Ortsumgehung Gerlingen könnte im Extremfall mehr als 80 Mio. Euro kosten
„Es wird teuer und es wird lange dauern“
- Wenden, 02.07.2026
- Politik
- Von Lorena Klein
Wenden/Gerlingen. Ernüchterung im Wendener Gemeinderat. In der Sitzung am Mittwochabend, 1. Juli, hat Thomas Wühle vom Ingenieurbüro Höcker Projekt Managers den aktuellen Planungsstand zur Ortsumgehung Gerlingen vorgestellt – und konnte dabei erstmals auch auf einen Termin- und Kostenrahmen eingehen. Doch die neuen Erkenntnisse muss der Rat nun „erstmal sacken lassen“.


„Eins kann ich vorwegnehmen: Es wird teuer und es wird lange dauern“, informierte Thomas Wühle, der zuletzt im vergangenen Dezember über den Sachstand referiert hatte. Erneut thematisierte er die zahlreichen Aufgaben, die an dem Riesenprojekt einer Ortskern-Entlastung für Gerlingen hängen. Vom Umbau des Knotenpunkts mit der Koblenzer Straße über die Bigge-Brücke bis hin zur wohl größten Herausforderung: der Querung der A 45.

Die Frage, ob hier eine Unterführung oder ein Tunnel gebaut werden könnte, beeinflusst maßgeblich die Attraktivität der Straße und die Kosten für das Gesamtprojekt. Die günstigere Variante ist die Unterführung. Aber, so betonte Wühle: „Die sehr engen Kurven sind das große Manko.“ In diesem Abschnitt würde die Straße erheblich an Attraktivität einbüßen – was dem Ziel, möglichst viel Verkehr auf die Ortsumgehung zu leiten, widerspricht.

Die Tunnel-Variante sei deutlich gestreckter und damit die bessere Wahl, erklärte der Ingenieur – doch dafür wäre sie auch deutlich teurer. Die alleinigen Baukosten für eine Ortsumgehung mit Unterführung lägen bei circa 24 Mio. Euro, mit einem Tunnel wären es 32 Mio. Euro.
Die Kosten für das Gesamtprojekt – unter Berücksichtigung der möglichen Preissteigerungen in den kommenden Jahren – lägen bei 47 bis 63 Mio. Euro für das Projekt mit Unterführung und 63 bis 85 Mio. Euro für das Projekt mit Tunnel.

Der Bau des Querungsbauwerks stehe zudem in baulicher und zeitlicher Abhängigkeit mit den Arbeiten der Autobahn GmbH am Kreuz Olpe-Süd, so Wühle. Erst wenn die Autobahn diese abgeschlossen habe, sei von deren Seite eine Zustimmung erwartbar. Ob die Bauarbeiten für die Ortsumgehung gleichzeitig mit dem Neubau der Talbrücke Gerlingen laufen könnten, müsse noch geprüft werden. Den Baustart für die Ortsumgehung hält Thomas Wühle erst ab 2033 für realistisch.
Überraschte, nachdenkliche und auch bedrückte Gesichter lösten diese neuen Informationen im Gemeinderat aus. Ganz zum Verständnis des Ingenieurs, der aber auch hervorhob: „Das ist in unseren Augen eine offene und ehrliche Kommunikation.“

SPD-Fraktionsmitglied Sven Schartz regte an, nochmal zu überdenken, ob die günstigere Unterführung nicht auch anders, mit weniger scharfen Kurven, umsetzbar sei. „Sonst wäre das ein Totkriterium“, befürchtete er. Bürgermeister Bernd Clemens schlussfolgerte: „Diese Präsentation zeigt uns, dass wir bis Ende des Jahres eine Entscheidung treffen müssen.“ Vor allem die Frage der Finanzierung sei zu klären. Nun müsse man diese Informationen aber „erstmal sacken lassen“, so Clemens.



