Schillernde Zeitzeugen: Neues Museum lässt Erinnerungen aufleben

Langersehnter Mutter-Tochter-Traum


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Judith Breuer hat sich den Traum vom eigenen Museum erfüllt. Momentan dreht sich hier alles um Lametta. von Lorena Klein
Judith Breuer hat sich den Traum vom eigenen Museum erfüllt. Momentan dreht sich hier alles um Lametta. © Lorena Klein

Wendenerhütte. Zwischen elegantem Schmuck und schrillen Exponaten, bunten Verpackungen und Fotos in schwarz-weiß verbergen sich einige Geschichten. So viele mehr, als man denkt, weiß Judith Breuer. In Wendenerhütte hat sie vor kurzem ihr eigenes Museum eröffnet und sich damit einen Lebenstraum erfüllt. Momentan dreht sich hier alles um Lametta.


Lametta? Als Thema einer gesamten Ausstellung? So habe Judith Breuer auch zuerst reagiert, als ihre Mutter Rita Breuer sie damals in ihre neue Idee einweihte. Es ist die letzte Ausstellung, an der Rita Breuer gearbeitet hat. Vor zwei Jahren verstarb sie im Alter von 85 Jahren.

Ihre Tochter Judith, heute 61 Jahre alt, führt nun das weiter, was sich die beiden lange aufgebaut haben. Und was jetzt endlich auch ein Zuhause bekommen hat: ein eigenes Museum, das „Zeitwenden Museum“. Davon haben Mutter und Tochter immer geträumt. Das Haus, ein geräumiger Bungalow in Wendenerhütte, ließ der frühere EMG-Chef erbauen. Seit vielen Jahren gehört es schon der Familie ihres Mannes, erklärt Judith Breuer.

Vom „Kitsch“ zur großen Leidenschaft

Die weihnachtlichen Antiquitäten und Erinnerungsstücke, die hier nun eingezogen sind, haben Rita und Judith Breuer über Jahrzehnte gesammelt. Wie alles angefangen hat? „Mein Vater wünschte sich damals mal einen Baum wie früher“, erzählt Judith Breuer. „Meine Mutter war davon anfangs nicht begeistert: So ein Kitsch kommt mir nicht ins Haus!“

Schließlich habe sie doch begonnen, bei Verwandten und auf Flohmärkten zu stöbern. „Und da hat sich meine Mutter dann unsterblich in den alten Schmuck verliebt.“ Das war Mitte der 1970er-Jahre.

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Judith Breuer hat sich den Traum vom eigenen Museum erfüllt. Momentan dreht sich hier alles um Lametta.

Das Sammeln der weihnachtlichen Artikel wurde für Rita Breuer immer mehr zur großen Leidenschaft. „Meine Mutter war sehr wissbegierig“, lächelt Judith Breuer. „Sie wollte immer wissen, was dahintersteckt.“ Mit dieser Neugier steckte sie ihre Tochter an, die gebürtig aus dem Wendschen kommt und seit vielen Jahren in Saßmicke wohnt.

Die erste Ausstellung der beiden, 1997 im alten Gasthof Stahl in Rothemühle, stieß sofort auf Begeisterung. „Dann kam eins zum anderen“, so Judith Breuer. In den folgenden 25 Jahren veranstalteten Rita und Judith Breuer 42 Ausstellungen zu neun unterschiedlichen Themen, durften diese in 24 Museen in ganz Deutschland präsentieren.

Ein Spiegel der Zeit

„Weihnachten ist einfach ein Wahnsinnsthema, aus dem sehr viel rauszuholen ist“, betont Judith Breuer. Dabei geht es in den Ausstellungen vorrangig nicht um die religiösen Hintergründe. Vielmehr spielen Kunstgeschichte, Technikgeschichte und gesellschaftliche Entwicklungen eine Rolle. Das alles erzählt Weihnachtsdekoration – und somit auch Lametta.

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Judith Breuer hat sich den Traum vom eigenen Museum erfüllt. Momentan dreht sich hier alles um Lametta.

Da sind die Ursprünge in der Textilverarbeitung der 1880er, wo erstmals die Idee aufkam, aus hauchdünnen Metallfäden auch Baumschmuck herzustellen. Dann der funkelnde Überfluss an Lametta, als die Produktion in den 1950er-Jahren billiger wurde. Oder Lametta aus Alufolie in der DDR.

Judith Breuer kennt die vielen Geschichten, erzählt sie lebendig und detailreich, wenn sie entlang der Vitrinen und Schautafeln geht. Das Highlight für viele Besucher: der Weihnachtsbaum – ganz wie früher. „Die Älteren stehen dann hier und erinnern sich, besonders an die typischen Vögelchen“, erzählt Judith Breuer. „Fremde Menschen kommen hier ins Gespräch über das Weihnachtsfest ihrer Kindheit.“

Zum Schluss wird es schrill

Die Produktion von Lametta aus Metall wurde 2015 in Deutschland eingestellt. Doch auch das Kunststoff-Lametta von heute findet einen Platz im Museum – unter anderem in Form eines silbernen, glitzernden Baumes mit lila Kugeln vor einem pinken Lametta-Vorhang. Ein beliebter Foto-Spot, bemerkt Judith Breuer mit einem Augenzwinkern.

Judith Breuer hat sich den Traum vom eigenen Museum erfüllt. Momentan dreht sich hier alles um Lametta. von Lorena Klein
Judith Breuer hat sich den Traum vom eigenen Museum erfüllt. Momentan dreht sich hier alles um Lametta. © Lorena Klein

Für das Zeitwenden-Museum hat sie in Zukunft noch viel geplant. Neben den unterschiedlichen weihnachtlichen Ausstellungen gibt es auch viel Material für weitere Themen. So befasst sich eine der nächsten Ausstellungen mit der Kindheit im Nationalsozialismus und fokussiert sich dabei auf den Kartoffelkäfer.

Eine ganze Ausstellung über den Kartoffelkäfer? Dann wartet mal ab, wie viele Geschichten das Zeitwenden Museum darüber zu erzählen hat…

Am Wochenende einfach vorbeischauen!

Die Ausstellung „Früher war mehr Lametta“ ist noch bis Sonntag, 8. Februar, im Zeitwenden Museum (Waldschmiedestraße 3, Wendenerhütte) zu sehen.

Generell gilt: Besucher können samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr einfach ohne Anmeldung vorbeikommen. Individuelle Führungen können auf Anfrage unter Tel. 02762 / 3620 auch für andere Termine gebucht werden.

Mehr Informationen finden Interessierte unter zeitwenden-museum.de.

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