IHK: Planungs-Aus wäre Tiefschlag für heimische Wirtschaft

Gewerbegebiet Ruttenberg


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Das Industriegebiet Auf der Mark in Gerlingen. Auf dem autobahnnahen Areal haben sich viele Firmen angesiedelt. von Nils Dinkel
Das Industriegebiet Auf der Mark in Gerlingen. Auf dem autobahnnahen Areal haben sich viele Firmen angesiedelt. © Nils Dinkel

Wenden/Siegen. „Eine Abkehr vom geplanten Gewerbegebiet Ruttenberg zum jetzigen Zeitpunkt ist der falsche Weg und perspektivisch für die heimische Wirtschaft ein Tiefschlag. Die Folgen für die Zukunft des dortigen Industriestandortes wären weitreichend.“ Mit drastischen Worten ordnet IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener den Vorschlag der Gemeindeverwaltung Wenden ein, die Planungen für das interkommunale Gewerbegebiet Ruttenberg bei Gerlingen einzustellen (LokalPlus berichtete).


„Es handelt sich um eine der letzten, großen interkommunalen Gewerbeflächen, die für die heimischen Betriebe überhaupt noch im Regionalplan berücksichtigt werden können.“ Der Hauptgeschäftsführer erinnert daran, dass alleine im Kreis Olpe rund 200 Hektar Gewerbeflächen fehlten. Für Siegen-Wittgenstein seien es noch einmal etwa 300 Hektar.

Garant für Wohlstand

Es sei nachvollziehbar, dass eine zweifache verkehrliche Anbindung zu erheblichen zusätzlichen Kosten führe und dass es zu zusätzlichen Verkehren komme. Zudem müsse zweifellos auch die Frage der Vermarktbarkeit der Gewerbegrundstücke diskutiert werden. „Wir sprechen hier jedoch nicht von einem Prozess in den kommenden zwei, drei Jahren, sondern von den Entwicklungschancen für Wenden und darüber hinaus in den nächsten 20 bis 25 Jahren.“

Die Industrie sei nach wie vor Garant für Wohlstand und Beschäftigung. Aber gerade sie sei eben auf Flächen für die Produktion angewiesen, ergänzt IHK-Geschäftsführer Hans-Peter Langer. Besonders Kommunen in Autobahnnähe hätten in den vergangenen Jahrzehnten vom industriellen Wachstum profitiert.

Viel mehr Berufseinpendler

Das zeige auch die Entwicklung der Gemeinde Wenden. Hier arbeiteten mehr als die Hälfte aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im produzierenden Gewerbe. Wenden hat in den vergangenen Jahren an Attraktivität spürbar gewonnen. So hat die Zahl der Berufseinpendler zwischen 2010 und 2019 um 41 Prozent zugenommen.

Klaus Gräbener: „Die gedeihliche Entwicklung der Kommune geht zu großen Teilen auf ihre Industriestärke zurück. Die Wirtschaftsdaten für Wenden legen den Schluss nahe, dass es sich in erheblicher Weise negativ auf die künftige wirtschaftliche Entwicklung der Kommune auswirkt, wenn dem produzierenden Gewerbe die Perspektive auf dringend benötigte Flächen entzogen wird. Auch für die Städte Olpe und Kreuztal, mit denen das Gewerbegebiet gemeinsam geplant wird, würden damit Entwicklungspotenziale wegfallen.“

An die Kommunalpolitik richtet Klaus Gräbener den Appell, die Planungen für das Gewerbegebiet nicht vorzeitig gänzlich einzustellen. Jedem sei klar, dass die Frage der Umsetzbarkeit am Ende von vielen Faktoren abhänge. „Jetzt aber sollte die Devise sein: nicht alle Türen zuschlagen, sondern Entwicklungsoptionen erhalten.“

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