Kommunikation beim Glasfaser-Projekt: „Bin übers Ziel hinausgeschossen“
Wortwahl stößt auf Unmut
- Wenden, 08.09.2025
- Politik
- Von Lorena Klein
Wenden. Wie ist der Stand beim Glasfaserausbau in Wenden? Darüber möchten Kunden und Interessierte auf dem Laufenden gehalten werden. Nicht immer lief im Projekt bisher alles rund, die Bürger wünschen sich Transparenz. Die Wortwahl in einem Schreiben sorgt nach LokalPlus-Informationen bei einigen Menschen aber für Unmut. Den Fehler räumt Verfasser Daniel Halbe ein (Update im Text).

Konkret geht es um einen Beitrag, den Daniel Halbe, Leiter der Arbeitsgruppe Breitbandausbau der Zukunfts-Werkstatt-Ottfingen (ZWO), in der Facebook-Gruppe „Glasfaserausbau Wendener Land“ veröffentlicht hat. Halbe ist Administrator dieser Gruppe, die mehr als 440 Mitglieder zählt, und engagiert sich auch als sachkundiger Bürger im Umweltausschuss der Gemeinde Wenden.
In seinem Post von Dienstag, 26. August, informiert er über die Ergebnisse seines Austauschs mit der Deutschen Glasfaser. „Die Deutsche Glasfaser wird uns Bürger alle besser informieren und es bekommt jeder seinen Anschluss, ohne Wenn und Aber“, schreibt Halbe.

Weiter unten heißt es dann in der ursprünglichen Version des Beitrags: „Lasst uns weiter den geistigen Tieffliegern aus Politik und Bürgerschaft, die einen flächendeckenden Glasfaserausbau oder das Engagement der Gemeindeverwaltung für das Projekt in Frage stellen, begegnen und klarmachen, dass wir als Gemeinde vorne stehen wollen und nicht zurück.“
Die Formulierung „geistige Tiefflieger“ ist nach Hinweisen, die die LokalPlus-Redaktion erreicht haben, bei einigen Bürgern und auch in politischen Kreisen auf Empörung gestoßen. Kritische und andersdenkende Bürger würden dadurch beleidigt und herabgewürdigt, lautet die scharfe Kritik.
Einen Tag nach Veröffentlichung des Posts – am Mittwoch, 27. August – ist dieser Teil des Satzes durch die neue Formulierung „den Kritikern aus Politik und Bürgerschaft“ ersetzt worden. Diese Änderung ist im Bearbeitungsverlauf bei Facebook einsehbar.
In dem Facebook-Beitrag stellt Halbe außerdem seine persönliche Rolle in den Verhandlungen mit der Deutschen Glasfaser heraus: Über Wochen habe er „mit dem Chef der Deutschen Glasfaser, Andreas Pfisterer, seinem Führungsteam und den Projektverantwortlichen“ im Austausch gestanden.

Daniel Halbe entschuldigt sich für seine Wortwahl: „Mit der Formulierung bin ich übers Ziel hinausgeschossen, das tut mir leid. Daher habe ich sie […] auch korrigiert“, reagiert er auf den LokalPlus-Artikel, der in seiner ersten Fassung am Freitag, 5. September, online gegangen war.
„Sie war Ausdruck meines Frusts über einige Wenige, die in den letzten vier Jahren mit wenig Fachkenntnis und viel Meinung dem Projekt mit Störfeuer von der Seitenlinie schaden, statt sinnvolle Handlungsalternativen auszuarbeiten, einzubringen und eine sachliche Diskussion dazu zu führen“, erklärt Halbe weiter.
„Lasst uns über das Thema selbst diskutieren – nicht über die eine unpassende Formulierung”
Dabei verweist er auf die zahlreichen ehrenamtlichen Arbeitsstunden, die die Arbeitsgruppe der Zukunfts-Werkstatt-Ottfingen bisher in das Projekt gesteckt hat. „Lasst uns über das Thema selbst diskutieren – nicht über die eine unpassende Formulierung“, appelliert Daniel Halbe. Den flächendeckende Glasfaserausbau in der Region sieht er als dringend und alternativlos.

Zur Kommunikation der Privatperson Halbe mit der Deutschen Glasfaser äußert sich Bastian Dröge, Fachbereichsleiter Zentrale Dienste bei der Gemeinde Wenden, auf Anfrage der LokalPlus-Redaktion. Dröge schreibt:
„Herr Halbe [...] begleitet dieses Projekt mit viel Engagement und unterstützt die Bürger ehrenamtlich bei der Installation der notwendigen Komponenten. Er hat als privater Endkunde bzw. im Namen der Zukunftswerkstatt Ottfingen daher auch eine Vorstandsbeschwerde an die DG initiiert.“ Diese sei auch von Bürgermeister Bernd Clemens, dem Landtagsabgeordneten Jochen Ritter und dem Bundestagsabgeordneten Florian Müller unterzeichnet worden.
Bei allen Schritten habe Daniel Halbe die Gemeinde Wenden informiert. „Dieser Einsatz von Herrn Halbe für eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der Gemeinde in den letzten Jahrzehnten wird seitens der Gemeinde sehr positiv gesehen. Er übernimmt aber keine offizielle Aufgabe für die Gemeinde Wenden“, so Bastian Dröge.

Er erklärt ebenfalls, dass auch die Gemeinde Wenden mit der Deutschen Glasfaser im ständigen Austausch stehe und regelmäßig mehr Transparenz zum Fortschritt des Projekts fordere.
Da es sich jedoch um ein eigenwirtschaftliches Vorhaben des Unternehmens handelt, seien die Möglichkeiten der Gemeinde allerdings begrenzt. Für die öffentliche Kommunikation sei die Deutsche Glasfaser zuständig. Der Stand seit der Information von Ende Juli habe sich aber nicht verändert, gibt Dröge Auskunft.
/p>/a>In der aktuellen Debatte meldet sich auch der Hünsborner Unternehmer Reinhard Schönauer zu Wort, der sich seit Jahren für den Glasfaserausbau in der Gemeinde Wenden einsetzt. Er legt Wert auf die Feststellung, dass seine formelle Beschwerde bei der Bundesnetzagentur im Mai (LokalPlus berichtete) im zweiten Anlauf unter anderem auch direkt an den Wendener Bürgermeister Bernd Clemens adressiert war – und nicht, wie von Clemens dargestellt, der Bürgermeister nur in CC gesetzt worden sei.
Schönauer: „Herr Clemens hat mein Schreiben inhaltlich vollständig, persönlich adressiert und nachweislich empfangen – ebenso wie Landrat Melcher und Amtsleiter Dröge.“
