Besuch im Caritas-Zentrum Wenden schärft Blick der politischen Vertreter

Pflege kann mehr als sie darf


Die Verantwortlichen des Caritas-Zentrums Wenden zusammen mit der Abordnung der SPD-Fraktion um Nezahat Baradari (vordere Reihe, Dritte von links) und Christin-Marie Stamm (links). von Caritasverband Olpe
Die Verantwortlichen des Caritas-Zentrums Wenden zusammen mit der Abordnung der SPD-Fraktion um Nezahat Baradari (vordere Reihe, Dritte von links) und Christin-Marie Stamm (links). © Caritasverband Olpe

Wenden. Beim Besuch der heimischen SPD-Vertreter im Caritas-Zentrum Wenden ist kürzlich erneut die dringende Notwendigkeit einer umfassenden Reform des Pflegesystems deutlich geworden. Bundestagsmitglied Nezahat Baradari und Landtagsabgeordnete Christin-Marie Stamm unterstrichen gemeinsam mit der Zentrumsleitung die Dringlichkeit einer verbesserten Finanzierung und Strukturverschlankung, um die Pflege bedarfsgerecht zu gestalten.


„Gute Pflege darf kein Luxusgut werden“, waren sich die politischen Vertreter und die Verantwortlichen im Caritas-Zentrum Wenden einig. Das Zentrum bietet ein umfassendes Versorgungsangebot für ältere Menschen, darunter ambulante Dienste, stationäre Pflegeplätze, Tagespflege, Hospizdienste und eine inklusive Verbundküche. Zentrumsleitung Silke von Bültzingslöwen, Pflegedienstleitung Carina Bröcher und Verwaltungsleitung Martin Sweeney führten die siebenköpfige SPD-Abordnung durch das hochmoderne Seniorenzentrum und erläuterten die aktuellen Herausforderungen.

Finanzierung und Fachkräftemangel: Die größten Hürden

Silke von Bültzingslöwen verdeutlichte im Gespräch die finanzielle Belastung, die durch steigende Tariflöhne, erhöhte Aufwendungen für Unterkunft und Verpflegung sowie notwendige Investitionen entsteht. „Unsere Wartelisten für die stationäre Aufnahme und die Kurzzeitpflege sind lang“, berichtete Carina Bröcher. Die Nachfrage nach den geplanten 18 Service-Wohnungen, die 2026 eröffnen sollen, unterstreicht den wachsenden Bedarf an neuen Versorgungs- und Wohnformen im Alter.

Verwaltungsleitung Martin Sweeney wies auf die steigenden Investitionskosten hin, die derzeit auf die Bewohner umgelegt werden. „Das wirtschaftliche Risiko für Träger und Einrichtungen ist enorm“, so Sweeney. Verzögerte Vergütungsverhandlungen und gesetzliche Anforderungen verschärfen die Situation zusätzlich. Viele Bewohner sind zunehmend auf Pflegewohngeld- und Sozialhilfeanträge angewiesen, um die Pflegekosten stemmen zu können.

Dringender Appell an die Politik

Die Verantwortlichen im Caritas-Zentrum Olpe appellierten eindringlich an die politischen Vertreter, die Bürokratie zu verschlanken und die Kompetenzen der Pflegefachkräfte zu stärken. „Um bei unseren sozialen Errungenschaften keine Abstriche machen zu müssen, braucht es ein ‚Viel-Mehr‘ an Bewusstseinsschaffung und an gestärkten Kompetenzen für Pflegefachkräfte“, so Nezahat Baradari. Eine Zusammenlegung der privaten und gesetzlichen Pflegekassen und variablere Leistungsangebote seien ebenfalls notwendig.

Trotz der Herausforderungen gibt es positive Entwicklungen in der Pflegebranche. Der Beruf bietet krisenfeste Arbeitsplätze mit Sinn und steigenden Gehältern dank gesetzlicher Tarifbindung. Neue Ausbildungsgänge und Qualifizierungsmöglichkeiten steigern die Attraktivität des Pflegeberufs. Das neue Pflegestärkungsgesetz, das Pflegekräften mehr Kompetenzen zugesteht, sei ein längst notwendiger Schritt, so Baradari.

Die Verantwortlichen im Caritas-Zentrum Wenden setzen weiterhin auf die Integration von ausländischen Fachkräften, kämpfen jedoch oft mit bürokratischen Hürden. „Die sehr gut ausgebildeten ausländischen Pflegefachkräfte fühlen sich oftmals degradiert“, berichtete Carina Bröcher. Es sei entscheidend, die Anerkennungsprozesse zu beschleunigen und das gesetzlich vorgeschriebene Sprachniveau zu überprüfen, um die Fachkräfte effektiv einzusetzen.

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