„Die Welt ist klein“: Marvin Schönauer hat fast jedes Land bereist
Ein Leben auf dem ganzen Globus
- Wenden, 24.06.2026
- Verschiedenes
- Von Lorena Klein
Schönau. Zwei Länder sind es noch, die Marvin Schönauer auf seiner Liste fehlen. Dann hat er es wirklich geschafft: die gesamte Welt bereist und jedes Land der Erde besucht. Es ist ein außergewöhnlicher Lebensstil, für den sich der 31-Jährige in den vergangenen Jahren entschieden hat. Aktuell verbringt er einige Wochen in seiner Heimat im Sauerland – und plant bereits die nächsten Reisen.


„Menschen haben immer irgendwelche komischen Ideen“, überlegt Marvin Schönauer. Entspannt lehnt er sich im Stuhl zurück, die zweite Tasse Kaffee ist schon bestellt. „Manche möchten einen Marathon laufen, ich hatte mir das Ziel gesetzt, 50 Länder zu bereisen. Nach 50 wurden es dann 100. Und als ich die gesehen hatte, dachte ich mir: Jetzt mache ich auch alle.“
199 Reiseziele sind es insgesamt. Denn neben den 193 UN-Mitgliedsstaaten zählt Marvin auch Vatikan und Palästina als Beobachterstaaten sowie Taiwan, Kosovo, die Cookinseln und Niue mit. „Aktuell fehlen mir noch Nordkorea und die Seychellen“, erzählt er.

Aufgewachsen ist Marvin Schönauer in Schönau. Im Sauerland hat er Freunde und Familie, zwei bis vier Monate im Jahr hält er sich hier auf. Aktuell renoviert Marvin zum Beispiel sein Ferienhaus, das sowohl sein Heimathafen ist als auch als Unterkunft für Gäste vermietet wird. Außerdem stehen das Schönauer und Olper Schützenfest vor der Tür – für Marvin jedes Jahr ein absolutes Muss.
Doch den Großteil seiner Zeit verbringt er auf der ganzen Welt, heute hier, morgen dort. Möglich ist das dank seiner Arbeit bei der Firma Neuronic, die er komplett remote, also ortsunabhängig, ausführen kann. Als Mitgründer der Firma ist Marvin für die Entwicklung spezieller Helme zuständig, die mithilfe von Infrarotlicht Symptome von Krankheiten wie Parkinson oder Demenz lindern sollen.

Schon während seines Studiums hat er jede Möglichkeit genutzt, um Erfahrungen und Erlebnisse im Ausland zu sammeln, zum Beispiel in Vietnam und Georgien. Immer mehr Länder auf dem ganzen Globus kamen dazu, und spätestens nach seiner Reisepause während der Corona-Pandemie stand für Marvin fest: „Ich wollte die Welt sehen!“ Und zwar die ganze.
„Die Welt ist eigentlich klein“, sagt der 31-Jährige. „Innerhalb von 24 Stunden kannst du in jeder großen Stadt der Welt sein. Die Flugindustrie hat sich enorm weiterentwickelt.“ Anfangs habe er viel Backpacking gemacht, sei günstig gereist. Doch mit der Zeit habe er mehr Komfort gebraucht.

„Wenn man alle Länder bereisen möchte, landet man in Summe etwa bei 250.000 Dollar“, überschlägt Marvin die Kosten. „Eigentlich ist es auch kompletter Nonsens“, schmunzelt er über sein selbst gesetztes Ziel. „Bis Land 100 lernt man sehr viel Neues, aber danach gibt es immer weniger Highlights. Der Weg ist dann das Ziel.“ In fast jedem Land hat Marvin mehrere Tage verbracht. Sein letzter Stopp vor seinem aktuellen Heimatbesuch war Mauritius.
Das Land, das er am häufigsten besucht hat, ist Georgien. „Da war ich 30 Mal. Es ist wie ein zweites Zuhause“, erzählt Marvin. Eine seiner Lieblingsstädte sei lange Istanbul gewesen. Doch Marvin weiß auch, dass Eindrücke oft vielmehr von Begegnungen und Umständen geprägt werden als von den Orten selbst. „Jede Erfahrung findet nur einmal statt und wird nie wieder so zurückkommen.“
Alles sei im Wandel und in vielen Ländern passiere gerade sehr viel. Am liebsten unterhält Marvin sich deshalb ungezwungen mit Einheimischen. Wie ist die Lage? Wie entwickeln sich Gehälter, Preise und Wirtschaft im Land? „Ich finde einfach interessant, wie die Wirtschaft auf der Welt funktioniert“, erklärt der junge Unternehmer.

Durch die Vielzahl an Einblicken in unterschiedliche Lebensrealitäten habe er sein Weltbild schon oft hinterfragt. „Die Welt ist viel, viel besser als wir denken“, ist Marvin überzeugt. Sie sei nicht schwarz oder weiß. „Die Menschen leben überall auf der Welt ihr Leben und wollen eigentlich immer das gleiche: Fortschritt für die nächste Generation.“
Um sein vorletztes Ziel, Nordkorea, zu erreichen, hofft Marvin auf ein Geschäftsvisum, das ihm eine geführte Tour ermöglichen würde. „Vieles wird dabei natürlich versteckt“, weiß er. Die Seychellen sollen dann das letzte fehlende Puzzleteil sein.
Das Reisen habe ihn verändert. „Doch exzessives Reisen kann nur ein Lebensabschnitt sein“, betont Marvin. „Denn ich hätte gerne irgendwann eine Familie und möchte irgendwo sesshaft werden.“ Ob in einem seiner Wohlfühl-Länder Georgien, Malta oder Spanien – oder wieder in Deutschland, vielleicht sogar im Sauerland? Das hält sich der Weltenbummler noch offen.



