Keine Straßenumbenennung in Hünsborn: Das Signal ist beschämend
Kommentar zur Kardinal-Jaeger-Straße
- Wenden, 02.07.2026
- Politik
Wo in Hünsborn zahlreiche Kinder die Grundschule besuchen und in den Kindergarten gehen, wo jedes Jahr viele Menschen gemeinsam Schützenfest feiern, darf weiterhin der Name eines Geistlichen auf dem Straßenschild stehen, der das Leid hunderter Kinder nicht ernstgenommen und nachweislich Missbrauchstäter geschützt hat.


Die Kardinal-Jaeger-Straße bleibt die Kardinal-Jaeger-Straße. Das hat der Rat der Gemeinde Wenden mehrheitlich entschieden. Das Signal, das damit gesetzt wurde, ist beschämend.
Ja, auf die Anwohner wäre im Falle einer Umbenennung einiges an Organisation zugekommen und es wären Kosten angefallen. Für die Stadträte in Neheim und Werl – hier haben die betroffenen Straßen übrigens deutlich mehr Anwohner – war das aber offensichtlich kein Hindernis, für die Umbenennung zu stimmen. Und auch in Olpe ist vor wenigen Jahren ohne große Diskussionen und mit einstimmiger Unterstützung das Lorenz-Jaeger-Haus umbenannt worden.

Die Anwohner in Hünsborn hätte man bei einer Umbenennung finanziell unterstützen können, um die nötigen Anpassungen anzugehen. Klar sind das zusätzliche Kosten für die Gemeinde, aber es wären Kosten mit nachhaltiger Botschaft: Eine Persönlichkeit, die die systematische Vertuschung von Kindesmissbrauch zu verantworten hat, verdient es nicht, Namensgeber einer ganzen Straße zu sein.
Natürlich hätte das Kardinal Jaeger nicht persönlich getroffen. Aber wenn man so argumentiert, dass Umbenennungen sowieso nicht mehr spürbar für bereits verstorbene Namensgeber sind, dann würden jetzt noch viele, viele Straßen und Plätze in Deutschland sehr verwerfliche Namen tragen... Und die schrecklichen Taten dieser Menschen sind durch die Umbenennungen sicherlich auch nicht in Vergessenheit geraten.

Dass es in dieser Angelegenheit eine geheime Abstimmung brauchte, spricht Bände. Gegen eine Umbenennung zu sein, aber nicht den Mut zu haben, dies per Handzeichen offen zu zeigen, macht den Eindruck, als wisse man im tiefen Inneren selbst, dass die Entscheidung verwerflich ist. Wo läge sonst das Problem darin, einfach transparent abzustimmen.

Schade, dass die Mehrheit des Gemeinderats gegen eine Straßenumbenennung gestimmt hat. Und damit auch die Chance vertan hat, ein deutliches Zeichen gegen die Täter und für die Opfer zu setzen.

Lorena Klein



