Geheime Abstimmung im Rat: Kardinal-Jaeger-Straße behält ihren Namen
Stattdessen historische Einordnung
- Wenden, 02.07.2026
- Politik
- Von Lorena Klein
Wenden/Hünsborn. Die Kardinal-Jaeger-Straße in Hünsborn wird – trotz der historischen Erkenntnisse zum Namensgeber – nicht unbenannt. Das hat der Rat der Gemeinde Wenden am Mittwoch, 1. Juli, in einer geheimen Abstimmung entschieden.


Unter Kardinal Lorenz Jaeger sind laut einer Studie der Universität Paderborn hunderte Fälle von Kindesmissbrauch vertuscht und die Priester, die die Taten begangen haben, geschützt worden. Bereits vor Monaten hatten die Wendener Grünen deshalb den Antrag gestellt, die Kardinal-Jaeger-Straße in Hünsborn umzubenennen.
Darauf wurden die 17 Anlieger der Straße, für die eine Umbenennung auch organisatorische und finanzielle Auswirkungen hätte, um Stellungnahme gebeten. Das Ergebnis: Zehn Antworten, darunter drei für und sieben gegen eine Straßenumbenennung. Dieses Stimmungsbild sollte dem Rat eine Entscheidungshilfe geben.

Elmar Holterhof, Fraktionsvorsitzender der Grünen, sprach sich weiterhin deutlich für eine Umbenennung aus. „Eine Straßenbenennung ist eine öffentliche und hohe Form der Ehrung“, hob er die Symbolik hervor. Auch ändere Räte, zum Beispiel in Neheim und Werl, hätten in den vergangenen Wochen einhellig beschlossen, Straßen mit dem Namen des Kardinals umzubenennen.
„Kardinal Jaeger zeigte Milde gegenüber den Tätern, jedoch kein Verständnis für die Opfer“, sagte Holterhof. Zudem seien Täter häufig ins Sauerland versetzt und geschützt worden.

Zum Umgang mit dem Straßennamen in Hünsborn hatte die UWG Wenden Ende Juni einen Alternativvorschlag eingebracht: Statt einer Umbenennung könne zum Beispiel anhand einer Erläuterungstafel oder zusätzlichen Beschilderung auf die Hintergründe zum Kardinal hingewiesen werden – und damit auch auf seinen Anteil an der Vertuschung von Missbrauchsfällen.

In der Verurteilung des Verhalten Jaegers seien sich alle im Rat einig, betonte UWG-Fraktionsvorsitzender Thorsten Scheen, „doch eine Umbenennung trifft nicht Jaeger, sondern die Anwohner.“ Außerdem würde sie nicht zwingend dafür sorgen, dass man sich mit den historischen Hintergründen auseinandersetzt.

„Es geht um unsere Haltung“, plädierte SPD-Ratsfrau Catrin Stockhecke-Meister für einen neuen Straßennamen. Eine Tafel, so vermutete sie, würde wahrscheinlich übersehen werden. Vielmehr sollten die Anwohner im Zuge einer Umbenennung unterstützt werden.
Dr. Patrick Bredebach, Fraktionschef der CDU, wies darauf hin, dass es sich bei diesem Thema „nicht um eine übliche politische Sachentscheidung, sondern um eine Gewissensfrage handele“. Sein Vorschlag, über die grundsätzliche Umbenennung geheim abstimmen, befürworteten die Ratsmitglieder mehrheitlich.
Mit 17 Nein- gegen 12 Ja-Stimmen bei einer Enthaltung wurde die Umbenennung der Kardinal-Jaeger-Straße von der Mehrheit abgelehnt. Die Gemeindeverwaltung prüft nun, wie man in der Straße auf die Historie Jaegers aufmerksam machen kann – dafür gab es 20 Ja- und 8 Nein-Stimmen, zwei Ratsmitglieder enthielten sich.



