„Anlass muss genutzt werden, um aktiv Kindesmissbrauch zu verhindern“

Diskussion um Straßenumbenennung in Hünsborn


  • Wenden, 21.07.2026
  • Verschiedenes , Politik
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Die Kardinal-Jaeger-Straße in Hünsborn. von Lorena Klein
Die Kardinal-Jaeger-Straße in Hünsborn. © Lorena Klein

Hünsborn/Rothemühle. Die Frage um die Umbenennung der Kardinal-Jaeger-Straße in Hünsborn – benannt nach Lorenz Jaeger, der an der systematischen Vertuschung von Kindesmissbrauch beteiligt war – hat im Wendener Land und auch darüber hinaus viele Diskussionen ausgelöst. Auch Jochen Sauermann aus Rothemühle hat die Debatte mitverfolgt. Als Betroffener. Im Gespräch mit LokalPlus nimmt er Stellung und macht deutlich, was aus seiner Sicht jetzt passieren muss.


Hans-Joachim Sauermann ist in der Region ein bekanntes Gesicht. Viele Jahre hat er sich politisch engagiert. Bis heute ermöglicht er mit seinem Verein zur Unterstützung von Familien, Senioren und Kindern (FSK) zahlreiche gemeinnützige Aktionen und Hilfsangebote.

Was viele nicht wissen: Jochen Sauermann ist auch Mitbegründer der Betroffenenvertretung im Erzbistum Paderborn, die seit 2022 Menschen einen Schutzraum bietet, die sexuelle Gewalt in der Kirche erlitten haben. Wegen der Diskussionen rund um die Kardinal-Jaeger-Straße in seiner Wendener Heimat hat der 69-Jährige nun beschlossen, erstmals öffentlich darüber zu sprechen.

Es geht um mehr als das Schild

Nachdem der Gemeinderat in seiner vergangenen Sitzung die Umbenennung der Straße mehrheitlich abgelehnt hatte, war der Aufschrei unter den Bürgern groß. Nun soll das Thema nochmal auf die Tagesordnung kommen, um erneut abzustimmen.

„Ich bin an sich dankbar, dass der Gemeinderat die Umbenennung abgelehnt hat“, sagt Jochen Sauermann und erklärt: „Denn dadurch kam eine gute Diskussion zustande. Ansonsten wäre das Thema schnell aus den Augen und aus dem Sinn gewesen.“

Symbolfoto Kindesmissbrauch. von pixabay.com
Symbolfoto Kindesmissbrauch. © pixabay.com

Den Straßennamen beizubehalten und eine Hinweistafel zu Lorenz Jaeger zu ergänzen, hält Sauermann nicht für optimal – genauso wenig aber auch, die Straße umzubenennen und danach den eigentlichen Kern des Ganzen zu vergessen. Es gehe nicht nur um das Straßenschild. „Es geht um aktiven Schutz für unsere Kinder. Denn Kindesmissbrauch ist noch immer aktuell.“

Man könne einiges dafür tun, um Kinder und Erwachsene umfassend zu informieren und aufzuklären – in der Schule und bereits im Kindergarten. Zum Beispiel durch regelmäßige und fest integrierte Elternabende, Fortbildungen und Präventionsangebote. Wie können Kinder und Jugendliche vor Missbrauch geschützt werden? Woran erkennt man, dass sie möglicherweise betroffen sein könnten? Was sind die Alarmzeichen? Und wo bekommen Betroffene Hilfe?

Handeln und schützen

Jochen Sauermann wird dieses Jahr 70. Er weiß, wie komplex das Thema Missbrauch ist. Dass auch Familienmitglieder Täter sein können. Und wie schwer es fällt, als Opfer darüber zu sprechen. „Ich habe es ja selber erlebt: Du verschließt dich.“ Erst vor 25 Jahren vertraute er sich seiner Mutter an, die diese Erkenntnis wie ein Schlag traf. „Sie war total überfordert und sagte, sie habe damals gar nicht gewusst, worauf sie hätte achten müssen“, erinnert er sich.

„Jeder einzelne Fall von Missbrauch ist eine Tragödie“, sagt Jochen Sauermann. Er hat mit Blick auf die Diskussion rund um die Kardinal-Jaeger-Straße deshalb eine klare Botschaft: „Ob das Schild hängt oder nicht: Beides macht keinen einzigen Missbrauch rückgängig. Dieser Anlass muss dazu genutzt werden, um aktiv Kindesmissbrauch zu verhindert.“

Hilfe für Betroffene

Wenn dich das Thema beschäftigt, du selbst betroffen bist oder jemand in deinem Umfeld, gibt es hier Infos zu Hilfsangeboten sowie Kontakte:

Website der Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen:

beauftragte-missbrauch.de/themen/hilfeangebote-fuer-betroffene-von-sexualisierter-gewalt

Website der Betroffenenvertretung Paderborn:

www.betroffene-paderborn.de

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