„Ein Zeichen, das mehr wert wäre als jede Sonntagspredigt“
Leserbrief zur Kardinal-Jaeger-Straße
- Wenden, 13.07.2026
- Politik
Wenden/Hünsborn. Auch Timo Bröcher aus Ottfingen, mittlerweile wohnhaft in Hünsborn, hat einen Leserbrief zur Beibehaltung des Straßennamens „Kardinal-Jaeger-Straße“ in Hünsborn verfasst. Er schreibt:

„Zur Umbenennung der Kardinal-Jaeger-Straße in Hünsborn ist inzwischen genug geschrieben worden. Kristina und Ansgar Schneider haben es auf den Punkt gebracht: Das Kostenargument trägt nicht. Der Aufwand bleibt überschaubar, auch für die Firmen dort. Ein paar Briefköpfe, ein paar Formulare, ein Eintrag im Handelsregister.
Dagegen steht das, wofür der Name tatsächlich steht. Denn selbst wenn die Kosten höher wären. Wer will schon in einer Straße wohnen, die nach einem Mann benannt ist, der Kindesmissbrauch gedeckt hat?

Liebe Anwohner, lieber Rat: Macht euch mal gerade. Ein Straßenname ist keine Kleinigkeit, die man aussitzen kann, bis das Thema wieder aus der Zeitung verschwindet. Er ist eine Aussage darüber, wen eine Gemeinde ehren will. Und wenn diese Aussage falsch ist, dann korrigiert man sie. Entscheidet im Sinne derer, die hier klar sehen, und nicht im Sinne derer, die jede Aufarbeitung reflexhaft abwehren, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.
Und noch etwas. Wenn die Kirche ihre eigene Aufarbeitung ernst nehmen würde, wäre die Kostenfrage in einem Satz erledigt. Sie könnte zahlen. Sie könnte den Anwohnern jeden Cent abnehmen und damit ein Zeichen setzen, das mehr wert wäre als jede Sonntagspredigt über Verantwortung. Sie tut es nicht. Sie schweigt und lässt andere die Rechnung für ihre Vergangenheit tragen. Wieder einmal.
Genau das ist das Muster. Damals nicht hinsehen, heute nicht bezahlen. Solange das so bleibt, ist jede Rede von Aufarbeitung nur Makulatur.“
Timo Bröcher, Ottfingen

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