Fassungslosigkeit nach Beschluss: „Bitte überdenken Sie Ihre Entscheidung“
Leserbrief zur Beibehaltung des Straßennamens „Kardinal-Jaeger-Straße“
- Wenden, 06.07.2026
- Politik
Wenden/Kirchhundem. Zum Wendener Ratsbeschluss, die „Kardinal-Jaeger-Straße“ in Hünsborn nicht umzubenennen, nimmt auch Ansgar Kaufmann aus Welschen Ennest Stellung. In seinem Leserbrief schreibt er:


„Die Entscheidung des Wendener Gemeinderates, den Straßennamen „Kardinal-Jaeger-Straße“ in Wenden-Hünsborn beizubehalten, ist mir völlig unverständlich. Daher bin ich dankbar für den deutlichen Kommentar von Lorena Klein.
Als jemand, der in der katholischen Kirche engagiert ist und der sich seit mindestens 2010 mit dem Thema „sexualisierte Gewalt“ und „Missbrauch“ beschäftigt, protestiere ich ausdrücklich gegen diesen Beschluss und fordere Bürgermeister und Gemeinderat auf, diesen zu revidieren.

Dem Bericht über die Ratssitzung ist zu entnehmen, dass Dr. Bredebach von einer Gewissensentscheidung spricht, um die geheime Abstimmung zu begründen. Ich appelliere daher ausdrücklich an das Gewissen der Ratsmitglieder: Bitte informieren Sie sich noch einmal gründlich über die Rolle, die Kardinal Jaeger bei der Vertuschung und Ermöglichung von Missbrauchstaten gespielt hat.
Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass man nach der Lektüre der Missbrauchsstudie auch nur einen Moment glauben kann, man könne den Straßennamen behalten.
„Während seiner gesamten Amtszeit ergriff Jaeger nur in Einzelfällen Schutzmaßnahmen für mögliche weitere Opfer. Diese beschränkten sich auf das Verbot von Einzelkontakten, was weitere Taten von bereits bekannten Tätern nicht verhinderte, und es ist davon auszugehen, dass in diesen Fällen Absprachen mit der Staatsanwaltschaft eine Rolle spielten.“ (Priesching/Harting, Sexuelle Gewalt an Minderjährigen im Erzbistum Paderborn. Eine historische Untersuchung, S. 214).
Diese Studie ist über die Universität Paderborn im Internet vollständig zu lesen. Auf den Seiten des Erzbistums Paderborn gibt es ebenfalls umfangreiche Informationen. Weiterhin rege ich an, das Gespräch mit der Betroffenenvertretung zu suchen und eventuell eine Informationsveranstaltung in Hünsborn durchzuführen. Ich bin dabei gern behilflich.

Ich mache den Anwohnern der Straße in Hünsborn keinen Vorwurf, bitte aber auch diese, sich mit dem Thema näher zu befassen. Vorschläge, das Straßenschild durch eine Tafel zu ergänzen, werden der Dimension der Verbrechen nicht gerecht.
Es darf nicht sein, dass weiterhin eine Straße nach einem Kardinal benannt ist, der in eklatanter Weise wissentlich sexualisierte Gewalt durch Priester zugelassen hat und dadurch viele Menschen (316 bekannte Betroffene) zu Opfern gemacht hat. Bitte überdenken Sie Ihre Entscheidung und sorgen Sie dafür, dass diese schändliche Straßenschild entfernt wird.
Ansgar Kaufmann, Welschen Ennest

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