Wenden, 05.05.2026
- Wirtschaft
Wenden. Die Sicherung von Fachkräften, die Rolle der beruflichen Ausbildung und die Rahmenbedingungen des Wirtschaftsstandorts haben im Mittelpunkt des IHK-Wirtschaftsgesprächs in der Gemeinde Wenden gestanden. Rund 75 Vertreter aus Wirtschaft, Kommune und IHK diskutierten zentrale Herausforderungen von Ausbildung, Infrastruktur und kommunaler Entwicklung in der Gemeinde bei der DREHMO GmbH (AUMA Group).

IHK-Geschäftsführerin Sabine Bechheim unterstrich die hohe Bedeutung der beruflichen Ausbildung für die Unternehmen in der Region. Ergebnisse aus Unternehmensbefragungen zeigten deutlich, dass akademische Abschlüsse keineswegs alleiniger Maßstab für Karriere seien. „Weniger als 3 Prozent sagen, dass sie ausschließlich akademisch qualifizierte Menschen in die Führungspositionen nähmen.“

Sabine Bechheim berichtete zudem von einer angespannten Lage auf dem Ausbildungsmarkt. „Wir haben alles verloren, was wir nach Corona wieder zusätzlich gewonnen hatten“, erklärte sie mit Blick auf die Entwicklung der Ausbildungsverträge im Kreis Olpe. Bereits im ersten Quartal des laufenden Jahres seien „noch mal 10 Prozent weniger Ausbildungsverträge zur Eintragung vorgelegt worden“ - eine Entwicklung, die langfristig den Fachkräftemangel erheblich verschärfe.
Ein wesentliches Problem sieht die IHK in der gesellschaftlichen Ausrichtung auf akademische Bildungswege. Die IHK-Geschäftsführerin warb dafür, jungen Menschen realistische Alternativen aufzuzeigen: „Diejenigen, die nicht genau wissen, was sie machen wollen, sollten ermutigt werden, die berufliche Orientierung in den Betrieben zu suchen.“

Bürgermeister Bernd Clemens griff das Thema in Verbindung mit der aktuellen Situation der Gesamtschule Wenden auf, einer „top ausgestatteten Schule“, die nicht nur stabile Anmeldezahlen aufweise, sondern auch leistungsfähige Bildungswege bis zum Abitur biete.




Besonders hob er dabei die enge Verzahnung von Schule und Wirtschaft hervor. Schüler mit Hauptschulabschluss-Perspektive besuchten einmal pro Woche einen Betrieb, um ein Dauerpraktikum zu absolvieren. Außerdem seien Betriebe eingeladen, sich nach Absprache zu bestimmten Zeiten den Schülern vorzustellen. „Ich werbe darum, diese tolle Chance zu nutzen“, appellierte Bernd Clemens an die Unternehmen.

Der Bürgermeister informierte zudem über weitere gemeindliche Themen, etwa den Ausbau digitaler Verwaltungsleistungen, die kommunale Wärmeplanung, Maßnahmen zur Klimafolgenanpassung sowie aktuelle Wohn- und Gewerbeflächenentwicklungen. Neue Gewerbestandorte, unter anderem im Bereich Rothemühle und Hünsborn-West, sollen langfristig Perspektiven für die wirtschaftliche Entwicklung der Gemeinde eröffnen.
Dass Wenden regional zu den wirtschaftlich am besten positionierten Standorten gehört, zeigte IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Thilo Pahl anhand der aktuellen Strukturdaten deutlich. „Beschäftigung und Industrie haben sich in Wenden überdurchschnittlich stark entwickelt. Zwischen 2000 und 2024 ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 66 Prozent gestiegen; der Industrieumsatz hat sich von rund 450 Mio. auf etwa 900 Mio. Euro verdoppelt.“
Der verkehrsgünstigen Lage an den Autobahnen müsse eine stabilisierende Wirkung für Wirtschaft und Beschäftigung zugeschrieben werden. Eben diese Stabilität drohe in Form von Verkehrssperrungen wegzubrechen, hob Hans-Peter Langer hervor. Er erläuterte den Zustand und aktuelle verkehrslenkende Maßnahmen bei der Wiehltalbrücke (A4), die für Industrie, Logistik und Pendlerverkehr in der Region enorm wichtig sei.